Luftfracht

Schenker-Chef hält nichts von Sicherheitsabgaben

Für den Chef des Logistikunternehmens, Thomas Lieb, sind die Standards für Kontrollen in der Luftfracht in Deutschland ausreichend.

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Die vom Bundesinnenministerium geplante neue Sicherheitsgebühr für Luftfracht stößt beim Logistikkonzern Schenker auf wenig Gegenliebe. „Mir ist bekannt, dass sich die Behörden mit dem Thema beschäftigen. Aber ich weiß nicht, ob zusätzliche Abgaben oder Zuschläge die Sicherheit steigern können. Vielleicht ist bei diesem Thema weltweit auch etwas Aktionismus im Spiel“, sagte Thomas Lieb, Vorstandschef von Schenker Logistics, der „Welt“. Nach dem Fund von Paketbomben aus dem Jemen in einem Frachtflugzeug sei eine Hysterie ausgebrochen. Dabei habe Deutschland „sehr, sehr gute Sicherheitsstandards“.

Das Problem der Sicherheit von Luftfracht betreffe eher andere Länder auf anderen Kontinenten. „Eine Abgabe verteuert den Transport und schadet damit der Industrie“, sagte der Chef der Bahn-Tochter. Schenker würde dies an die Kunden weiterreichen. In der Luftfracht sind Aufschläge etwa für Kerosin durchaus üblich. Statt eine neue Gebühr einzuführen, solle die Bundesregierung die Zusammenarbeit der Behörden verbessern. „Der Zoll oder das Bundeskriminalamt verfügen schon heute über viele Daten, die für die Sicherheit von Transporten relevant sind. Hier müsste man ansetzen und vielleicht eine effektivere Verbindung schaffen“, sagte Lieb. Zudem sollten existierende Gesetze und Richtlinien in Deutschland und Europa wie auch global konsequent durchgesetzt werden.

Schenker ist der zweitgrößte Luftfrachtspediteur der Welt. Nach hohen Rückgängen im Krisenjahr 2009 hat die Bahn-Tochter die Luftfrachtmengen im vergangenen Jahr um 26 Prozent auf 1,3 Millionen Tonnen gesteigert. Im Durchschnitt ist der Markt für Luftfracht 2010 um 20 Prozent gewachsen. Schenker selbst besitzt – im Unterschied etwa zum Konkurrenten DHL – keine eigenen Flugzeuge. Für rund 80 Prozent der Luftfracht nutzt der Konzern zehn der weltweit größten Frachtfluggesellschaften. Für den Rest mietet sich die Bahn-Tochter Flugzeuge an, die sie nach eigenen Bedürfnissen einsetzt. Im Luftfrachtgeschäft hat Schenker ambitionierte Pläne. So soll die Frachtmenge in den kommenden fünf Jahren um rund die Hälfte zunehmen. Solch ein Plus wäre doppelt so groß wie das erwartete Marktwachstum. Denn für die gesamte Branche rechnet die Luftfahrtorganisation IATA in den nächsten Jahren mit einer durchschnittlichen Mengensteigerung um fünf Prozent.

Bußgeld droht für Preisabsprachen

Lieb erwartet zudem, dass sich die Luftfrachtbranche weiter auf große Unternehmen konzentrieren wird. Entfielen im Jahr 2005 noch 20 Prozent des Marktes auf die Top Vier der Branche, so waren es im Jahr 2009 schon 28 Prozent. Neuere Zahlen liegen nicht vor. „Dieser Trend wird sich ganz klar fortsetzen – nicht nur in der Luftfracht“, sagte Schenker-Chef Lieb. Die vier größten Luftfrachtspediteure sind die beiden deutschen Konzerne DHL und Schenker sowie Kühne+Nagel und Panalpina aus der Schweiz.

Die von der EU-Kartellbehörde kürzlich aufgedeckten Preisabsprachen von sechs großen Luftfrachtgesellschaften könnten neben dem verhängten Millionenbußgeld noch andere Folgen haben. Denn sollten die Gerichte die Kartellamtsbeschlüsse bestätigen, will der Luftfrachtspediteur Schenker Schadenersatzforderungen gegen die Fluggesellschaften geltend machen. „Wir warten ab, was die Einsprüche der Airlines beim EUGH bringen. Aber wenn das geklärt ist, werden wir unsere Schadenersatzansprüche sowie die unserer Kunden durchsetzen“, sagte Schenker-Chef Lieb.

