OECD-Bericht

Krisenland Irland kann noch mehr einsparen

Die OECD korrigiert die irische Wachstumsprognose nach oben. Um aus den Schulden heraus zu kommen, müssen die Iren dennoch mehr sparen.

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Die Iren sind unangenehmen Besuch inzwischen gewöhnt. Seit ihr Land im vergangenen Winter von der Europäischen Zentralbank (EZB), der EU-Kommission und dem Internationalem Währungsfonds (IWF) mit einem milliardenschweren Hilfspaket vor der Pleite gerettet werden musste, schaut die sogenannte Troika regelmäßig vorbei.

Seit wenigen Tagen sind die Aufseher wieder in Dublin und werfen für zehn Tage prüfende Blicke in die Bücher. Die Chancen stehen gut, dass sie kommende Woche ein wohlwollendes Urteil über die Iren fällen werden.

Zu diesem Schluss kommt zumindest ein Bericht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Demnach leisten die Iren vorbildliche Sanierungsarbeit. „Das auf drei Jahre angelegte Sparprogramm mit der finanziellen Unterstützung von IWF und EU ist im Zeitplan und fängt an, die Wurzel der Probleme zu erreichen“, schreibt die OECD in ihrer Studie.

Zwischenziele hat Irland erfüllt

Irland habe bislang alle gesetzten Zwischenziele der Troika erfüllt. Bereits zwei Drittel der geplanten Konsolidierungsmaßnahmen sollen bis Ende des Jahres umgesetzt sein. Die Organisation rät dem Land, das Staatsdefizit sogar noch schneller abzubauen, als gemäß den Vorgaben von EU und IWF nötig. Damit könne das Vertrauen für irische Staatspapiere auf den Finanzmärkten rascher wieder hergestellt werden.

Mit dieser Einschätzung stellt sich die OECD gegen die herrschende Meinung der führenden angelsächsischen Ökonomen. Diese sind überzeugt, Konjunkturprogramme seien der beste Weg aus der Krise. Irland scheint jedoch bewiesen zu haben, dass auch strikte Spardisziplin zum Aufschwung führen kann.

„Das Sparprogramm fängt an, Früchte zu tragen und muss beibehalten werden“, schreibt die OECD. Für das laufende Jahr korrigierte die Organisation ihre Wachstumsprognose von ursprünglich null Prozent auf 1,2 Prozent nach oben. Demnach würde das Bruttoinlandsprodukt 2011 das erste Mal seit 2007 wieder zulegen. Gleichzeitig halbierte die Organisation ihre Prognose für 2012 auf ein Prozent. Die schlechten Aussichten für die Weltwirtschaft könnten das exportgetriebene Wachstum in Irland im kommenden Jahr verlangsamen.

Trotz Wirtschaftswachstum könnte es Jahre dauern, die hohe Arbeitslosigkeit wieder auf Vorkrisenniveau zu bringen. Mit 14,2 Prozent gehört die Arbeitslosenquote zu den höchsten im OECD-Raum. Beunruhigend sei, dass fast die Hälfte der Iren ohne Job unter 35 Jahre sei. Dementsprechend hoch war in den vergangenen Jahren die Zahl der Iren, die ihrem Land den Rücken kehrten.

Irland verliert viele junge Talente

Die Mehrzahl der 76.000 Wegzügler seit Ausbruch der Krise seien Universitätsabsolventen. Verliere Irland zu viele junge Talente, könne das langfristig die Innovationskraft und damit den Aufschwung schmälern.

Dank reduzierter Kosten sei die Wettbewerbsfähigkeit des Landes allerdings in den vergangenen zwei Jahren enorm gestiegen und habe zu einem starken Exportwachstum geführt. Insbesondere die Arbeitskosten sind seit 2008 so sehr gesunken wie in keinem anderen Euro-Land. Trotzdem müsse die Regierung noch mehr tun, um die Konkurrenzfähigkeit des Landes zu verbessern. Als eine von vielen Maßnahmen schlägt die OECD eine Liberalisierung des Strommarktes vor, der von dem staatlichen Anbieter ESB dominiert wird.

Auslöser der Krise in Irland war der irische Bankensektor, der mit insgesamt 24 Milliarden Euro Nothilfen vorm Zusammenbruch gerettet werden mussten und so den Staatshaushalt in Schieflage brachte. Lange habe die irische Regierung versäumt, den Finanzsektor zu restrukturieren.

Die Stresstests in diesem Jahr hätten aber ergeben, dass die Banken nun stabil seien und kein neues Geld vom Staat bräuchten. Dementsprechend gut stehen die Chancen, dass Irland schon 2012 oder spätestens 2013 wieder Geld an den internationalen Finanzmärkten einsammeln kann.