Schadensersatz

VW und Porsche droht Klage in Deutschland

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Neue Hiobsbotschaften für VW und Porsche: Nachdem die Autobauer ihre Fusion wegen laufender Milliarden-Klagen in den USA am Donnerstag auf Eis legten, flattert beiden Unternehmen nun die nächste Klage ins Haus - diesmal aus Deutschland.

VW und Porsche sehen sich nun auch in Deutschland einer Klage von Investoren gegenüber. Die „Wirtschaftswoche“ berichtete, 41 institutionelle Investoren hätten beim Landgericht Braunschweig eine Schadensersatzklage über knapp 1,1 Milliarden Euro gegen die beiden Autobauer Porsche und VW wegen angeblicher Manipulation des Kapitalmarkts eingereicht. „Wir bestätigen den Eingang einer Klage einer deutschen Inkassogesellschaft“, sagte ein Gerichts-Sprecher am Freitag. Weitere Details nannte er zunächst nicht. Nach den Milliarden-Klagen in den USA nehmen damit nun auch Großinvestoren in Deutschland die beiden Unternehmen in Visier, die ihre seit zwei Jahren geplante Fusion am Donnerstag auf Eis legten.

Hintergrund der Fusionsverschiebung ist ein Streit der seit Jahrzehnten eng verbundenen und inzwischen auch an einander beteiligten Autobauer. Sie konnten sich nicht darauf verständigen, wie sich die milliardenschweren Schadensersatzklagen auf die eigentlich bis zum Jahresende geplante Verschmelzung auswirken. Mehrere Investmentfonds in den USA klagen gegen das frühere Porsche-Management wegen angeblicher Marktmanipulation. Aus Sicht von VW ist es damit derzeit nicht möglich, die Porsche-Aktien für die Ermittlung eines Umtauschverhältnisses in VW-Papiere zu bewerten.

Zwei Gerichte prüfen seit Monaten, ob Porsche und seine ehemaligen Führungskräfte um den damaligen Vorstandschef Wendelin Wiedeking überhaupt in den USA belangt werden können. Auch in Deutschland gibt es inzwischen eine Klage. Die „Wirtschafts-Woche“ berichtete, eine Münchner Kanzlei habe beim Landgericht Braunschweig eine Schadensersatzklage in Höhe von knapp 1,1 Milliarden Euro gegen Porsche und VW eingereicht. Weder von Porsche und VW noch waren zunächst Stellungnahmen zu bekommen. Das Gericht bestätigte den Eingang einer Klage einer deutschen Inkassogesellschaft.

Während die Risiken einer Verschmelzung aus Sicht von VW derzeit zu groß sind, vertritt die Porsche SE unverändert die Meinung, dass die Vorwürfe der Kläger unbegründet sind. Wegen der Uneinigkeit wurden jedoch die Vorbereitungen für die im Dezember geplante Hauptversammlung abgesagt, auf der die Porsche-Eigner grünes Licht für die Verschmelzung geben sollten. Am Ziel eines integrierten Autokonzerns halten die beiden Unternehmen jedoch fest.

Die Verschiebung der Fusion führt dazu, dass die von VW und Porsche gegenseitig eingeräumten Kauf- und Verkaufsoptionen für den verbliebenen Teil des Porsche-Fahrzeuggeschäfts neu bewertet werden müssen. Da nun wahrscheinlicher wird, dass sich VW auch die zweite Hälfte des Fahrzeuggeschäfts der Stuttgarter einverleiben wird, führt dies zu einem deutlichen Ertrag im Finanzergebnis des Wolfsburger Konzerns. Bei Porsche hingegen schlägt die Neubewertung der mit 3,9 Milliarden Euro veranschlagten Optionen negativ zu Buche. Porsche erwartet daher einen Konzernverlust für die ersten neun Monate.

Die Porsche-Aktien sind nach dem Aufschub der Fusion mit Volkswagen deutlich unter Druck geraten. Bis zum Freitagvormittag büßten die Vorzugsaktien des Sportwagenbauers 10,04 Prozent auf 39,55 Euro ein. Die VW-Vorzüge sanken um 2,41 Prozent auf 105,35 Euro und damit etwas stärker als der Dax: Der deutsche Leitindex gab zeitgleich um 1,96 Prozent auf 5302,36 Punkte nach. Equinet-Analyst Tim Schuldt sagte, eine Fusion sei nun zwar nicht unmöglich, aber deutlich unwahrscheinlicher geworden – nach bisher 50 Prozent sehe er sie jetzt noch bei 25 Prozent. Scheitere der Zusammenschluss, dürfte der Markt einen mindestens 40-prozentigen Bewertungsabschlag auf die Porsche-Titel vornehmen.

Mit der Fusion wollen die Familien Porsche und Piech, die 90 Prozent am Stammkapital der Porsche SE halten, zu Haupteignern von Europas größtem Autobauer Volkswagen aufsteigen. In ersten Modellrechnungen war von einem Anteil von rund 35 Prozent die Rede. Das Land Niedersachsen, das bereits 20 Prozent an VW hält, sollte in etwa der gleichen Größenordnung an dem gemeinsamen Konzern beteiligt werden. Ebenso viel sollte das Emirat Katar halten, das seit der Porsche-Rettung vor zwei Jahren bereits 17 Prozent an VW hält. Unklar ist bislang, ob sich die Verschiebung der Fusion auf dieses sorgsam ausbalancierte Kräfteverhältnis auswirken wird. Bis zum Zusammenschluss der beiden Unternehmen bleiben die Familien Porsche und Piech über die Porsche SE an Volkswagen beteiligt, die knapp 51 Prozent der Stimmrechte an dem Wolfsburger Konzern hält.