Öko-Projekt

User der Suchmaschine Ecosia helfen dem Regenwald

Ein junger Betriebswirt aus Berlin definiert E-Business neu: Den größten Teil der Umsätze seiner grünen Suchmaschine spendet er dem WWF für ein Regenwaldprojekt in Brasilien.

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Einen wie Christian Kroll hätten Unternehmensberatungen oder Banken sicher mit Kusshand genommen. Mit 24 hatte er sein BWL-Diplom, Erfahrung mit Aktien – aber keine Lust, in einem großen Unternehmen anzufangen. Er wollte etwas selber machen, um die Welt reisen. Das war 2007.

Heute betreibt er Ecosia – eine grüne Suchmaschine, die 80 Prozent ihres Umsatzes an ein Regenwaldprojekt des World Wide Fund (WWF) spendet. „Suchmaschinen verdienen so viel Geld, da könnten sie auch mehr für den Umweltschutz tun“, sagt Kroll. Das Buch „Hot, Flat and Crowded“ des Publizisten Thomas Friedman brachte Christian Kroll auf die Idee für sein Social Business: „Friedmann schreibt, dass 20 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen durch die Abholzung der Regenwälder verursacht wird. Wenn man das verhindern würde, könnte man einen Beitrag dazu leisten, dass der Klimawandel zumindest verlangsamt wird.“

Ein Aktivist sei er nie gewesen, sagt Christian Kroll. Dass Regenwaldschutz eine günstige Methode ist, etwas für den Klimaschutz zu tun, sei ihm bis dahin jedenfalls nicht klar gewesen. Noch in Südamerika, wo er einige Monate lebte, begann Kroll, eine grüne Suchmaschine zu programmieren. Die heißt am Anfang noch Forestle und liest Suchergebnisse von Google aus. Allerdings kündigt Google nach wenigen Tagen ohne Gründe die Such-Partnerschaft auf. „Aber ich fand die Idee trotzdem gut – auch wenn Google da nicht mitmachen wollte.“ So kommt er Yahoo! ins Gespräch. Aus Forestle wird Ecosia. Später gewinnt Ecosia auch Bing. Das Start-up bekommt richtige Verträge mit Kündigungsfristen, die Konzerne bekommen einen Teil des Umsatzes.

40.000 Euro erwirtschaftet das Start-up derzeit pro Monat. 20 Prozent dieses Umsatzes bleiben bei Ecosia. Erst mal genug, um in Berlin zwei Programmierer, zwei weitere Mitarbeiter und seine Schwester Jana, die sich um Texte und Pressearbeit kümmert, zu bezahlen. Geld verdient Ecosia dadurch, dass Nutzer der Suchmaschinen auf Werbeanzeigen klicken. Allerdings geschieht das nur bei zwei Prozent der 600.000 Suchen, die Ecosia derzeit pro Tag verzeichnet. Wenn jemand über einen affiliate Link auf einen Shop kommt und dort einkauft, zahlt der Shop Ecosia eine Provision. „Es ist eine Möglichkeit online zu shoppen, und dabei ein bisschen was Gutes zu tun“, sagt Christian Kroll. „Das heißt nicht, dass die Produkte grün sind, aber dass ein Teil des Geldes gespendet wird.“

Besonders lukrativ sind für Ecosia Eco-Links, die etwa auf Mobilfunk-Verträge verweisen. Will jemand ein iPhone von der Telekom, kann die Suchmaschine daran bis zu 50 Euro verdienen. Ein Klick auf Werbung für einen Kredit bringt etwa einen Euro.

Klassische Werbung hat Ecosia selbst nie geschaltet, Mund-zu-Mund-Propaganda ist das wichtigste Marketinginstrument. Eine große Rolle spielen allerdings soziale Netzwerke wie Facebook – dort hat das Start-up fast 200.000 Fans. Im September haben Kroll und seine Kollegen eine Share-Week veranstaltet: Jeden Tag haben sie Leuten erklärt, wie man Ecosia nutzt. Sie haben Videoclips bei Facebook eingestellt, die sie selbst gedreht haben. Einen Zeichentrickfilm, den eine Berliner Agentur kostenlos gemacht hat – weil das Konzept von Ecosia gefiel.

„Regenwaldschutz bedeutet nicht, dass ganz viele Bäume gepflanzt werden. Es geht eher darum, bestehende Flächen zu schützen.“ Aus dem WWF-Projekt in der Region Tumucumaque im Norden Brasiliens bekommt Ecosia regelmäßig Updates. „.Wir stehen mit den Projektleitern in Verbindung, um zu erfahren, was genau mit unserem Geld passiert.“ Die Suchmaschine ist einer der Hauptsponsoren des Projekts. Das Gebiet, das der WWF schütze, sei etwa so groß wie die Schweiz.

Und das ist aufwendig, weil es Leute gibt, die den Wald anders nutzen wollen, etwa Wilderer oder Vertreter der Holzindustrie.

„Es reicht nicht, einen Zaun zu bauen. Man muss mit den Regierungen reden“, sagt Christian Kroll. Purer Aktivismus helfe dem Regenwald nicht: „Man kann sich jetzt nicht einfach an einen Baum ketten. Man muss den Leuten in der Region klarmachen, welchen Wert der Wald hat. Und dass sie auch ihr Leben daraus finanzieren können und ihn nicht abholzen.“

Damit Ecosia noch mehr Projekte unterstützen kann, muss es wachsen. Ein Weg, bekannter zu werden, seien Kooperationen mit Firmen. Ein deutsches Unternehmen, dessen Namen Kroll nicht nennen darf, will Ecosia offenbar als Standardsuchmaschine auf Mitarbeitercomputern einrichten. „Sobald das passiert ist, können wir auch mit anderen Unternehmen in Kontakt treten.“ Zugleich versucht Kroll, besser in den USA Fuß zu fassen – denn schließlich werden dort 50 Prozent des weltweiten Online-Werbeeinsatzes generiert.