Noch stärker als die Luftfracht soll in dem Konzern in den nächsten Jahren der Schiffstransport zulegen. Im Jahr 2010 hat Schenker die Transportmenge um 16 Prozent auf gut 1,6 Mio. Standardcontainer (TEU) gesteigert. Während Marktstudien von einem jährlichen Wachstum von rund sechs Prozent für die kommenden Jahre ausgehen, strebt die Bahn-Tochter zweistellige Prozentraten an. Hinter Kühne+Nagel und der Post-Tochter DHL ist

Anders als der Unternehmer Klaus-Michael Kühne jedoch will sich Schenker nicht an der zum Verkauf stehenden Hapag-Lloyd beteiligen. „Wir sind einer der größten Kunden der Reederei. Ich sehe keinen zusätzlichen Nutzen, wenn wir uns an Hapag-Lloyd beteiligten“, sagte Manager Lieb. Großaktionär TUI will seine Anteile an der Containerreederei abgeben und plant dafür einen Börsengang noch vor Ostern.

Neben anderen Bereichen ist Konzernchef Lieb auch für die USA verantwortlich. Doch hier musste Schenker zuletzt bei der zugekauften Firma BAX Global harte Veränderungen vornehmen. So wurde die Firmenzentrale in Irvine in Kalifornien aufgelöst, was rund 200 Mitarbeiter den Job kostete. Probleme gibt es vor allem mit dem Inlandsgeschäft in Nordamerika. BAX betreibt dort ein eigenes Transportnetz mit Lkws und Flugzeugen. Doch da der Markt in den USA stagniert, sind die Kapazitäten nur schwerlich auszulasten. „Das ist für uns eher ein Nischengeschäft und komplementär zu unseren internationalen Aktivitäten.

Insgesamt ist unser Luftfrachtgeschäft in den USA profitabel“, reagierte Manager Lieb auf Branchengerüchte über einen Verlust im US-Geschäft. Wichtiger als das Inland seien die internationalen Aufträge aus dem US-Markt heraus oder in diesen Markt hinein. Da sei BAX Global für Schenker ein Zugewinn. „Ohne den Kauf von BAX Global 2006 wäre Schenker Logistics heute nicht die Nummer zwei der globalen Luftfracht, sondern würde irgendwo unter den Top Ten rangieren“, sagte der Schenker-Chef. Vor vier Jahren kaufte die Bahn das Unternehmen und zahlte dafür rund eine Mrd. Euro. Schenker beschäftigt in den USA etwa 7000 Mitarbeiter.

Transport über Land nimmt zu

Der dritte Geschäftsbereich von Schenker, der Landtransport, ist im vergangenen Jahr um zehn Prozent gewachsen. Der Konzern ist der größte Straßenspediteur in Europa, auch wenn der Marktanteil nur 2,5 Prozent beträgt. Dieser Markt ist in der Logistik besonders stark zersplittert. Auf die Top Vier Unternehmen in Europa entfallen lediglich sechs Prozent des Gesamtmarktes. Auch hier erwartet Manager Lieb eine Konsolidierung. Die Erholung von der Wirtschaftskrise erfolgt im Landtransport jedoch langsamer als in der Luft- und Seefracht. Dennoch bemühen sich große Logistikkonzerne wie Kühne+Nagel, DSV aus Dänemark oder auch Geodis aus Frankreich intensiv darum, ein eigenes Straßentransportnetz aufzubauen.

Schenker gilt in der Logistikbranche wie auch an den Finanzmärkten seit Jahren als ein attraktiver Kandidat für einen Börsengang. Und nachdem der Börsengang der Bahn im vergangenen Jahr abgesagt wurde, kommen nun erneut Spekulationen um einen „Alleingang“ von Schenker an die Börse auf. „Das ist für uns kein Thema. Ich freue mich darüber, einen stabilen und verlässlichen Eigentümer zu haben“, sagte Schenker-Chef Lieb. Seit dem Jahr 2003 sei die Bereitschaft der Bahn, bei Schenker zu investieren, in ausreichendem Umfang vorhanden. So habe die Bahn den Kauf von BAX Global in den USA ebenso bewilligt wie große Zukäufe in Frankreich, Spanien oder Rumänien.