Insolvenz

Saab-Mitarbeiter warten auf ihre Gehälter

Seit Monaten kämpft der Autohersteller Saab um seine Existenz. Zuletzt konnte das Unternehmen keine Gehälter mehr an seine Beschäftigten zahlen. Nur ein Konkursverfahren könnte ihnen noch ihr Geld bringen.

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Der hoch verschuldete schwedische Autobauer Saab will sich in seinem seit Monaten anhaltenden Überlebenskampf Luft verschaffen und hofft in einem Konkursverfahren auf juristischen Schutz vor seinen Gläubigern. Eine Restrukturierung des Konzerns solle die Kosten senken und wieder Vertrauen bei Gläubigern und Lieferanten schaffen, teilte die niederländische Muttergesellschaft Swedish Automobile am Mittwoch in Amsterdam mit. Wenn das Gericht dem Antrag auf Gläubigerschutz zustimmt, kann der Staat bei der Zahlung der Gehälter einspringen. Saab beschäftigt derzeit 3640 Mitarbeiter. Eine Entscheidung des Gerichts wurde für 14.00 Uhr erwartet.

Die Saab-Mitarbeiter, die für August kein Geld bekamen, würden auf einer Versammlung über die Situation informiert, sagte eine Konzernsprecherin in Stockholm. Das Unternehmen beantragte eine Form des Konkursverfahrens, bei der unter Aufsicht des Gerichts eine freiwillige Restrukturierung absolviert wird. Damit vermeidet das Unternehmen eine vollständige Pleite, für die Gläubiger läuft es jedoch weitgehend auf dasselbe hinaus.

Produktion liegt auf Eis

Der Traditionskonzern, der 2010 von der damals noch als Spyker Cars firmierenden Swedish Automobile vor der Schließung durch General Motors gerettet wurde, rutscht seit Monaten von einer Zahlungskrise in die nächste. Die Produktion liegt seit April weitgehend auf Eis, weil die Zulieferer auf offenen Rechnungen sitzen und keine Teile mehr schicken. Im ersten Halbjahr verneunfachte sich der Verlust bei Saab, die Nettoverschuldung schwoll auf 284 Millionen Euro Ende Juni an. „Im Moment ist kein Geld da und Saab wartet seit mehr als fünf Monaten darauf. Das Problem bleibt das gleiche: Sie brauchen Geld“, fasste Tom Muller, Analyst bei Theodoor Gilissen, die Situation zusammen.

Saab Automobile AB und die Töchter Saab Automobile Powertrain AB sowie Saab Automobile Tools AB würden nun mit einem vom Gericht bestimmten Verwalter an einem Restrukturierungsplan arbeiten, erklärte Swedish Automobile. Der Plan werde den Gläubigern innerhalb der nächsten drei Wochen vorgelegt. Man sei zuversichtlich, die nötige Unterstützung dafür zu erhalten, erklärte die Muttergesellschaft. Einer der Geldgeber, die US-Firma Ally Financial Inc , äußerte sich allerdings skeptisch. Man erwarte keine finanziellen Einflüsse einer Reorganisation und werde seine Interessen als Gläubiger während des Prozesses wahren, erklärte das Unternehmen. Die Aktien von Swedish Automobil wurden am Mittwoch vom Handel ausgesetzt. Seit Jahresbeginn haben die Titel fast 80 Prozent ihres Wertes eingebüßt.

Warten auf Geld aus China

In seinem Überlebenskampf wollte Saab durch den Verkauf der Mehrheit an den chinesischen Autohändler Pangda und den Konzern Zhejiang Youngman Lotus Automobile neues Geld in die Kassen spülen. Doch noch haben die Behörden in China die Transaktion nicht genehmigt. Das schwedische Fachblatt „Dagens Industri“ berichtete unter Berufung auf mehrere mit der Situation vertraute Personen, dass Youngman keine Genehmigung der chinesischen Behörden für einen Einstieg bei Saab bekommen werde. Der staatliche Autokonzern BAIC oder der Sportwagenbauer Great Wall Motor würden von den chinesischen Beamten als eher geeignet für eine Beteiligung gesehen.

Kurzfristig brauche Saab jedenfalls 2,5 Milliarden Schwedische Kronen (knapp 280 Millionen Euro), langfristig rund fünf Milliarden Kronen (560 Millionen Euro), um bei den Lieferanten das Vertrauen wieder herzustellen, zitiert die Zeitung Personen aus dem Umfeld des Unternehmens. Saab-Chef Victor Muller hat in diesem Jahr mehr als 100 Millionen Euro an Darlehen und Aufträgen hereingeholt. Gereicht hat das nicht.