Arbeitsmarkt

Zehntausende Berliner finden wieder in den Job

Mit 2,945 Millionen sinkt die Zahl der Jobsuchenden bundesweit auf den niedrigsten Wert seit 20 Jahren. In Berlin ging die Quote im Vergleich zum Vormonat auf 13,3 Prozent zurück. Schwer haben es allerdings immer noch Alleinerziehende. Ein neues Projekt soll ihre Chancen erhöhen.

Foto: ZB / ZB/DPA

Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland bewegt sich trotz der Wirtschaftsturbulenzen weiter auf einem historisch niedrigen Niveau. Im August erreichte die Zahl der Jobsuchenden mit 2,945 Millionen den niedrigsten Wert in einem August seit 20 Jahren, teilte die Bundesagentur für Arbeit (BA) mit. BA-Chef Frank-Jürgen Weise erwartet für den Herbst Arbeitslosenzahlen von unter 2,8 Millionen. Durch die Sommerflaute bedingt erhöhte sich die Zahl der Jobsuchenden zwar um 5000. Im Vergleich zum August des vergangenen Jahres bedeutete dies aber einen Rückgang um 238.000, die 2,945 Millionen sind zudem die zweitniedrigste August-Arbeitslosenzahl seit der Wiedervereinigung. Mit sieben Prozent blieb die Arbeitslosenquote gegenüber Juli unverändert, vor einem Jahr hatte sie bei 7,6 Prozent gelegen.

5000 Jugendliche noch ohne Ausbildungsplatz

In Berlin ist die Zahl der Arbeitslosen im August sogar leicht gesunken. Die Arbeitslosenquote ging im Vergleich zum Vormonat um 0,2 Punkte auf nun 13,3 Prozent zurück, wie die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit am Mittwoch mitteilte. Traditionell bewegt sich im Ferienmonat August wenig auf dem Arbeitsmarkt. Vor einem Jahr hatte die Quote noch 0,4 Punkte darüber gelegen. „Der Arbeitsmarkt entwickelt sich auch weiterhin positiv“, sagte die Chefin der Regionaldirektion Berlin-Brandenburg, Margit Haupt-Koopmann. In der Hauptstadt suchen jedoch noch immer mehr als 5000 Jugendliche einen Ausbildungsplatz. Zugleich sind noch mehr als 3000 Ausbildungsplätze frei. „Jugendliche sollten sich nicht nur auf einen Wunschberuf konzentrieren“, empfahl Haupt-Koopmann. Arbeitgeber hingegen sollten nicht nur auf Zeugnisnoten schauen, sondern nach versteckten Talenten der Jugendlichen suchen.

Insgesamt waren in Berlin im August 230.825 Menschen erwerbslos gemeldet. Dies waren 2578 Frauen und Männer weniger als im Juli und 3423 weniger als im August des vergangenen Jahres. Unterschiedlich ist das Bild bei älteren und jüngeren Arbeitslosen: Die Zahl der Erwerbslosen im Alter von 15 bis unter 25 Jahren stieg im Vergleich zum Juli, war aber im Vorjahresmonat geringer . Ältere Arbeitslose zwischen 50 und unter 65 Jahren gab es hingegen im August weniger als im Juli, aber mehr als im Vorjahr.

Problemfall Alleinerziehende

Bei all den Erfolgsmeldungen gibt es jedoch auch Bevölkerungsgruppen, die überproportional stark von Arbeitslosigkeit betroffen sind – wie die Alleinerziehenden: Zwar hat der Aufschwung auch sie mitgenommen: Laut der Bundesagentur für Arbeit (BA) hat sich die Arbeitslosigkeit unter ihnen um 4,2 Prozent oder 11.000 verringert zwischen Juli 2010 und Juli 2011. Dennoch soll den Alleinerziehenden – meist sind es Mütter – jetzt zusätzlich der Rücken gestärkt werden: Die Politik hat sie nämlich als Waffe gegen den Fachkräftemangel entdeckt. „Ohne Frauen geht es nicht“, sagt Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU). Bis zu zwei Millionen Vollzeitstellen könnten mit Frauen besetzt werden, schätzt das Wissenschaftszentrum Berlin – die rund 254.000 arbeitslosen Alleinerziehenden, die derzeit von HartzIV leben, sind ein wichtiger Teil davon.

