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Das sind die stärksten deutschen Mittelständler

Eine Unternehmensberatung hat den deutschen Mittelstand unter die Lupe genommen. Besonders der Süden Deutschlands ist erfolgreich.

Foto: Won

Es war ein farbenfrohes Spektakel. Scheinwerfer tauchten am Samstag vor einer Woche das neue Stadion in Kiew in die ukrainischen Nationalfarben Blau und Gelb, Superstar Shakira gab ein Konzert. Die 58.000 Zuschauer waren begeistert. Dass die Eröffnung der EM-Arena glatt über die Bühne ging, war auch einer Technik „Made in Germany“ zu verdanken.

Die Pfälzer Firma Mobotix hat die Arena mit über 500 Kameras ausgestattet und sorgte so mit für die Sicherheit. Es ist nicht der einzige Großauftrag, den die junge Firma an Land ziehen konnte. Auch rund um den italienischen Präsidentenpalast oder der vatikanischen Bibliothek hängen Überwachungskameras aus der Pfalz.

Für seine gute Projekt-Akquise wird Mobotix nun belohnt. Im Ranking der „Top 100 – Ranking des Mittelstands 2011“, das „Morgenpost Online“ vorliegt“, belegt Mobotix den ersten Platz. „Mobotix zeichnet sich durch seine große Vertriebsstärke aus. Das Unternehmen hat in kurzer Zeit sein Geschäftsmodell erfolgreich internationalisiert“, lobt Sebastian Theopold, Geschäftsführer der Strategie-Beratungsgesellschaft Munich Strategy Group, die das Mittelstands-Ranking erstellt hat. Auf dem zweiten Platz landete das Bremer Technologieunternehmen Sikora, Dritter wurde der bayerische Agrar-Dienstleister Agrolab.

1600 Firmen analysiert

Für sein Ranking hat Theopold 1600 Unternehmen analysiert. Mobotix punktete vor allem durch rasantes Wachstum: Um über 37 Prozent konnte das Technologieunternehmen seinen Umsatz zwischen 2005 und 2010 steigern.

Die Ertragsquote stieg im selben Zeitraum durchschnittlich um fast 20 Prozent. Erst Ende 1999 hat Ralf Hinkel Mobotix gegründet, Ende 2001 brachte er die ersten Kameras auf den Markt, die die Kunden schnell überzeugten: Damit seine Kameras Bilder aufnehmen, müssen sie nicht mehr an einen Rechner angeschlossen sein. In jeder Kamera ist ein Hochleistungsrechner integriert. Das ermöglicht hochauflösende Aufnahmen.

Der Unternehmer hat es geschafft, viele Großprojekte zu ergattern. Mobotix hat konsequent auf Internationalisierung gesetzt, beschäftigt viele Mitarbeiter aus dem Ausland. Außerdem richtet das Unternehmen jährlich 25 eigene internationale Partnerkonferenzen aus und ist weltweit auf rund 100 Messen vertreten. 77 Prozent aller Kamera-Systeme liefert Mobotix ins Ausland.

Erfolgsfaktoren im Mittelstand

Internationalität ist einer von sieben Erfolgsfaktoren, die laut Theopold die Top-Unternehmen von den schwächeren Betrieben unterscheiden. Weitere Merkmale seien Innovations- und Servicestärke, ein gutes Image, ausbaufähige Wettbewerbsvorteile, Kontinuität in der Führung und strategische Konsequenz. Gerade letzteres sei entscheidend, auch wenn es sich vielleicht abgedroschen anhöre, sagt Theopold. „Zum Beispiel sind heute die Betriebe in China erfolgreich, die schon vor zehn Jahren dort investiert und sich auch von Rückschlägen nicht von ihrem Weg haben abbringen lassen.“

So wie der zweitplatzierte Mittelständler Sikora aus Bremen. Schon vor 15 Jahren wagte das Technologieunternehmen den Schritt in die Volksrepublik. Heute wächst das Unternehmen nirgends auf der Welt so stark wie in Fernost, 25 Prozent beträgt das Umsatzwachstum in China pro Jahr. Sikora stellt Messgeräte für Schläuche, Drähte und Kabel her. In Autos sind heute wegen der komplexen Elektronik viel mehr Kabel verlegt als früher. Damit die Fahrzeuge aber nicht zu schwer werden, müssen die Kabel dünn sein, gleichzeitig aber gut leiten. Das lässt sich mit den Messgeräten von Sikora nachprüfen. Auch ob die dicken Kabel, die von den Nordsee-Windkraftwerken zum Land laufen, richtig isoliert sind, lässt sich mit Prüfgeräten aus Bremen feststellen.

Sikora ist in Schwellenländern stark vertreten

Gestartet ist Sikora vor 38 Jahren als Ein-Mann-Betrieb. „Wir haben früh in den internationalen Vertrieb und Service investiert“, sagt der heutige Sikora-Chef Harry Prunk. In allen wichtigen Schwellenländern ist die Firma inzwischen mit einem eigenen Büro vertreten, gerade eröffnet Sikora eine Vertretung in Dubai.

„Der einfachste Weg neue Märkte zu erschließen ist über Vertreter. Aber wenn ich Kunden langfristig binden will, muss ich selber vor Ort sein“, sagt Prunk. In Indien habe er früher oft viel Arbeit, aber keinen Umsatz gehabt. Seit er 2005 dort ein Büro eröffnet, ziehe das Geschäft an. Rund 22 Prozent ist die Ertragsquote in den vergangenen fünf Jahren dank dieser Strategie gestiegen.

Neben Sikora sind nur wenige Mittelständler aus dem Norden unter den Top100 vertreten. Das Ranking deckt ein klares Nord-Süd-Gefälle auf: „Im Süden sind die wirtschaftlichen Strukturen in Ordnung. Insbesondere Baden-Württemberg hat sich nach der Krise eindrucksvoll zurückgemeldet“, sagt Theopold. 53 der besten 100 Betriebe kommen aus Baden-Württemberg, Hessen oder Bayern. Nur neun Betriebe haben ihren Sitz in Norddeutschland.

Schwach vertreten mit 16 Unternehmen sind auch die fünf Bundesländer in Ostdeutschland. „Sachsen ist die einzige Leuchtturm-Region in Ostdeutschland, die anderen ostdeutschen Regionen fallen im bundesweiten Vergleich deutlich ab“, sagt Theopold.

Insgesamt verfüge Deutschland über eine gesunde Basis an erfolgreichen Mittelständlern. Sie seien genau in den Branchen stark, die vom Wachstum in den Schwellenländern profitieren werden. So führen das Branchen-Ranking Technologie-Unternehmen an, gefolgt von Maschinen- und Anlagenbauern. Danach folgt die Bauwirtschaft mit 21 Unternehmen.