Ex-Bundesbankchef

Der Interessenkonflikt des Bankers Axel Weber

Als Chef der Bundesbank erfuhr Axel Weber viele Interna aus deutschen Banken. Bald berät er nur noch die Schweizer Großbank UBS.

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Eine der ersten Fragen in der Telefonkonferenz zum Quartalsbericht drehte sich nicht um die überraschend guten Quartalszahlen der UBS, sondern um ihren künftigen Präsidenten. Ein Analyst wollte wissen, ob Axel Weber denn bereits in die operativen Geschäfte im nächsten Jahr involviert sei.

UBS-Interimschef Sergio Ermotti bejahte. „Wir stehen mit ihm in einem laufenden Kontakt.“ Weber spiele allerdings keine offizielle Rolle in der UBS und nehme nicht an Gremiensitzungen teil. Es handle sich lediglich um einen Meinungsaustausch, der nicht in Entscheidungen münde. Und es werde an dem vereinbarten Zeitplan für Webers Wechsel festgehalten.

Eigentlich sollte der frühere Bundesbank-Präsident erst im Mai nächsten Jahres in den Verwaltungsrat des Instituts berufen werden. Zunächst als Vize, ein Jahr später als Präsident. Doch seit dem Rückritt von UBS-Chef Oswald Grübel im September ist Weber ein ständiges Thema im größten Schweizer Geldhaus.

Der Pfälzer soll eng in die Suche nach einem neuen UBS-Chef eingebunden sein. Gerüchten zufolge soll er sogar durch einen Beratervertrag mit der UBS verbunden sein. Die UBS und Weber hatten dies indes nie bestätigt. Allerdings hatte Weber Ende September bei der Bundesbank einen Antrag gestellt, die UBS beraten zu dürfen.

Die Notenbank hat ihrem früheren Präsidenten nun die Genehmigung erteilt. In der Stellungnahme, die „Morgenpost Online“ vorliegt“, heißt es: „Der Vorstand der Bundesbank hat einem von ihrem ehemaligen Präsidenten Axel Weber ab Februar 2012 in Aussicht genommenen Mandat als Berater der UBS (…) zugestimmt.“ Eine solche Zustimmung war nach Webers Vertrag mit der Bundesbank erforderlich.

Kritk aus der Notenbank

In der Notenbank ist man über Webers Vorgehen wenig begeistert. Der Verhaltenskodex der Europäischen Zentralbank (EZB) schreibt vor, dass Mitglieder des EZB-Rates „während des ersten Jahres nach Beendigung ihrer Pflichten alle Interessenkonflikte, die aus neuen privaten oder beruflichen Tätigkeiten erwachsen können“, zu vermeiden haben.

Im Juli hatte der Bundesbank-Vorstand Webers Antrag, für die UBS tätig sein zu dürfen, zugestimmt; da Weber erst zum Mai 2012 wechseln wollte, sahen die Währungshüter die Anstandszeit von einem Jahr gewahrt. Weber war Ende April aus seinem Amt ausgeschieden.

Dass der Pfälzer aber schon nur wenige Monate nach seinem Ausscheiden aus der Notenbank – ob offiziell oder inoffiziell – für die UBS unterwegs war und Ende September den Antrag für eine Beratertätigkeit gestellt hat, hat man in der Bundesbank mit Grummeln zur Kenntnis genommen. „Er hat uns vor eine unglückliche Entscheidung gestellt“, sagt ein Bundesbanker „Morgenpost Online“.

Rechtlich hätte die Bundesbank allerdings keine große Handhabe gegen Webers Antrag gehabt. „Wir hätten es allerdings besser gefunden, Weber hätte sich so kurz nach seinem Ausscheiden aus dem Amt etwas ruhiger verhalten.“

Dass Weber erst ab Februar 2012 die UBS berät, könnte darauf hindeuten, dass die Bundesbank nicht gewillt war, Weber früher die Freigabe zu erteilen. Allerdings ist auch möglich, dass Weber selbst um die Freigabe erst ab Februar gebeten hat.

Dass der Pfälzer, wie eine Zeitung berichtet hatte, schon vor Wochen grünes Licht aus der Bundesbank für seine Beratertätigkeit erhalten habe, sei eine Ente, hieß es aus dem Umfeld der Bundesbank. Die Entscheidung sei erst vor einigen Tagen gefallen.

Fehlende Karenzzeit bemängelt

Auch aus der Politik muss sich Weber Kritik gefallen lassen. „Aus seiner Zeit als Bundesbankchef nimmt Axel Weber sensible Insider-Informationen über die deutsche Konkurrenz mit zu seiner künftigen UBS-Beratertätigkeit“, sagt der finanzpolitische Sprecher der Grünen im Bundestag, Gerhard Schick.

Schließlich habe die Bundesbank als Finanzaufsicht und Krisenmanager wichtige Einblicke in Geschäftsgeheimnisse von deutschen Banken erhalten. „Insofern ist nicht auszuschließen, dass Webers Wechsel zum Schaden des Finanzplatzes Deutschland sein wird. Besser wäre deshalb eine Karenzzeit von drei Jahren gewesen.“

In der Bundesbank hält man solche lange Wartezeiten zwar auch für übertrieben. Die Währungshüter knüpfen Weber Wechsel allerdings an klare Bedingungen: „Bei nachfolgenden Tätigkeiten ist auf die Interessen der Bundesbank Rücksicht zu nehmen“, heißt es in der Stellungnahme zu Webers Antrag. „Weiter darf das Ansehen der Bundesbank nicht beschädigt und das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Bundesbank nicht beeinträchtigt werden; Interessenkonflikte sind zu vermeiden.“

Aus der EZB hieß es, die Bank habe Webers Antrag geprüft. Der Stellungnahme der Bundesbank sei nichts hinzuzufügen. Die UBS wollte keinen Kommentar abgeben. Weber selbst war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Webers künftiger Arbeitgeber konnte indes dank eines Bilanzeffektes ihren Milliardenverlust aus dem Handelsskandal in London weitgehend ausgleichen. Zwar sank der Reingewinn im dritten Quartal binnen Jahresfrist um 39 Prozent auf 1,02 Milliarden Franken (0,83 Milliarden Euro). Dennoch übertraf das Geldhaus die Schätzungen der Analysten, die lediglich knapp 300 Millionen Franken prognostiziert hatten.

Interimschef Sergio Ermotti, der Grübel Ende September im Amt nachfolgte, will den Umbau der Investmentsparte weiter vorantreiben. „Wir arbeiten daran, die Pläne zur Umsetzung der kundenfokussierten Strategie der Investment Bank zu finalisieren“, sagte er. Näheres will Ermotti auf dem Investorentag am 17. November in New York bekannt geben. Dann soll auch Klarheit herrschen, ob mit einem weiteren Stellenabbau zu rechnen ist, der über die geplante Reduktion der Belegschaft um 3500 Arbeitsplätzen hinausgeht.