Alleinerziehende gelten unter den Hartz-IV-Empfängern eigentlich als gut vermittelbar – hätten sie kein Kind. 75 Prozent haben laut dem Statistischen Bundesamt mindestens eine Ausbildung. Dennoch fällt es vielen schwer, wieder einen Job zu finden. Oft scheitert der Wiedereinstieg allein daran, dass es keine Kinderbetreuung gibt, und an den anderen Belastungen, denen die Alleinerziehenden ausgesetzt sind. Arbeitgeber schrecken vor ihrer Einstellung zurück. Die Hoffnungen setzt das Arbeitsministerium nun in die ganzheitliche Betreuung – nach dem Schema von „Log in“. „Log in“ ist der Versuch, Alleinerziehende, die arbeiten wollen, aus der Massenbetreuung des Jobcenters herauszuholen und sich ganz auf ihre Bedürfnisse und ihre individuelle Geschichte einzustellen. „Log in“ soll ihnen mit Kontakten helfen und ihre spezifische Situation so gestalten, dass sie arbeiten gehen können.

Ines Zeyada gehört zur Zielgruppe. Die 44-jährige diplomierte Ethnologin, Geografin und examinierte Altenpflegerin steckt voller Energie. Zeyadas Tochter ist drei Jahre alt, seit April bewirbt sich die alleinerziehende Mutter „massiv“ um Arbeit. Sie sitze „auf heißen Kohlen“, sagt sie, weil sie jetzt selber Geld für sich und ihre Tochter verdienen möchte.

Hilfe aus Pankow

Zeyada sitzt im Computerraum des Projekts „Log in – Beratung und berufliche Förderung für Alleinerziehende in Pankow“ an ihren Bewerbungsunterlagen. Hier bekommt sie, anders als im Jobcenter, eine individuelle, auf ihre Situation maßgeschneiderte Betreuung. Gerade durchläuft sie den achtwöchigen Kurs. Auf dem Stundenplan steht viel Bewerbungstraining, aber auch Kurse, die „Kompetenzerfassung“ oder „Wer bin ich?“ heißen, Stilberatung oder auch Kommunikation. Danach werden alle noch sechs Monate lang individuell gecoacht. Auch psychologische und rechtliche Beratung gibt es. Draußen ist ein Kinderspielplatz mit Baumhaus, und unter dem Dach gibt es eine helle, freundliche Kinderwohnung, in der die Kinder während des Unterrichts betreut werden.

„Log in“ ist der Versuch, Alleinerziehende, die arbeiten wollen, aus der Massenbetreuung des Jobcenters herauszuholen und sich ganz auf ihre Bedürfnisse und ihre individuelle Geschichte einzustellen. „Log in“ soll ihnen mit Kontakten helfen und ihre spezifische Situation so gestalten, dass sie arbeiten gehen können.

„Jobcenter und Unternehmen müssen erkennen, dass auch diese Frauen interessante Fachkräfte sind“, fordert Bundesministerin von der Leyen. Die Haltung „Da ist ein kleines Kind, da hat es keinen Sinn“ breche gerade auf, das sei gut. Aber es gebe auch noch eine andere Seite, nämlich „die vielen kleinen Extrahürden im Alltag“, die berufstätige Alleinerziehende zu bewältigen hätten. Da helfe ein „dichtes Netz aus Beratung und praktischer Unterstützung, das zur Stelle ist, wenn ein Kitaplatz auch für Randzeiten gesucht wird oder jemand für den Notfall gebraucht wird“.