Deutsche Bank

Ackermann im Endspurt gegen Politik und Krise

Der Deutschen Bank könnte es tatsächlich abermals gelingen, ohne Staatshilfe durch die Krise zu kommen. Doch ihr Chef Ackermann hat noch andere Ziele.

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Ein Rekordergebnis im klassischen Bankgeschäft, ein Gewinneinbruch im Investmentbanking – erstmals seit vielen Jahren verdient die Deutsche Bank mit Privat- und Firmenkunden ebenso viel Geld wie am Kapitalmarkt . Dass die beiden Standbeine ausgeglichene Beiträge zum Quartalsergebnis abliefern, ist jedoch nicht die Erfüllung eines strategischen Ziels, sondern das Ergebnis eines unerwünscht volatilen Geschäftsumfeldes.

Zwar sind die Erfolge im Privat- und Firmenkundengeschäft sowie in der Vermögensverwaltung durchaus beachtlich: Noch nie hat die Deutsche Bank in diesen Geschäftsfeldern in den ersten neun Monaten eines Jahres so hohe Gewinne eingefahren.

Dennoch darf dieses Ergebnis nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Deutsche Bank nach wie vor ihre Heimat im Investmentbanking hat. Sobald sich die Märkte erholen, kehrt aller Voraussicht nach auch der Überhang des Investmentbankings zurück.

Nicht zuletzt dies ist ein Grund für Josef Ackermann, nichts unversucht zu lassen, um der Bank eine staatliche Kapitalspritze zu ersparen. Denn eine Investmentbank führt sich wesentlich leichter, wenn üppige Gehälter und Boni weiter fließen können.

Und es scheint, als könnte es der Deutschen Bank tatsächlich abermals gelingen, ohne Staatshilfe durch die Krise zu kommen. Wie Ackermann vorrechnen lässt, erreicht er ohne weiteres Zutun im Juni nächsten Jahres unter den neuen Spielregeln eine harte Kernkapitalquote von 9,1 Prozent und würde damit die Vorgaben der europäischen Bankenaufsicht EBA erfüllen.

Nur eine Abschreibung von 100 Millionen Euro

Denn die Behörde rechnet nun offenbar nicht nur Kursverluste bei den Anleihen von Euro-Krisenstaaten mit ein, sondern auch Kursgewinne bei Anleihen anderer Staaten. Das vorausgesetzt, droht der Bank lediglich eine Abschreibung von 100 Millionen Euro – das kann sie leicht verschmerzen.

Auf die leichte Schulter nehmen kann das Institut die gegenwärtige Debatte um die Banken jedoch keinesfalls. Selbst wenn der Branchenprimus um die Staatshilfe herumkommt, birgt die Diskussion über eine Verschärfung der Regulierung des Investmentbankings allerlei Sprengstoff.

Noch immer ist die Deutsche Bank einer der größten Player auf dem Derivatemarkt. Schon die neuen Eigenkapitalregeln nach Basel III fordern für diese komplexen Wertpapiere strengere Regeln, die dem Institut einiges abverlangen. Nun bahnen sich weitere Verschärfungen an. Auch eine Finanztransaktionssteuer würde die Bank hart treffen, die viel Geld über die schiere Masse kleiner Transaktionen verdient.

Und wenn die Diskussion um die Abspaltung des Investmentbankings weiter an Fahrt gewinnt, könnte das Haus am Ende wieder auf nur auf einer Säule stehen. Das wird Ackermann in seinen letzten Monaten als Vorstandschef mit aller Kraft zu verhindern versuchen.