Schönefeld

Lufthansa hält sich beim Flughafen BER zurück

Ab nächsten Sommer fliegt die Lufthansa zwar fast 40 Ziele vom neuen Berliner Flughafen an, sie verzichtet aber weiterhin auf Langstreckenflüge. Das Umfeld sei wirtschaftlich zu unsicher und schließe damit große Investitionen aus, heißt es.

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Die Lufthansa hat erste Details für ihre Expansionspläne auf dem neuen Berliner Großflughafen „Willy Brandt“ vorgestellt. Lufthansa-Konzernchef Christoph Franz sagte bei der Vorstellung der Neunmonate-Ergebnisse, dass Lufthansa ab Sommer 2012 insgesamt 38 Ziele in Deutschland, Europa und im Nahen Osten anfliegen wird. Im Sommer 2011 bedienten die Gesellschaften des Lufthansa-Konzerns von Berlin-Tegel aus direkt 23 Ziele. „Angesichts der Wettbewerbssituation verbietet es sich unvernünftig nach vorne zu marschieren“, sagte Franz. Falls das neue Angebot von den Berliner und Brandenburgern aber angenommen werde, kann es laut Franz weiter ausgeweitet werden.

Das gelte allerdings auch für die entgegengesetzte Richtung. Der Lufthansa-Chef schloss aber aus, dass in absehbarer Zeit auf dem neuen Großflughafen „Langstreckenfluggerät“ stationiert wird. Damit zerschlagen sich Hoffnungen, dass die deutsche Hauptstadt durch die Lufthansa direkt mit Städten in Asien oder den USA verbunden wird.

In den vergangenen Wochen war über die angekündigten Ausbau-Pläne der Lufthansa in der Hauptstadt viel spekuliert worden. Auf einer Lufthansa-Aufsichtsratssitzung im Spätsommer war darüber sehr kontrovers diskutiert worden. Angeblich stand sogar die Gründung einer neuen Billigfluggesellschaft unter dem Namen „Lufthansa Express“ zu Diskussion, die dann Punkt-zu-Punkt Verbindungen ab Berlin anbieten sollten. Die deutsche Hauptstadt wird mit diesem Geschäftsmodell derzeit von sehr vielen Billigfluggesellschaften angeflogen, die vor allem Touristen aus ganz Europa in die Stadt bringen. Dazu gehört auch die Lufthansa-Tochter Germanwings , die anfangs recht autonom auf dem Markt agieren konnte. Derzeit wird sie aber sehr viel stärker in das Fluggeschäft des Konzerns eingebunden.

Die Gründung einer neuen Billigfluggesellschaft ist jetzt wohl erst einmal vom Tisch. Der Lufthansa-Vorstand wollte angesichts des unsicheren wirtschaftlichen Umfelds wohl nicht das Risiko weitere Investitionen zu tragen. Erst vor kurzem hatte der Konzern eine Gewinnwarnung herausgegeben. In den ersten neun Monaten verdiente die Lufthansa vor allem wegen der Atomkatastrophe in Japan und den Unruhen in Nordafrika bereits weniger Geld. Der operative Gewinn ging um sechs Prozent auf 578 Millionen Euro zurück. Der Umsatz zog um zehn Prozent auf 22,1 Milliarden Euro an.

Die Buchungslage für die nächsten Monate ist derzeit uneinheitlich – lediglich teure Sitze seien gut nachgefragt, was für eine Krise eigentlich unüblich sei, sagte Finanzvorstand Stephan Gemkow. Die Premiumerlöse auf den Langstrecken stiegen um 1,9 auf 49 Prozent. Die Lufthansa strebt nun im Gesamtjahr einen operativen Gewinn im oberen dreistelligen Millionen-Euro-Bereich an. Für 2012 stellt sich Europas größter Luftfahrtkonzern nun auf geringere Wachstumsraten ein.

Deshalb sollen im Lufthansa-Konzern die Kapazitäten im Passagiergeschäft nur noch um drei Prozent statt der bislang geplanten neun Prozent wachsen. Dafür werden auch weniger Flugzeuge gebraucht. Den 32 Neuanschaffungen stehen 38 ältere Maschinen gegenüber, die aus dem Verkehr gezogen und verkauft werden. Ursprünglich hatte Lufthansa nur die Hälfte an Abgängen geplant.