Umfrage

Das denken deutsche Studenten über ihre Uni

Leistungsdruck, Anonymität, mangelnder Praxisbezug: Die Studierenden haben an Forschung und Lehre so einiges auszusetzen. Doch es gibt auch Positives.

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Jeder zweite Student an einer Universität klagt heute über hohe Leistungsanforderungen und macht sich Sorgen, ob er sein Studium erfolgreich beenden kann. Dabei werden vor allem die Stoffmenge und der straffer gewordene Prüfungsrhythmus in den neuen Bachelor-Studiengängen als Belastung empfunden. Dies sind Ergebnisse der jüngsten Studentenbefragung der Konstanzer Hochschulforscher Tino Bargel und Michael Ramm im Auftrag des Bundesbildungsministeriums .

Die Befragung zeigt aber auch, dass die große Mehrheit der Studierenden insgesamt mit der inhaltlichen Qualität des Studiums zufrieden ist. Der Gesamtaufbau der Studiengänge und die Art der Lehrveranstaltungen werden überwiegend als gut bezeichnet. Die Identifikation mit dem gewählten Studienfach ist laut Umfrage hoch. Nur wenige denken an Fachwechsel oder Studienabbruch. „Ein gutes Examen ist für die Studierenden häufiger als früher sehr wichtig“, bilanziert Bildungsstaatssekretär Thomas Rachel (CDU) die Umfrageergebnisse.

Vor diesem Hintergrund kommt es den Studenten heute nicht mehr so sehr darauf an, das Studium um jeden Preis schnell zu beenden. Im Vergleich zu früheren Ergebnissen der seit Anfang der 80er-Jahre regelmäßig vorgenommen Umfragen haben sich auch die Ansprüche an den späteren Beruf gewandelt. Vor allem der Faktor „Arbeitsplatzsicherheit“ hat im akademischen Bereich stark an Bedeutung gewonnen. Gut ein Viertel der Uni-Studenten gab an, mehr Lehrveranstaltungen zu besuchen, als laut Studienordnung nötig sind. Gleichwohl haben sich in den vergangenen Jahren die Klagen über zu hohe Anforderungen deutlich erhöht. Während 2001 erst 39 Prozent der Studierenden die Leistungsanforderungen als zu hoch empfanden, waren dies bei der jüngsten Umfrage 51 Prozent.

An den Fachhochschulen haben die Klagen dagegen im gleichen Zeitraum weniger zugenommen (von 32 auf 39 Prozent). Zweifel an ihrer eigenen Studierfähigkeit haben besonders häufig Jura-Studenten (42 Prozent). In den anderen Fächern machen sich zwischen 20 und 30 Prozent der Studierenden größere Sorgen, ob sie den Ansprüchen gerecht werden.

Nach wie vor bestimmt vor allem die soziale Herkunft darüber, ob ein Kind in Deutschland studiert. An den Universitäten haben 58 Prozent der Studierenden Eltern mit eigener Studienerfahrung. In der Medizin stammten im Wintersemester 2009/2010 sogar 63 Prozent der Studenten aus einer Familie, in der zumindest ein Elternteil selbst über einen Uni-Abschluss verfügte.

In Sachen Kontakt zum Lehrpersonal gibt es offenbar viel Verbesserungspotenzial. Denn an Universitäten hat jeder vierte Student (25 Prozent) nie Kontakt zu den Professoren. Fast jeder Zweite (48) kommt nur selten persönlich mit ihnen in Verbindung. Auch die Assistenten kennen viele Studenten an der Uni nur aus der Ferne: Zwei Drittel (66) haben nie oder selten einen direkten Kontakt zu ihnen. An Fachhochschulen sieht es bei der Betreuung etwas besser aus: Dort hat immerhin knapp die Hälfte (45) der Studenten manchmal oder häufig Kontakt zu den Professoren. Die Mehrheit (55) allerdings hat auch hier nie (13) oder nur selten (42) mit ihnen zu tun.

Das Bundesbildungsministerium verweist darauf, dass Bund, Länder und Hochschulen bereits Maßnahmen zur Verbesserung der Lehre und der Lernsituation ergriffen hätten. „Wir sind also auf einem guten Weg, die Sorgen der Studierenden abzubauen“, erklärte Staatssekretär Rachel. So würden durch den Qualitätspakt Lehre bis 2020 rund zwei Milliarden Euro in die Hochschulen investiert.

Der „Studierendensurvey“ der Konstanzer Hochschulforscher ist seit fast drei Jahrzehnten die umfassendste Langzeitstudie zur Studiensituation und studentischer Orientierung. Die aktuelle Umfrage im Wintersemester 2009/2010 stützt sich auf die Antworten von 7600 Studenten. Ihm steht die im gleichen, dreijährigen Rhythmus erscheinende Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks gegenüber.