Sportartikelhersteller

Mit Jung-Chef Koch soll Puma wieder cool werden

Der neue Puma-Chef Franz Koch will die Marke im Spitzensport etablieren. Künftig soll mehr Geld in das Sportsponsoring fließen.

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Zumindest im Chefbüro setzt Franz Koch klare Akzente. Weniger mehr als 80 Tage sind vergangen, dass der erst 32 Jahre alte Manager in die Chefetage des Herzogenaurachers Sportartikelherstellers gezogen ist. „Farbenfroher“ sei es geworden, berichtet Koch. Die weißen Wände hat er überpinseln lassen.

Die Wände sind nun hellgrau, dunkelgrau und in einem schrillen Grün gestrichen. Irgendwo gibt es noch ein knalliges Rot. Es soll deutlich werden: Nach 18 Jahren Jochen Zeitz wagt Puma erneut eine Verjüngungskur.

Die könnte auch notwendig sein. Kochs Vorgänger Zeitz hatte einst das Unternehmen von einem maroden Betrieb zu einem Shootingstar entwickelt. Doch in den vergangenen Jahren büßte die Marke an Attraktivität ein, die Profitabilität sank.

„Es ist fair, zu sagen, dass Puma momentan nicht die heißeste Marke ist“, sagt Koch selbstkritisch im Club der Münchener Wirtschaftspresse. Er ist angetreten um die Marke wieder an die guten Zeiten anknüpfen zu lassen. Der Puma soll wieder zum Sprung ansetzen.

Koch will das Profil der Marke schärfen

Es ist eine große Herausforderung für einen jungen Chef. Immer wieder wird Koch gefragt, ob seine Arbeitserfahrung als früherer Strategiechef des Unternehmens ausreicht, um die kommenden Aufgaben zu stemmen. Er wiegelt ab.

Er liege genau im Altersdurchschnitt von Puma , er sei auch dicht an der Zielgruppe dran, die zwischen 20 und 25 Jahren alt ist. Das mag auch ein Grund gewesen sein, warum sich Zeitz für ihn als Nachfolger entschieden hat und nicht für dienstältere Kollegen im Haus. Mehr als hundert Kandidaten hat es für den Job intern wie extern gegeben.

Koch hat sich ein klares Programm gegeben, um das Profil der Marke zu schärfen. Er möchte stärker in den Hochleistungssport investieren. „In der Vergangenheit ist der Lifestylebereich stärker gewachsen. Jetzt gilt es, das Gleichgewicht der Marke Puma wieder herzustellen”, sagt er.

Koch möchte die Investitionen in die Entwicklung neuer Produkte steigern und die Ausgaben für das Sportsponsoring erhöhen. Stolz vermeldet er, dass der vor kurzem unter anderem die Spitzenfußballer Sergio Kun Agüero aus Argentinien und den Spanier Cesc Fábregas verpflichten konnte – mit ihnen als Markenbotschafter möchte er vor allem Jugendliche wieder für die Marke begeistern.

Die Ziele Pumas hat bereits Zeitz vorgegeben. „Back on the Attack“ hat er das Programm genannt mit dem Puma wieder „zurück in den Angriff“ kommen möchte. Bis 2015 soll Puma erneut zur „begehrtesten“ Marke im Sportsektor werden und den Umsatz von zuletzt 2,7 Milliarden Euro auf vier Milliarden Euro ausbauen.

„Wir sind auf Kurs“, sagt Koch. Man habe jetzt 99 Prozent der unprofitablen Niederlassungen geschlossen, die man abstoßen wollte. Jetzt geht es darum, das Wachstum anzukurbeln. Und dafür sieht es gut aus. Zuletzt kündigte Puma an, noch im laufenden Jahr die Umsatzmarke von drei Mrd. Euro überschreiten zu wollen.

Dazu soll auch eine neue Organisation beitragen. Koch sagt, er habe für mehr Trennschärfe zwischen den Teams gesorgt, die sich um Hochleistungsprodukte und um modische Produkte kümmern. Es gibt auch eine Abteilung, die im Eilverfahren auf Modetrends reagieren soll.

Auch Skater-Marken bei Puma verkaufen

Eine Erweiterung des Vorstands lehnte er ab. „Wir sehen kurzfristig keinen Handlungsbedarf“, sagt er. Koch verantwortet die Bereiche Produktion und Design, seitdem Melody Harris-Jensbach überraschend das Unternehmen verließ – ein Schritt, der als Zeichen der Enttäuschung gewertet wurde, dass sie nicht zur Puma-Chefin wurde.

Koch kann sich auf Unterstützung aus Paris verlassen. Zeitz leitet dort die Sparte „Sport und Lifestyle“ des Pariser Mutterkonzerns PPR, der rund 72 Prozent der Puma-Aktien hält. Gemeinsam leiten sie Versuche ein, die Tochter Puma stärker mit dem Pariser Konzern zu vernetzen. Hosen der Skater-Marke Volcom werden etwa bei Puma verkauft und einige Schuhe von Puma wiederum in den Läden von Volcom zum Kauf angeboten.

Das laufe derzeit noch im kleinen Testrahmen, sagt Koch. Zudem schließt er nicht aus, dass die Outdoor-Marke Tretorn einst zu PPR wechseln könnte. Koch sagt: „Wir denken darüber nach, wie eine Zukunft der Marke aussieht.“

Angst, dass er von seinem früheren Chef Zeitz, der nun Chefaufseher von Puma ist, bevormundet wird, hat er nicht. „Wir haben eine klare Abgrenzung. Ich bin der CEO. Er lässt mir völlig freie Hand“, sagt Koch. Einige Mitarbeiter werden das mit Freude vernehmen.

Denn noch eine Änderung hat es im Unternehmen gegeben. Koch eröffnete einen Puma Social Club, in dem die Kollegen Billard, Tischfußball und Tischtennis spielen können und künftig die Europameisterschaft auf einer Leinwand verfolgen können. Das alles gab es unter Zeitz nicht.