Geldinstitute

Schwaches Investmentbanking bremst Deutsche Bank

Auch der Branchenprimus hat schwer zu kämpfen. Der Gewinn beim Investmentbanking bricht ein. Doch die Privatkundensparte hält das Geldhaus auf Kurs.

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Auf gewisse Art und Weise hat Josef Ackermann schon jetzt ein Langfristziel erreicht. Der Chef der Deutschen Bank träumte von einem Institut mit zwei festen Säulen: das Geschäft mit Privat- und Firmenkunden auf der einen – und das Investmentbanking auf der anderen Seite. Bisher trug das Investmentbanking rund zwei Drittel zum Gewinn bei. Doch für das dritte Quartal kann Ackermann unter sein Ziel einen Haken machen: Die Investmentbank verdiente 53 Prozent der Gewinne, die Geschäftsfelder der zweiten Säule trugen 47 Prozent bei. Nur, dass er dafür sein Zehn-Milliarden-Euro-Gewinnziel opfern musste, das dürfte nicht recht ins Traumbild von Ackermann passen.

Denn Grund für die überraschende Ausgeglichenheit der beiden Säulen war nicht ein Wachstumsschub im Kundengeschäft, sondern ein Einbruch im Investmentbanking. Und Ackermann ist auch nicht um eine Erklärung verlegen: „Im dritten Quartal 2011 war die Weltwirtschaftslage ernster als je zuvor seit dem Zusammenbruch von Lehman Brothers Ende 2008. Der Ausblick für die Euro-Zone hat sich deutlich verschlechtert“, schreibt er im Quartalsbericht an die Aktionäre.

Seit den Zeiten, als die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers dem deutschen Branchenprimus acht Mrd. Euro Verlust im Investmentbanking einbrockte, hat die Deutsche Bank die Risiken drastisch heruntergefahren. Trotzdem musste der scheidende Vorstandschef Ackermann das ehrgeizige Gewinnziel von zehn Mrd. Euro für das laufende Jahr bereits Anfang Oktober kassieren.

Das hatte die Erwartungen der Analysten im Vorfeld bereits erheblich nach unten geschraubt. Sie rechneten im Durchschnitt nur mehr mit einem Gewinn von 343 Mio. Euro. Als die Bank dann am Dienstag einen Quartalsgewinn von 777 Mio. Euro nach Steuern vorlegte, übertraf das die niedrigen Erwartungen freilich – auch wenn das im Vergleich zum Vorquartal einem Minus von 37 Prozent bedeutete. Entsprechend unentschieden war auch die Reaktion der Märkte: Nach Verkündung der Zahlen schwankte der Aktienkurs zwischen Minus und Plus. Letztlich setzte sich gegen Abend der Aufwärtstrend durch.

Finanzvorstand Stefan Krause sah die Bank trotz des niedrigen Gewinns gut auf eine weitere Verschärfung der Schuldenkrise vorbereitet . „Wir brauchen keine Staatshilfe“, betonte er mehrfach. Mit einem Liquiditätspuffer von 180 Mrd. Euro sichert sich die Bank gegen Verwerfungen an den Märkten ab. „Das ist ein Rekordniveau.“ Damit könne man mehrere Monate mit normalen Abflüssen überstehen, ohne den Markt anzuzapfen.

Doch nicht nur der Liquiditätspuffer, sondern auch die Kapitalquote steht derzeit im Fokus. Die Regulierer wollen Europas größten Banken bis Juni kommenden Jahres eine Kernkapitalquote von neun Prozent der gewichteten Bilanzsumme verordnen, damit sie auch eine Pleite Griechenlands verkraften können. Die Deutsche Bank könne die entstehende Kapitallücke allein dadurch schließen, dass sie ihre Bilanzsumme wie geplant reduziere, sagte Finanzchef Krause. Selbst eine Dividende von 75 Cent je Aktie könne sie sich dann noch leisten.

Er rechnete den Investoren vor, dass die Bank unter Anwendung der neuen Übergangs-Eigenkapitalregeln nach Basel 2.5 im Sommer kommenden Jahres eine Kernkapitalquote von 9,1 Prozent erreichen wird – ohne weiteres Zutun des Managements. Eingerechnet ist dabei, dass aus der Schuldenkrise unter dem Strich nur 100 Mio. Euro abgeschrieben werden müssen, wenn alle europäischen Staatsanleihen zum aktuellen Marktwert bewertet werden. Berücksichtigt sind in diesen Angaben nicht nur die Kursverluste von Staatsanleihen der Euro-Krisenländer, sondern auch die Kursgewinne von Anleihen anderer Staaten.

Griechische Staatsanleihen stehen nun noch mit 46 Prozent des Nennwertes in den Büchern des Hauses. Aufgrund der Schuldenkrise musste die Bank den Angaben zufolge im dritten Quartal 228 Mio. Euro auf griechische Staatsanleihen abschreiben. Einen härten Schuldenschnitt von 50 oder 60 Prozent, wie er im Gespräch ist, würde die Deutsche Bank also leicht verkraften.

Insgesamt beläuft sich das Netto-Engagement in den Euro-Krisenstaaten Portugal, Irland, Italien, Griechenland und Spanien auf 4,4 Mrd. Euro. Im Dezember 2010 waren es noch über zwölf Mrd. Euro. Allein in Italien hat das Engagement zum Vorquartal zugenommen: Statt 1,0 Mrd. Euro beträgt das Risiko nun 2,3 Mrd. Euro. In allen anderen Krisenstaaten nahm das Volumen weiter ab.

Rückgänge verzeichnete die Bank auch an anderer Stelle: Durch die Unsicherheit an den Märkten halten sich Investoren zurück – das schlägt sich auch im Einkommen der Investmentbank nieder. Das Kapitalmarktgeschäft brachte im Quartal nur noch einen Mini-Gewinn von 70 Mio. Euro vor Steuern ein. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 1,1 Mrd. Euro gewesen. Im Handel mit Anleihen und anderen Produkten sanken die Erträge um 34 Prozent auf 1,5 Mrd. Euro. Im Handel mit Aktien gingen die Erträge um 41 Prozent auf 384 Mio. Euro zurück.

Belastungen drohen von juristischer Seite: Im Verfahren zum Umsatzsteuerbetrug im Zusammenhang mit CO 2 -Verschmutzungsrechten, die über die Deutsche Bank abgewickelt wurden, muss die Bank wohl auf eine Steuerforderung in der Höhe von 310 Mio. Euro verzichten.

Deutsche Bank kürzt 500 Stellen im Investmentbanking

Die Bank reagiert auf den Ergebniseinbruch mit einem Stellenabbau: 500 Stellen werden gestrichen und zwar vor allem im Investmentbanking – dort wird etwa jede zehnte Stelle wegfallen. „Wir passen die Plattform an und werden das auch weiterhin tun, wenn sich am Umfeld nichts ändert“, sagte Krause.

Positive Nachrichten kommen hingegen aus dem Privatkundengeschäft: Hier verdiente die Deutsche Bank im abgelaufenen Vierteljahr vor Steuern 310 Mio. Euro, ein Plus von 27 Prozent. Die Vermögensverwaltungssparte, zu der der Fondsdienstleister DWS gehört, verdoppelte ihr Ergebnis auf 186 Mio. Euro. Positive Nachrichten meldete die Bank aus dem Privatkundengeschäft: Hier verdiente sie knapp 30 Prozent mehr als im dritten Quartal des vergangenen Jahres.