Führungspositionen

Dax-Unternehmen lehnen feste Frauenquote ab

Die 30 Dax-Unternehmen in Deutschland wollen nach eigenen Angaben keine feste Frauenquote einführen. Stattdessen wollen sich die Konzerne freiwillig verpflichten, den Anteil von Frauen in Führungspositionen zu erhöhen.

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Die 30 Dax-Unternehmen in Deutschland wollen den Anteil von Frauen in Führungspositionen erhöhen. Sie präsentierten am Montag in Berlin freiwillige Selbstverpflichtungen für die einzelnen Unternehmen. Eine gesetzliche Regelung für eine Frauenquote lehnten sie erneut ab.

Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) beharrte indes darauf, ihr Vorhaben einer flexiblen Quote verpflichtend zu machen. Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hält an der Forderung nach einer gesetzlich verankerten einheitlichen Quote fest.

Die Konzerne erklärten, es handele sich um eine europaweit einmalige Initiative einer freiwilligen Selbstverpflichtung. Sie wollen künftig jährlich über ihre Fortschritte berichten. Die Zielsetzungen der einzelnen Unternehmen varrieren dabei deutlich. Einige erklärten sich zu festen Quoten zwischen 12 und 35 Prozent in Führungsebenen bereit, andere sprachen von Zuwachsraten, ein Unternehmen lehnte feste Quotenvorgaben ab. Was unter einer Führungskraft zu verstehen ist, wird nicht genau definiert.

Aufsichtsräte und Vorstände betrifft das Vorhaben nicht. Zu diesem Thema solle es in absehbarer Zeit ein Treffen im Bundeskanzleramt geben, kündigte Ministerin Schröder an. Die Dax-Konzerne lösten mit ihrer Erklärung eine Zusage aus dem März ein, eigene Vorgaben zur Erhöhung des Frauenanteils in Führungsposition vorzulegen.

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hatte den Dax-Konzernen vor dem Treffen geraten, sich bei der Frauenförderung den Mittelstand zum Vorbild zu nehmen. Der Mittelstand habe sich an seine 2001 gegebene Selbstverpflichtung gehalten, dort seien in den vergangenen zehn Jahren 30 Prozent der Führungspositionen mit Frauen besetzt worden, sagte die Ministerin am Montag im ZDF-Morgenmagazin. Dies müsse auch in Großkonzernen möglich sein. Eine Quote von 3,7 Prozent Frauen in den Vorständen der Großkonzerne sei im 21. Jahrhundert „einfach unterirdisch“, kritisierte von der Leyen. „Das geht nicht.“ Bei einem Spitzentreffen mit der Bundesregierung wollen die 30 Dax-Unternehmen am Montag ihre Pläne zur Steigerung des Frauenanteils in Chefetagen vorlegen.

Von den 30 im Deutschen Aktienindex (Dax) notierten Unternehmen erwarte sie klare Aussagen, wie es in den Vorständen und in den Aufsichtsräten weitergehe. Die Unternehmen müssten angeben, welche Frauenquote sie in welcher Zeit erreichen wollten. Ihr Ziel sei 30 Prozent im Jahr 2018, bekräftigte von der Leyen. Dann seien 70 Prozent der Führungspositionen immer noch mit Männern besetzt, das sei „völlig in Ordnung“. Die Dax-Konzerne stellen am Montag ihre Ziele für mehr Frauen in Führungspositionen vor.

Die Ministerin warb erneut für ein Gesetz, das eine Frauenquote in Unternehmen vorgibt. „Ich bin der festen Überzeugung, ohne Gesetz wird es nicht gehen“, sagte sie im ZDF-Morgenmagazin. Ein solches Gesetz müsse klare Ziele vorgeben und vor allem Sanktionen klarstellen. Laut Artikel 3 des Grundgesetzes seien Frauen und Männer gleichberechtigt, und der Staat wache darüber, dass diese Gleichberechtigung auch umgesetzt werde, rechtfertigte die Ministerin ihr Plädoyer für ein Gesetz. Frauenministerin Kristina Schröder (CDU) will den Firmen die Höhe der Quote selbst überlassen.

Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) sprach sich am Montag gegen eine schnelle gesetzliche Regelung zu einer Frauenquote für Vorstände und Aufsichtsräte aus. „Bis 2013 werden weitere Aufsichtsratsmandate und Vorstandsposten neu zu besetzen sein, bis dahin müssen die Unternehmen noch Taten folgen lassen und die Zahl der Frauen in den Führungsebenen angemessen erhöhen“, sagte Leutheusser-Schnarrenberger der „Passauer Neuen Presse“. Erst dann entscheide sich, ob doch noch gesetzliche Vorgaben nötig seien.

Solange Selbstregulierung erfolgsversprechend sei, bedürfe es gerade keiner gesetzlichen Quoten, sagte die Ministerin vor dem für Montag in Berlin geplanten Spitzentreffen von Vertretern von Dax-Konzernen mit Ministern der Bundesregierung. Die FDP-Politikerin verwies auf den „Corporate Governance Kodex“, der seit Mai 2010 empfehle, Frauen angemessen zu berücksichtigen. Seitdem seien bei Nachwahlen von einzelnen Aufsichtsratsmitgliedern neun von 23 Posten mit Frauen besetzt worden. „Das sind fast 40 Prozent“, sagte Leutheusser-Schnarrenberger.

Die SPD kritisierte das Treffen zwischen der Bundesregierung und den Dax-Konzernen als „Schaufensterveranstaltung“. SPD-Vizechefin Manuela Schwesig sagte „Spiegel Online“: „Frau Schröder kämpft nicht für die Frauenquote, sondern lässt sich von den Dax-Unternehmen vorführen.“ Schwesig kritisierte, die Firmen kämen nur mit Zusagen für kleine Fortschritte. „Wenn Unternehmen wie VW oder BASF ankündigen, den Frauenanteil in ihren Führungsetagen bis 2020 gerade mal auf elf beziehungsweise 15 Prozent erhöhen zu wollen, dann ist das ein schlechter Witz.“ Am Ende werde die EU wohl eine verbindliche Quote aufzwingen müssen.

SPD-Chef Sigmar Gabriel befürwortet eine feste Frauenquote in Führungspositionen von DAX-Unternehmen. Dadurch würden sich auch die Firmen verändern, sagte Gabriel am Montag im Deutschlandfunk. Zugleich kritisierte er eine „ziemlich ungleichgewichtige Debatte“. Es werde sich um einen kleinen Teil gekümmert. Das nütze jedoch den Frauen nichts, die in „ganz normalen Beschäftigungsverhältnissen“ seien und fast 25 Prozent schlechter bezahlt würden als Männer.