Rettungspaket

Deutsche Landesbanken zögern bei Griechenland-Hilfe

| Lesedauer: 4 Minuten
Andrea Rexer

Foto: picture alliance / ZB / picture alliance / ZB/dpa

Griechenland drängt darauf, dass Geldinstitute ihre Anleihen tauschen, wie von der EU beschlossen. Nur die Landesbanken stellen sich quer.

Einige deutsche Landesbanken zögern bei der Teilnahme am Rettungspaket für Griechenland. Wie eine Umfrage von Morgenpost Online unter den größten deutschen Banken ergab, haben sich LBB, NordLB, HSH Nordbank, LBBW, Helaba und das genossenschaftliche Spitzeninstitut WGZ noch nicht festgelegt, ob sie an dem vereinbarten Anleihentausch teilnehmen wollen.

Man prüfe die Frage intensiv, hieß es aus den Unternehmen. Entsprechende Beschlüsse stehen jedoch noch immer aus. Bei WGZ und Helaba hieß es immerhin, man sei grundsätzlich aufgeschlossen.

Dass diese Finanzhäuser noch immer keine Entscheidung getroffen haben, dürfte international für Verstimmung sorgen. Schon zu Wochenbeginn hatte eine Diskussion über die Teilnahme der beiden deutschen Abwicklungsanstalten EAA und FMS Wertmanagement für Zündstoff gesorgt. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sagte, er erwarte von den Bad Banks eine Zusage.

Im Kern geht es bei der Beteiligung privater Gläubiger um einen Abschlag auf Staatsanleihen in der Höhe von 21 Prozent und einen Tausch der Papiere in neue Anleihen mit langen Laufzeiten. Den Banken und Versicherern stehen vier Modelle zur Auswahl. So sollen über den Euro-Raum hinweg 50 Milliarden Euro zusammenkommen. Koordiniert hatte den Vorschlag der internationale Bankenverband IIF, der von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann geführt wird.

Die griechische Regierung hatte bereits gedroht, die gesamte Sache platzen zu lassen, wenn nicht mindestens 90 Prozent der infrage kommenden Anleihen getauscht werden. Sie macht nun Druck, um zu erfahren, welches Finanzhaus an Bord ist und welches nicht. Aus Finanzkreisen heißt es, die 90 Prozent dürften keine notwendige Bedingung sein – sonst wäre das Angebot kein freiwilliges. Das ist allerdings wichtig. Würden Ratingagenturen das Engagement der Banken nicht als freiwillig einstufen, müssten sie konsequenterweise Griechenlands Zahlungsunfähigkeit erklären.

Michael Kemmer, Geschäftsführer des Bundesverbands der Banken (bdb), appelliert indes an alle Institute, an dem Paket teilzunehmen: „Eine hohe Beteiligungsquote ist im Interesse aller.“ Zudem könnten sonst Trittbrettfahrer die Situation ausnutzen. Immerhin ist es denkbar, dass bei einer gelungenen Griechenland-Rettung jenen Instituten der volle Nominalwert der Anleihen ausbezahlt wird, wenn sie nicht am Tausch teilnehmen. Jene Institute hingegen, die teilnehmen, stimmen einem Abschlag von 21 Prozent zu.

Die Verluste, die durch den Anleihentausch entstehen, dürften die Banken indes nicht überraschen. Auf Empfehlung der Wirtschaftsprüfer mussten sie bereits im zweiten Quartal Abschreibungen auf ihre Portfolien bilden – egal, ob sie an dem Tausch partizipieren wollen oder nicht.

Ob die Landesbanken am Rettungspaket teilnehmen, ist nicht unerheblich. So hat die LBBW nach Abschreibungen von rund 300 Millionen Euro auf griechische Staatsanleihen noch immer über 400 Millionen Euro in ihren Büchern stehen. Die WGZ hält nach Abwertungen noch 261 Millionen, die HSH-Nordbank 108 Millionen, die Helaba 86 Millionen, die NordLB 67 Millionen Euro. Mit rund 7,4 Milliarden Euro ist die Bad Bank der HRE in Deutschland (FMS Wertmanagement) am stärksten in Griechenland-Bonds investiert. Die Bad Bank der WestLB (EAA) hält 1,1 Milliarden Euro.

Bankenverband hält Institute für ausreichend kapitalisiert

Kemmer sieht darüber hinaus keinen Bedarf für Zwangskapitalisierungen im Bankensektor. „Das ist im Moment nicht notwendig. Die Banken sind gut kapitalisiert“, sagte er „Morgenpost Online“. Er warf Christine Lagarde, der Chefin des Internationalen Währungsfonds, vor, neue Unruhen mit einer solchen Forderung zu schüren. „Die Aussage ist der Situation nicht angemessen.“ Er wies zudem darauf hin, dass der Ausgangspunkt der Turbulenzen die Staatsfinanzen seien: „Auf dieses Thema muss sich die Politik konzentrieren.“

Kemmer verwarf die Idee, dass der europäische Rettungsfonds EFSF künftig auch für Bankenrettungen zuständig sein könnte: „Es ist weder sinnvoll noch notwendig, dass der EFSF Banken direkt Kapital gibt“, so Kemmer. „Wenn der EFSF direkt Geld in Banken einschießt, wird er zum Miteigentümer. Das halte ich schon allein organisatorisch für schwierig.“