Gekoppelter Franken

Warum sich die Schweiz an den Euro klammert

Die Schweizer Nationalbank hat beschlossen, den Franken an den Euro zu koppeln. Das sorgte am deutschen Aktienmarkt kurzzeitig für einen Kurssprung. Die Schweizer wollen so den starken Franken stoppen, um die eigene Wirtschaft zu schützen.

Nach dem dramatischen Kurssturz am Montag hat sich der deutsche Leitindex Dax nach dem Handelsauftakt am Dienstag nur wenig bewegt. Er pendelte zunächst nach oben und unten, lag dann am Vormittag aber mit mehr als einem Prozent im Plus. Ähnlich sah es beim europäischen Index EuroStoxx 50 aus. Auch MDax und TecDax legten zu.

Ein Anlass für das Plus war die Ankündigung der Schweizerischen Nationalbank (SNB), einen Mindestkurs von 1,20 Franken für einen Euro festzulegen. Hintergrund ist die zuletzt massive Aufwertung des Franken, der ebenso wie Gold als „sicherer Hafen“ gilt, der Nationalbank aber ein Dorn im Auge ist. Ein extrem starker Franken schadet vor allem der Schweizer Exportwirtschaft.

Der Preis für Gold stieg am Dienstag zwischenzeitlich auf ein neues Rekordhoch, fiel jedoch nach der Ankündigung der SNB kräftig ab. Zuvor hatte die Tokioter Börse schwach geschlossen. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte notierte zum Handelsende ein Minus von 193,89 Punkten oder 2,21 Prozent bei 8590,57 Punkten.

Starker Franken bedroht Arbeitsmarkt

Die Schweizerische Nationalbank hat in ihrem Kampf gegen die Stärke des Franken einen Wechselkurs zum Euro festgelegt und will diesen mit allen Mitteln durchsetzen. Die SNB toleriere ab sofort keinen Euro-Wechselkurs unter 1,20 Franken mehr, teilte sie mit. "Die Nationalbank wird den Mindestkurs mit aller Konsequenz durchsetzen und ist bereit, unbeschränkt Devisen zu kaufen“. Die SNB hatte sich zu dem Schritt entschlossen, um den drastischen Anstieg des Franken zu stoppen, der zur Gefahr für die Schweizer Exportindustrie zu werden drohte.

Der hohe Frankenkurs hat zwei Seiten. "Die Kaufkraft (der Schweizer) ist gewaltig angestiegen", sagt Daniel Kalt, Chefökonom Schweiz bei der Schweizer Großbank UBS. Allein in den vergangenen zwei Jahren seien Schweizer Produkte jedoch im Euro-Raum um 31 Prozent teurer geworden. Im Zuge dessen sei die Schweiz jetzt auch für Kunden aus den Euro-Ländern um ein Drittel teuer.

Die starke Währung schwächt die Wirtschaft und bedrohe den Arbeitsmarkt . "Die massive Überbewertung des Schweizer Franken stellt eine Bedrohung für die Wirtschaftsentwicklung in der Schweiz dar", hatte die Schweizerische Nationalbank in Zürich ihr Eingreifen unlängst begründet.

Unter dem aktuellen Kurs leidet vor allem die exportorientierte Industrie. Die Arbeitslosigkeit lag im Juli zwar bei nur 2,8 Prozent, doch ab Herbst rechnet Serge Gaillard, Leiter der Direktion für Arbeit im Staatssekretariat für Wirtschaft, mit einer steigenden Arbeitslosigkeit. In der Maschinenindustrie könne es sogar zu einer großen Zahl von Produktionsverlagerungen ins Ausland kommen, sagte er der "Neuen Züricher Zeitung".

"Negative Effekte würden wir auch im Tourismus und bei den Banken haben", fürchtet Gaillard. Vor allem bei den deutschen Gästen brachen die Übernachtungszahlen ein. Der Verband Hotelleriesuisse verzeichnet im ersten Halbjahr 2011 einen Rückgang von knapp acht Prozent - rund 200.000 Übernachtungen weniger als vor einem Jahr.

Besonders betroffen sind Ferienorte in den Alpen, die sonst mehr als die Hälfte aller Übernachtungen in der Schweiz ausmachen. In Graubünden betrage der Rückgang bei den Übernachtungen sechs Prozent, sagte eine Sprecherin des Hotellerieverbands.

Gold steigt auf Rekordhoch

Am Montag waren die Börsen dramatisch eingebrochen, allein der Dax verlor 5,28 Prozent und fiel mit 5246,18 Punkten auf den tiefsten Stand seit zwei Jahren. Auch in Lateinamerika gab es kräftige Kursabschläge. Die New Yorker Wall Street war wegen eines Feiertags geschlossen. Gebannt wird nun die Eröffnung der US-Börse am Nachmittag erwartet.

Hintergrund für den Sinkflug waren keine konkreten Neuigkeiten, sondern die allgemeine Unsicherheit und Sorgen vor einer Konjunkturabkühlung und vor einer Eskalation der Schuldenkrise. So blieb es zunächst auch am Dienstag. Im Plus lagen Aktien der Deutschen Bank, die am Montag fast neun Prozent an Wert verloren hatten. Weiter abwärts ging es hingegen für Commerzbank-Papiere.

Weltbank-Chef Robert Zoellick sagte auf einer Tagung in Singapur, er glaube nicht, dass die USA wieder in eine Rezession gerieten, obwohl die Risiken weiterhin hoch seien. „Es gibt sehr viel Unsicherheit“, betonte Zoellick.

Die „Krisenwährung“ Gold kletterte am Dienstag erneut auf einen Rekord. In der Spitze kostete eine Feinunze (rund 31 Gramm) des Edelmetalls 1920,25 US-Dollar. Damit wurde der jüngste Rekord, der vor zwei Wochen bei rund 1913,50 Dollar lag, deutlich übertroffen. Allein seit dem vergangenen Freitag hat der Goldpreis um 90 Dollar oder fast fünf Prozent zugelegt. Nach der Ankündigung der Schweizer Zentralbank fiel der Goldpreis jedoch wieder auf 1886 Dollar. Zuletzt war es in der Regel so, dass der Goldpreis stieg, wenn es an der Börse abwärts ging.