Konzern bleibt PC-Hersteller

Hewlett-Packard macht noch eine 180-Grad-Wende

Léo Apotheker ist gefeuert, die neue Chefin Meg Whitman macht die Wende: Hewlett-Packard, weltgrößter Hersteller von Computern und Laptops, wird sich doch nicht vom Hardware-Geschäft verabschieden.

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Nach fünf Wochen im Amt bringt die neue Chefin von Hewlett Packard (HP) den weltgrößten Computerhersteller auf Kurs: HP werde sich nicht, wie angedacht, vom klassischen PC-Geschäft trennen, teilte Vorstandschefin Meg Whitman am Donnerstag mit. Auch Tablet-Computer will HP wieder anbieten. Whitmans nach kurzer Zeit entlassener Vorgänger Léo Apotheker hatte angekündigt, man werde keine Smartphones und Tablets mehr produzieren, die von Palm übernommene Pre-Serie einstellen und auch das eigene mobile Betriebssystem WebOS nicht weiterzuentwickeln. HP hatte daraufhin das erst kurz zuvor vorgestellte Tablet namens Touchpad zu Niedrigstpreisen verschleudert. Der Aktienkurs des Konzerns brach dramatisch ein.

Nun bleibt der PC-Hersteller ein PC-Hersteller: Die PC-Sparte abzuspalten oder zu verkaufen wäre zu teuer geworden, erklärte Whitman. „HP steht zur Personal Systems Group“, sagte die ehemalige Ebay-Chefin am HP-Firmensitz im kalifornischen Palo Alto – dieser Geschäftsbereich PSG umfasst Produktion und Vertrieb von PCs. „Zusammen sind wir stärker.“ Die Prüfung sei klar zugunsten der Beibehaltung des Geschäfts ausgefallen, so Whitman, die als Mitglied des Verwaltungsrates zuvor Apothekers Pläne gestützt hatte.

Apotheker schockte die Börse

Mit seinem Strategiewechsel hatte Apotheker hatte den Kurs der HP-Aktie Mitte August auf Talfahrt geschickt: Das war die Folge der Idee, HP solle sich möglicherweise vom klassischen PC-Geschäft verabschieden und künftig auf Software und Dienstleistung setzen – so wie der deutsche Softwarekonzern SAP, von dem Apotheker gekommen war. Der Aktienkurs von HP sackte um 20 Prozent ab. Im September feuerte HP Apotheker und setzte Whitman an die Spitze. Sie saß bereits im Verwaltungsrat des Konzerns.

Whitman sagte, nach Prüfung der strategischen, finanziellen und operativen Folgen einer Trennung von der PC-Sparte habe sich die Unternehmensführung dagegen entschieden. Nach aktueller Überzeugung des Managements ist das PC-Geschäft aber zu eng mit allen anderen Sparten verzahnt, als dass eine Trennung sinnvoll wäre. „Es hat sich am Ende auch gezeigt, dass die Kosten für den Aufbau eines eigenständigen Unternehmens jegliche Vorteile einer Abspaltung zunichte gemacht hätten“, argumentierte Whitman.

Herauslösung von PC-Sparte wäre zu teuer

Die PC-Sparte aus dem Konzern herauszulösen, hätte einmalige Kosten von 1,5 Milliarden Dollar verursacht, rechnete Finanzchefin Cathie Lesjak in einer Telefonkonferenz vor. Zudem hätte HP jedes Jahr eine Milliarde mehr für Bauteile zahlen müssen, weil die Preisvorteile eines Großeinkäufers weggefallen wären, sagte sie.

Den von Apotheker angekündigten Verzicht auf den Tablet-PC Touchpad macht Whitman auch rückgängig: „Wir müssen im Geschäft mit Tablets vertreten sein“, stellte sie klar. Der Chef der PC-Sparte, Todd Bradley, ergänzte, noch sei es nicht zu spät, um auf den Markt vorzudringen, der bislang von Apple mit seinem iPad dominiert wird. Das Touchpad werde künftig aber mit dem Betriebssystem Windows laufen und nicht mehr mit WebOS, das HP mit dem Kauf des Handheld-Herstellers Palm erworben hatte, sagte Whitman. Dennoch habe WebOS noch eine Chance: In den kommenden zwei Monaten werde das Unternehmen über die Zukunft des Tablet-Betriebssystems entscheiden.

Das PC-Geschäft ist die größte Sparte im Konzern mit einem Umsatz von 29,5 Milliarden Dollar in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres – das ist fast ein Drittel des Gesamtumsatzes von 95,1 Milliarden Dollar.

Die Aktie legte nachbörslich um 0,52 Prozent zu. Das PC-Geschäft von Hewlett-Packard ist zwar groß und profitabel – jedoch ist die Rendite deutlich niedriger als in anderen Sparten. Deswegen wollte Apotheker das Unternehmen stärker auf lukrativere Geschäftsbereiche wie Software und Dienstleistungen ausrichten. Den von Apotheker dafür eingefädelten Kauf des britischen Software-Spezialisten Autonomy für mehr als zehn Milliarden Dollar zog HP bereits durch.

Whitman deutet Schrumpfkur an

Die Kehrtwende beendet eine Zeit der Unklarheit. Die Befürchtung war, dass Kunden abspringen könnten, weil sie nicht wissen, wie es weitergeht. Das erwies sich jedoch nach Einschätzung des Marktforschers Gartner als unbegründet: Hewlett-Packard konnte seinen Marktanteil im dritten Quartal sogar noch auf 17,7 Prozent ausbauen - das ist weit vor Lenovo mit 13,5 Prozent und Dell mit 11,6 Prozent.

Whitman war Mitte September als HP-Chefin angetreten und hatte von Beginn an angedeutet, dass sie das Geschäft behalten könnte. Vor allem Firmenkunden wollen sicher sein, dass sie beim Computerkauf auch noch in mehreren Jahren mit einer zuverlässigen Wartung rechnen könnten. PSG-Chef Todd Bradley versprach, HP werde investieren, um auch die Nummer eins zu bleiben.

Whitman deutete allerdings an, dass sie Hewlett-Packard eine Schrumpfkur verordnen könnte: „HP versucht, eine Menge Sachen zu machen. Und ich glaube fest an die Idee, wenige Dinge richtig, richtig gut zu machen.“