Eurokrise

EZB-Chefvolkswirt tritt zurück - Dax stürzt

Der Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB), Jürgen Stark, ist überraschend zurückgetreten. Damit bröckelte das Vertrauen in den Euro spürbar ab. Und das leitete eine neue Börsentalfahrt ein.

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Nachfolger soll Finanzstaatssekretär Asmussen werden

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Der Euro hat nach dem überraschenden Rücktritt von EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark seine Talfahrt beschleunigt. Die Gemeinschaftswährung rutschte am Freitag zeitweise unter die Marke von 1,37 Dollar und damit auf den tiefsten Stand seit Ende Februar. Am späten Nachmittag stand die Gemeinschaftswährung bei 1,3727 Dollar, nachdem sie zuvor ein Tagestief bei 1,3699 Dollar erreichte. Damit verlor der Euro im Verlauf der Woche mehr als vier Cent.

Die ohnehin zittrigen Aktienmärkte zog dies erneut in die Tiefe: Zum Handelsschluss fiel der deutsche Leitindex Dax um 4,04 Prozent auf 5189,93 Punkte. Dies war der tiefste Stand seit Juli 2009. Auf Wochensicht gab er damit 6,29 Prozent ab. Vor allem Finanzwerte waren vom neuen Abwärtstrend betroffen.

Auch in den USA ging es abwärts: Die US-Börsen reagierten enttäuscht auf das hunderte Milliarden Dollar schwere Jobprogramm von US-Präsident Barack Obama. Für zusätzliche Unsicherheit sorgte der Rücktritt von EZB-Chefvolkswirt Stark. Im frühen Handel fiel der Leitindex Dow Jones Industrial um 1,55 Prozent auf 11 120,83 Punkte.

„Mit dem Rücktritt von Stark hat die Unsicherheit an den Finanzmärkten spürbar zugenommen“, kommentierte der Devisenexperte Rainer Sartoris. „In einer ohnehin stürmischen Zeit trägt ein solcher Schritt nicht zur Stabilisierung bei.“

Stark ist neben seiner Position als Chefvolkswirt zudem Mitglied des geldpolitischen Rates der Europäischen Zentralbank. Außerdem sitzt er im Direktorium der Notenbank, das die Richtlinien der Geldpolitik maßgeblich beeinflusst.

Der Rücktritt von Stark sollte nach Einschätzung des Experten Sartoris aber auch nicht überbewertet werden. Jetzt komme es darauf an, wer in den kommenden Tagen und Wochen als Nachfolger benannt wird. Starks Nachfolger im sechsköpfigen EZB-Direktorium soll Finanz-Staatssekretär Jörg Asmussen werden, wie mehrere mit den Überlegungen vertraute Personen sagten.

Asmussen selbst äußerte sich zunächst nicht. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble wollte sich am Abend äußern. Auf jeden Fall soll der Posten erneut mit einem Deutschen besetzt werden, da die größte Volkswirtschaft der Euro-Zone sonst in dem Gremium nicht mehr vertreten wäre.