Atomausstieg

Abriss deutscher Kernkraftwerke kostet Milliarden

Der Rückbau der deutschen Atomkraftwerke kostet die Betreiber einer Studie zufolge mindestens 18 Milliarden Euro. Die Maßnahmen werden Jahrzehnte dauern.

Der Abriss der deutschen Atomkraftwerke wird die vier deutschen Reaktorbetreiber mindestens 18 Milliarden Euro kosten. Das ist das Ergebnis einer Studie der Unternehmensberatung Arthur D. Little (ADL), die vom „Handelsblatt“ veröffentlicht wurde. „Die Kosten könnten aber noch viel höher liegen“, zitierte das Blatt den ADL-Experten Michael Kruse. Denn bei derartigen Großprojekten seien Kostensteigerungen nicht ungewöhnlich.

Die deutschen Kernkraftwerksbetreiber – Eon, RWE, ENBW und Vattenfall – haben bereits hohe Rückstellungen für den Rückbau der Reaktoren und die Entsorgung des Atommülls gebildet. Ein Sprecher des größten deutschen Energieversorgers Eon bezifferte die Kernenergierückstellungen des Konzerns auf zwölf Milliarden Euro.

Auch beim Konkurrenten RWE wurden nach Unternehmensangaben über zehn Milliarden Euro für die Aufräumarbeiten zurückgestellt. Eine Sprecherin der Kenernergie-Tochter RWE-Power sagte: „Wir gehen davon aus, dass das auskömmlich ist.“ Insgesamt belaufen sich die Rückstellungen der vier Energiekonzerne nach Angaben des „Handelsblatts“ auf mehr als 30 Milliarden Euro.

Abriss dauert Jahrzehnte

Tiefe Taschen sind allerdings auch nötig, denn der Abriss der 17 deutschen Kernkraftwerke wird sich über Jahrzehnte erstrecken. Mindestens fünf Jahre dauert allein der sogenannte Nachbetrieb, in dem die Brennelemente kontrolliert abkühlen. Der eigentliche Abriss kann dann noch einmal 15 bis 20 Jahre in Anspruch nehmen, wie die RWE-Sprecherin sagte.

Laut der Studie von Arthur D. Little wird allein die Abklingphase für die 17 Reaktoren die Branche vier Milliarden Euro kosten. Der eigentliche Rückbau und die Entsorgung würden dann mit 14 Milliarden Euro noch teurer. Drei Viertel der Gesamtkosten entfallen der Studie zufolge auf den Rückbau des nuklearen Teils.

Doch sind all diese Schätzungen noch mit einigen Fragezeichen verbunden. Der Geschäftsführer des Entsorgungsspezialisten Nukem, Ulf Kutscher, wies im „Handelsblatt“ darauf hin, dass bislang nur Forschungsreaktoren und kleinere Meiler der ersten Generation entsorgt worden seien. „Bei großen Kernkraftwerken, wie sie jetzt vom Atomausstieg betroffen sind, gibt es bislang keine Erfahrungen. Hier betreten wir alle Neuland“, zitierte das Blatt den Experten.

Nuklear-Dienstleister wie die Kenkraftwerksbauer Areva und Westinghouse könnte sich dem Bericht zufolge auf lukrative Aufträge beim Rückbau freuen.