Kampf gegen Schulden

Frankreichs Top-Manager bieten Zusatzsteuer an

Die Chefs französischer Großkonzerne wie L'Oréal und Peugeot sind zu extremen Schritten bereit: Sie bitten den Staat, sie stärker zu besteuern.

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Angesichts der schwierigen finanziellen Lage im Land haben sich 16 Spitzenmanager mehrerer französischer Großkonzerne zur Zahlung einer einmaligen Zusatzsteuer bereit erklärt.

In einem offenen Brief erklärten die Manager von Firmen wie L'Oréal, Total, Danone, Peugeot-Citroen und Air France-KLM, in einer Zeit, in der öffentliche Schulden und die Aussicht auf eine weitere Staatsverschuldung die Zukunft Frankreichs und Europas bedrohten, hielten sie es für notwendig, einen Beitrag zu leisten.

"Wir sind uns bewusst, dass wir stark von einem französischen Modell und einem europäischem Umfeld profitiert haben, dem wir verhaftet sind und zu dessen Erhaltung wir einen Beitrag leisten wollen", hieß es in dem Brief, der auf der Website der Wochenzeitschrift „Nouvel Observateur“ veröffentlicht wurde. Die Manager folgten damit dem Beispiel des US-Milliardärs Warren Buffett, der sich Mitte des Monats für höhere Steuern für Superreiche ausgesprochen hatte.

In Anbetracht der anhaltenden Krise rechnet Frankreich mit einem verringerten Wirtschaftswachstum. Premierminister François Fillon wollte am Abend neue Sparpläne vorstellen und dabei auch die jüngsten Wachstumsprognosen für 2011 und 2012 nach unten korrigieren, wie Regierungssprecherin Valérie Pécresse nach der ersten Kabinettssitzung nach der Sommerpause mitteilte.

Bislang war die konservative Regierung davon ausgegangen, dass die Wirtschaft dieses Jahr um zwei Prozent und im kommenden Jahr um 2,25 Prozent wachsen werde. Für das zweite Quartal 2011 jedoch hatte Frankreich jüngst ein Nullwachstum verzeichnet.

Die geplanten Sparmaßnahmen sollen dazu beitragen, die Neuverschuldung trotz der schlechten Wachstumszahlen zu verringern. Insgesamt muss die Regierung laut Fachleuten in diesem Jahr weitere vier Milliarden und kommendes Jahr bis zu zehn Milliarden Euro einsparen, um das Haushaltsdefizit 2012 wie geplant auf 4,6 Prozent zu drücken. Die Sparanstrengungen sind auch deshalb nötig, damit die Ratingagenturen Frankreichs Kreditwürdigkeit weiter mit der Bestnote AAA bewerten.