Schweizer Großbank

UBS schafft trotz Zocker-Skandals Milliardengewinn

Trotz des Handelsskandals in London und der schwachen Finanzmärkte hat die Schweizer Großbank UBS im dritten Quartal einen Milliardengewinn gemacht.

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Trotz des Handelsskandals in London und schwacher Finanzmärkte hat die Schweizer Großbank UBS im dritten Quartal dank eines Bilanzkniff einen Milliardengewinn gemacht. Der Reingewinn sank zwar binnen Jahresfrist um 39 Prozent auf 1,02 Milliarden Franken, wie die Bank am Dienstag mitteilte. Im Vergleich zum Vorquartal blieb er aber stabil. Analysten hatten lediglich mit einem Gewinn von knapp 300 Millionen Franken gerechnet – die Bank selbst hatte Anfang Oktober einen „moderaten“ Quartalsgewinn in Aussicht gestellt.

Als hilfreich erwies sich ein Buchgewinn von 1,765 Milliarden Franken (1,44 Milliarden Euro), der auf der Neubewertung der eigenen Verbindlichkeiten nach dem sogenannten Fair-Value-Prinzip basiert. Das half zuletzt auch den US-Großbanken JP Morgan, Morgan Stanley und Citigroup ihre Quartalsabschlüsse aufzupolieren. Hinzu kam ein einmaliger Gewinn von 700 Millionen Franken aus dem Verkauf von Wertpapieren, der zu einer Gewinnverbesserung im Vermögensverwaltungsgeschäft und im traditionellen Schweizer Bankgeschäft führte.

Aber auch ohne diesen Einmalfaktor warf die Vermögensverwaltung für die Bank mehr ab als Analysten prognostiziert hatten. „Die Zahlen sind besser als erwartet, auch wenn sie dabei etwas gemauschelt haben. Das Wealth Management läuft sehr gut“, urteilte ein Händler. Das Ergebnis der Sparte Wealth Management sei deutlich besser als erwartet, erklärte die Bank Wegelin.

Der Verlust aus dem Handelsskandal in London fiel mit umgerechnet 1,8 Milliarden Franken etwas geringer aus als die Bank zunächst befürchtet hatte. Finanzchef Tom Naratil führte dies auf die Wechselkursentwicklung zurück. Dennoch lief in der Investment Bank ein Verlust von 650 Millionen Franken auf.

Europäische Kunden ziehen Geld ab

Der Mitte September ans Licht gekommene Handelsskandal hinterließ im Vermögensverwaltungsgeschäft kaum Spuren. UBS konnte bei reichen Kunden neues Geld über netto 7,8 Milliarden Franken einsammeln. Im Quartal davor waren der Bank 8,2 Milliarden Franken zugeflossen. Neue Kunden und neues Geld fand die Bank vor allem in Amerika und in Asien. Im Europa-Geschäft floss dagegen Geld ab. In Deutschland verließen Berater die Bank und nahmen Kunden mit einem Gesamtvermögen von 1,5 Milliarden Franken mit. Auch im aus der Schweiz heraus betriebenen Geschäft mit europäischen Nachbarländern kam es zu Abflüssen. Hier bekommt die UBS die anstehenden Abkommen zur Bekämpfung der Steuerhinterziehung wie etwa mit Deutschland zu spüren.

Umbau der Investmentbank geht

Der ins Auge gefasste und nach dem Londoner Skandal dringlicher gewordene Umbau der Investment Bank geht weiter. „Wir arbeiten daran, die Pläne zur Umsetzung der kundenfokussierten Strategie der Investment Bank zu finalisieren“ erklärte der neue Konzernchef Sergio Ermotti. Die Einzelheiten sollen auf einem Investorentag Mitte November in New York vorlegt werden. Dann könnte auch noch einmal ein Stellenabbau ein Thema werden. Der im August im Rahmen eines Kostensenkungsprogramms angekündigte Abbau von 3500 Stellen oder fünf Prozent der Belegschaft habe eine taktische Stossrichtung, sagte Finanzchef Naratil. Wenn es zu einem strategischen Stellenabbau komme, werde das in New York bekanntgegeben. Das auf zwei Milliarden Franken angelegte Kostensenkungsprogramm laufe wie geplant. Restrukturierungskosten von 387 Millionen Franken seien im Berichtsquartal verbucht worden.

UBS-Ergebnis in Daten

- Reingewinn 1,02 Milliarden Franken nach 1,66 Milliarden Franken im dritten Quartal 2010;

- Die Kernkapitalquote verbesserte sich auf 18,4 Prozent und das Kernkapital stieg auf 38,1 Milliarden Franken;

- Die Kundeneinlagen bleiben die wichtigste Finanzierungsquelle und erhöhten sich um 15 Milliarden Franken auf 370 Milliarden Franken;

- Die Investmentbank verbuchte einen Vorsteuerverlust von 650 Millionen Euro, bedingt durch die Marktverhältnisse und den Verlust von 1,8 Milliarden Franken, der durch einen einzelnen Londoner UBS-Händler verursacht worden war.