Familie und Beruf

Arbeitgeber zögern, Alleinerziehende anzustellen

Mit einem neuen Programm will die Agentur für Arbeit Alleinerziehenden bei der Jobsuche helfen. Doch der Erfolg des Projekts ist umstritten.

Foto: Reto Klar

Ines Zeyada scannt gerade ein neues Foto auf ihren Lebenslauf. Es sieht perfekt aus – Zeyada blickt dennoch kritisch auf das Ergebnis: Sie will alles richtig machen. Die 44-jährige diplomierte Ethnologin, Geografin und examinierte Altenpflegerin mit den dunklen, lockigen Haaren steckt voller Energie.

Zeyadas Tochter ist drei Jahre alt, seit April bewirbt sich die alleinerziehende Mutter um Arbeit. Sie sitze „auf heißen Kohlen“, sagt sie, weil sie jetzt selber Geld für sich und ihre Tochter verdienen möchte.

Zeyada bearbeitet ihre Bewerbungsunterlagen im Computerraum des Projekts „Log in- Beratung und berufliche Förderung für Alleinerziehende in Pankow“ . Hier bekommt sie, anders als im Jobcenter, eine individuelle, auf ihre Situation maßgeschneiderte Betreuung.

Mit einem Mutter-Kind-Kurs zum Job

Gerade durchläuft sie den achtwöchigen Kurs. Auf dem Stundenplan steht viel Bewerbungstraining, aber auch Kurse die „Kompetenzerfassung“ „Was bin ich“ und „Wer bin ich“ heißen, Stilberatung oder auch Kommunikation. Danach werden alle noch sechs Monate lang individuell gecoacht. Auch psychologische und rechtliche Beratung können die Teilnehmer in Anspruch nehmen.

Draußen ist ein Kinderspielplatz mit Baumhaus, und unter dem Dach gibt es eine helle, freundliche Kinderwohnung, in der die Kinder während des Unterrichts betreut werden. An der Wand der Coachingräume kann man die Problematik der Kursteilnehmer auf einen Blick sehen: Dort steht eine „Alleinerziehendenuhr“, die sie gebastelt haben.

Auf eine große Pappuhr haben sie Fotos aus Zeitungen mit den Szenen aus dem Alltagsleben geklebt: Einkaufen, Spielplatz, Hausaufgaben betreuen, Arbeiten. Für alles reicht die Zeit oft nicht. Log in soll Alleinerziehenden mit Kontakten helfen, und ihre spezifische Situation so gestalten, dass sie arbeiten gehen können.

Denn Alleinerziehende wie Ines Zeyada gelten unter den Hartz-IV-Empfängern eigentlich als gut vermittelbar – hätten sie kein Kind. 75 Prozent haben laut dem Statistischen Bundesamt mindestens eine Ausbildung. Dennoch fällt es vielen schwer, wieder einen Job zu finden. Oft scheitert der Wiedereinstieg allein daran, dass es keine Kinderbetreuung gibt, und an den anderen Belastungen, denen die Alleinerziehenden ausgesetzt sind. Arbeitgeber schrecken vor ihrer Einstellung zurück.

Alleinerziehende als Waffe gegen Fachkräftemangel?

Den Alleinerziehenden – meist sind es Mütter – soll jetzt der Rücken gestärkt werden: die Politik hat sie nämlich als Waffe gegen den Fachkräftemangel entdeckt. „Ohne Frauen geht es nicht“, sagt Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU). Bis zu zwei Millionen Vollzeitstellen könnten mit Frauen besetzt werden, schätzt das Wissenschaftszentrum Berlin (WZB) – die rund 254.000 arbeitslosen Alleinerziehenden, die derzeit von Hartz IV leben, sind ein wichtiger Teil davon.

Zwar hat der Aufschwung auch die Alleinerziehenden mitgenommen: Laut der Bundesagentur für Arbeit (BA) hat sich die Arbeitslosigkeit unter ihnen um 4,2 Prozent oder 11.000 verringert zwischen Juli 2010 und Juli 2011. Damit ist der Rückgang stärker als bei den Hartz-IV-Empfängern insgesamt.

Doch das reicht noch lange nicht. Hoffnung setzt auch das Arbeitsministerium nun in die ganzheitliche Betreuung nach dem Schema von Log in: „Jobcenter und Unternehmen müssen erkennen, dass auch diese Frauen interessante Fachkräfte sind“, sagt von der Leyen.

Es gebe nur eben „die vielen kleinen Extrahürden im Alltag, die berufstätige Alleinerziehende zu bewältigen hätten. Da helfe ein „dichtes Netz aus Beratung und praktischer Unterstützung, das zur Stelle ist, wenn ein Kitaplatz auch für Randzeiten gesucht wird, oder jemand für den Notfall gebraucht wird“. Genau das macht Log in, das hauptsächlich aus EU-Geldern bezahlt wird und derzeit außerhalb der Jobcenter stattfindet.

"Log in" hilft beim Bewerbungsmarathon

Ines Zeyada erhofft sich von Log in „konkrete Hilfen“. Sie will herausfinden, wo ihre Stärken liegen und wie sie bei potenziellen Arbeitgebern für sich punkten kann. Sie möchte am liebsten wissenschaftlich arbeiten, hat aber wenig Berufserfahrung, Ihren Magisterabschluss mit der Note 1,3 erhielt sie mit 37 Jahren, nach dem sie auf dem Zweiten Bildungsweg zunächst das Abitur machte und dann studierte.

Sie finanzierte das Studium mit ihrem Beruf als Altenpflegerin. Im Pflegebereich könnte sie sich vorstellen, eine Führungsposition zu übernehmen. Die Betreuung ihrer Tochter ist zumindest an den Wochentagen gesichert: ihre Kita hat von sechs Uhr morgens bis 18 Uhr geöffnet. „Mut und Unterstützung beim Bewerbungsmarathon“ möchte sie nun bei Log in finden, damit sie es schafft, durchzuhalten.

Lydia Horn, 30, hat gute Erfahrungen damit gemacht. Die Mutter von zwei Töchtern hat mit Hilfe von Log in den Weg in den ersten Arbeitsmarkt gefunden. Das kommt nicht so häufig vor. Die Integrationsquote in sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung lag 2010, dem Startjahr von Log in, bei nur fünf Prozent. Sind das schöne Umfeld, die individuelle Betreuung und die Netzwerke also nur teuer und nicht wirksam?

Nein, sagt Izabela Trocinska, die Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt im Jobcenter Pankow, die die Zusammenarbeit mit Log in leitet. Auch wenn eine Alleinerziehende nicht sofort einen richtigen Job finde, könne das Projekt helfen, sie auf den Weg dahin zu bringen. Zudem sei Log in erst ein Jahr alt. Für eine richtige Bilanz sei es aus diesem Grund zu früh. „Es läuft richtig gut“, sagt sie, auch wenn das Ziel eigentlich eine Integrationsquote von 15 Prozent ist.