Boombranche

Maschinenbauer von der Politik enttäuscht

Dem deutschen Maschinenbau geht es blendend. Tausende Betriebe sind ein halbes Jahr im Voraus ausgelastet. Nur Banken und Politk machen der Branche Sorgen.

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Deutschlands Maschinenbauer beteuern, es gehe ihnen ausgesprochen gut. Im Jahr 2011 wird nach ihren Voraussagen das Produktionsvolumen um stattliche 14 Prozent steigen, 2012 soll mit einem Plus von weiteren vier Prozent sogar das bisherige Rekordniveau aus dem Boomjahr 2008 übertroffen werden. „Die Lage ist stabil, die Perspektive gut“, sagt Thomas Lindner, der Präsident des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA).

Seine Organisation hebt deswegen sogar die Beschäftigtenprognose um immerhin ein Drittel an: 943.000 Mitarbeiter soll die Statistik am Jahresende ausweisen, verkündete Lindner am Rande des Maschinenbaugipfels in Berlin. Das sind lediglich 2000 Beschäftigte weniger als im Rekordjahr 2008 und immerhin 10.000 mehr als bislang prognostiziert.

Und die Tendenz ist weiter positiv, heißt es beim VDMA. Denn trotz Euro-Krise und Finanzmarktturbulenzen steigt der Auftragseingang bislang unvermindert weiter. Stand heute sind die rund 6000 Branchenbetriebe für die kommenden sechs Monate ausgelastet, vor allem durch Exporterfolge in Asien. Lindner klagt daher schon über einen Mangel an Fachkräften. So gebe es aktuell 17.000 offene Stellen im Maschinenbau, davon rund 8000 für Ingenieure.

Doch wie lange sich die heimischen Maschinenbauer vom aktuellen Krisengebrüll in Deutschland noch abkoppeln können , ist unklar. Linder jedenfalls zeigt sich trotz der guten Branchendaten ob der Schulden- und Finanzkrise beunruhigt. „Die Ansteckung der Realwirtschaft durch den Wackelkurs der Banken ist gegeben“, warnt der Unternehmer.

Bei den mittelständischen Maschinenbauern jedenfalls wachse die Sorge, ob die Banken noch bereit seien, die Unternehmen zu finanzieren. Zum einen wegen der instabilen Lage bei den Geldhäusern. Zum anderen, weil sich die Maschinenbauer zunehmend fragen, ob die Begleitung der Realwirtschaft überhaupt noch gewollt ist. „Es entsteht schon etwas der Eindruck, als ob das zentrale Geschäftsmodell der Banken eher virtuellen Charakter hat“, schimpft Lindner.

Seine Sorge jedenfalls scheint nicht unberechtigt. Denn auch die Politik hegt bereits schlimmste Befürchtungen. „Wir brauchen dringend wieder Vertrauen auf den Märkten“, sagt Bernhard Hetzer, der Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium. „Ansonsten laufen wir Gefahr, in eine ähnlich schlimme Situation hineinzulaufen wie 2008“, warnt Hetzer. Noch allerdings sieht der frühere Chef des Bundeskartellamts den Aufschwung in Deutschland nicht am Ende. Und die Politik werde alles daran setzen, dass es auch so bleibt.

Für Lindner muss dafür aber deutlich mehr kommen als bislang. „Was die Verschuldungs- und Euro-Krise betrifft, sind wir von den Leistungen der Politik mehr als enttäuscht“, sagt der VDMA-Präsident. Der Branche gehe es derzeit nicht wegen der politischen Rahmenbedingungen gut, sondern trotz des politischen Wackelkurses.

Lindner fordert daher zeitnah eine stabile Lösung. „Wir brauchen einen klaren Masterplan, was wann und wie passiert.“ Denn ein Scheitern des Euro sei für den Maschinenbau als Exportindustrie mit einem Auslandsanteil von über 75 Prozent dramatisch. „Wir waren schon mal Opfer der Verschuldungs- und Finanzkrise und möchten das nicht ein zweites Mal erleben.“