Finanznot

Italien will China seine Staatsanleihen andienen

China soll davon überzeugt werden, italienische Staatsanleihen zu kaufen. Fraglich ist, ob China ein Investment in das hochverschuldete Land für lohnenswert hält. Denn europäische Staatsanleihen bringen derzeit viele in Bedrängnis.

Foto: REUTERS

In Gesprächen mit Vertretern Chinas haben italienische Stellen laut Medienberichten versucht, China für den Kauf italienischer Staatsanleihen oder Investitionen in Firmen des Landes zu interessieren. Der Vorsitzende des chinesischen Staatsfonds CIC, Lou Jiwei, habe vergangene Woche in Rom mit dem italienischen Finanzminister Giulio Tremonti entsprechende Gespräche geführt, berichteten das „Wall Street Journal“ und die „Financial Times“.

Ein Sprecher des italienischen Finanzministeriums bestätigte ein Treffen mit dem Vorsitzenden des chinesischen Staatsfonds, nannte jedoch keine Einzelheiten. Die prekäre Lage der italienischen Staatsfinanzen hat die Regierung laut Berichten dazu gebracht, den Verkauf von Anteilen an staatlichen Unternehmen wie dem Energieversorger Enel oder dem Öl- und Gaskonzern Eni in Betracht zu ziehen.

Eine Sprecherin des chinesischen Außenministeriums verwies für Einzelheiten bezüglich der Geschäfte mit Italien an die für Finanzen zuständigen Stellen. Allerdings sagte sie, Peking werde mit den europäischen Ländern kooperieren, die Finanzkrise zu bewältigen.

„Europa wird weiterhin einer von Chinas wichtigsten Investitionsmärkten sein“, sagte Sprecherin Jiang Yu. „Wir werden weiterhin die finanzielle und wirtschaftliche Zusammenarbeit sowie die Zusammenarbeit bei Investitionen ausweiten, um gemeinsam die Finanzkrise anzugehen.“ Peking hoffe, die Länder der Eurozone würden „effektive Maßnahmen zur Sicherung der chinesischen Investitionen unternehmen“.

Der Staatsfonds CIC wurde 2007 ins Leben gerufen, um einen Teil von Pekings 3,2 Billionen Dollar an Devisenreserven zu reinvestieren. Der größte Teil der Reserven steckt in niedrig verzinsten sicheren Anleihen wie US-Schatzbriefen. Das Kapital des Staatsfonds beträgt nach chinesischen Angaben 409,6 Milliarden Dollar (300 Milliarden Euro).

Schon der Besitz griechischer Staatsanleihen hatte die französischen Banken in den vergangenen Wochen in so große Bedrängnis gebracht, dass über eine teilweise Verstaatlichung spekuliert wurde. Industrieminister Eric Besson wies eine solche Möglichkeit am Montag als „völlig verfrüht und an der Sache vorbei“ zurück.