Jeder fünfte Arbeitsplatz

TUI streicht 550 Stellen in Deutschland

Scharfer Wettbewerb zwingt den Reisekonzern TUI zum großflächigen Jobabbau in Deutschland. Das Unternehmen wird insgesamt 550 der rund 2750 Stellen einsprachen – das entspricht jedem fünften Arbeitsplatz.

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Deutschlands größter Reiseanbieter TUI wird im Zuge der geplanten Neuausrichtung rund 550 Stellen streichen. In der Konzernzentrale in Hannover werden rund 400 Arbeitsplätze wegfallen, bei der Vertriebs- und Servicetochter 150 Jobs abgebaut, wie TUI-Deutschland-Chef Volker Böttcher am Donnerstag sagte. Der Betriebsrat bezeichnete die Kündigungen zwar als hart, erklärte aber zugleich, einen „massiven Mitarbeiterkahlschlag“ verhindert zu haben.

Durch einen Einstellungsstopp seien freie Stellen nicht nachbesetzt und befristete Verträge nicht verlängert worden, erklärte Böttcher. Die Stammbelegschaft bleibe somit weitgehend von Entlassungen verschont. Betroffenen Mitarbeitern, die noch am Donnerstag und Freitag von dem bevorstehenden Kündigungen erfahren sollten, werde der Wechsel in eine Transfergesellschaft angeboten, die ein Jahr lang bis zu 80 Prozent des Nettogehalts zahle. Die Konzernleitung sei bemüht, „soziale Härten“ zu vermeiden, sagte der Vorstandschef.

Derzeit beschäftigt TUI rund 2.100 Mitarbeiter in seiner Zentrale in Hannover, bei der Vertriebs- und Service GmbH arbeiten rund 650 Mitarbeiter.

„Antwort auf Marktumbruch“

Der Personalabbau ist Teil einer bereits Anfang des Jahres angekündigten Neuausrichtung des Reisekonzerns, die durch den scharfen Wettbewerb auf dem deutschen Reisemarkt bedingt ist. TUI fährt in England und Skandinavien deutlich mehr Rendite ein als in der Heimat. Vor allem kleinere Veranstalter wie Alltours drücken die Preise. Böttcher erklärte, einerseits zwinge ein sich rasant wandelnder Markt zu Veränderungen, andererseits verfolge TUI trotz zuletzt steigender Umsätze und Renditen „durchaus höhere Ansprüche“.

Wichtig sei vor allem eine deutliche Differenzierung bei der Auswahl von Hotels. „Wir wollen künftig nicht mehr jedes neue Hotel einkaufen, nicht alle Produkte gleichermaßen in unseren Katalogen vermarkten und immer und überall den gleichen Service anbieten“, sagte Böttcher. „Quasi Marktbearbeitung mit der Pipette statt mit der Gießkanne.“

Wachstum soll zudem der Aus- und Umbau des Vertriebs bringen. Zum einen würden weitere Reisebüros gekauft, zum anderen das Internetgeschäft deutlich ausgebaut. Unter TUI.com werde voraussichtlich ab 2012 ein riesiger Online-Marktplatz für Reiseprodukte angeboten, erläuterte der Konzernchef. „Fast ein Drittel aller Konsumenten informiert sich heute im Internet und sucht sich danach für die Buchung ein Reisebüro.“

Außerdem werde TUI künftig nicht mehr jedes unter Vertrag genommene Hotel in einem Katalog präsentieren, sondern nur „besonders attraktive und vielfach auch exklusive Hotels“.

Kritik von ver.di

Der Betriebsrat begrüßte die Pläne trotz des damit einhergehenden Stellenabbaus. Die Neuausrichtung sei längst überfällig, hieß es. Die „marktgerechte und zukunftsorientierte Anpassung der Geschäftsmodelle“ sichere die Wettbewerbsfähigkeit und die verbleibende Beschäftigung.

ver.di kritisierte das Vorgehen der Konzernleitung. Zwar sei für die rund 400 betroffenen Beschäftigten, die direkt für TUI Deutschland arbeiteten, ein Sozialplan plus Interessenausgleich vereinbart worden, sagte Bundesvorstandsmitglied Petra Gerstenkorn. Allerdings hätten auch die befristet Beschäftigten und die im Unternehmen eingesetzten Leiharbeitnehmer ein Anrecht auf eine verlässliche Perspektive für ihre berufliche Zukunft. Alles andere sei inakzeptabel.