Arnaud Lagardère

Konzernchef schmust öffentlich mit der Geliebten

Auf Youtube ist der Clip mit dem französischen Konzernchef Lagardère (50) und einer 20-Jährigen ein Hit. Die Investoren sind entsetzt.

Foto: youtube

Ist er nun einfach ein 50-Jähriger, bei dem die Hormone verrückt spielen? Ist er ein von Grund auf verwöhnter Erbe oder nicht vielmehr doch ein unkonventioneller Manager? In Frankreich überschlagen sich die Meinungen und Spekulationen. Der Grund: Arnaud Lagardère, Chef des gleichnamigen Medienkonzerns und Großaktionär des europäischen Flugzeugbau- und Rüstungskonzerns EADS, ist verliebt in eine 20-Jährige – und stellt diese Liebe zu dem belgischen Model Jade Forêt in einem Video öffentlich zur Schau .

Der Clip, der bei einem Fotoshooting für die belgische Zeitung „Le Soir“ entstand, zeigt den braungebrannten Manager und die tief dekolletierte Schönheit zärtlich schmusend. Medien und Analysten fragen sich nun, ob der Milliardär das Zeug hat, einen Konzern mit 28.000 Mitarbeitern zu lenken und wie normalerweise vorgesehen im kommenden Jahr den Vorsitz des EADS-Verwaltungsrates zu übernehmen.

„Leitet Arnaud noch Lagardère?“ titelte „La Tribune“. In der Finanzzeitung empören sich Mitarbeiter der Lagardère-Gruppe hinter vorgehaltener Hand über ihren Chef. „Es heißt, dass Liliane Bettencourt unter Kontrolle gestellt werden muss. Wenigstens ist L’Oréal gut geführt“, meint ein führender Manager unter Bezug auf die 89-jährige L’Oréal-Chefin. „Seit sechs Monaten steht der Konzern still. Arnaud annulliert oder verschiebt alle Termine.“

Der Konzernchef sei größenwahnsinnig geworden, seit der US-Investor Guy Wyser-Pratt im vergangenen Jahr mit seinem Versuch scheiterte, auf der Hauptversammlung der Unternehmensgruppe Lagardère eine neue Rechtsform aufzuzwingen und den Firmenerben aus der Unternehmensleitung zu drängen, mutmaßt ein Vertrauter. „Seitdem hält er sich für unantastbar.“

So wie es sein Vater, Jean-Luc Lagardère, de facto einst war: Lagardère senior galt als einer der Gründungsväter des Rüstungskonzerns EADS und als einer der einflussreichsten und wichtigsten Industriellen des Landes. Vor acht Jahren starb er. Der Sohn blieb stets im Schatten seines Vaters. Und wenn er dann doch einmal heraustrat, dann nur, um die Öffentlichkeit zu schockieren.

Zum Beispiel, als sich die Auslieferung des A380 verzögerte, was im Sommer 2006 zum Einbruch der EADS-Aktie an der Börse und zur Einleitung eines Verfahrens wegen des Verdachts auf Insiderhandel geführt hatte. Damals erklärte der glücklose Lagardère: „Ich stehe vor der Wahl, als unehrlich oder als so inkompetent zu gelten, dass ich nicht weiß, was in meinen Werken geschieht. Ich stehe zu der zweiten Version.“ Später sorgte er für Schlagzeilen, als er dementierte, ein Verhältnis mit seinem Tennislehrer zu haben.

Mit dem Turtel-Video mache sich Lagardère nun schon wieder lächerlich, findet Guy Wyser-Pratt. „Er verhält sich wie ein Clown. Er verliert den Kopf“, urteilt der bekannte US-Investor. Dabei sei eigentlich vorgesehen, dass Lagardère im kommenden Jahr den Vorsitz des Verwaltungsrates von EADS übernehme: „Das ist peinlich. EADS ist ein seriöses Unternehmen.“

Nicht nur Wyser-Pratt, sondern auch etliche Politiker in Paris würden es begrüßen, wenn Lagardère auf den angestrebten Verwaltungsratsvorsitz bei EADS verzichtete. Und das nicht allein wegen der Video-Affäre, sondern auch weil die Art, wie der Firmenerbe die Interessen Frankreichs bei dem Flugzeugbau- und Rüstungskonzern vertritt, seit langem auf Kritik stößt.

Die deutsche Seite hatte bei der Gründung von EADS vor elf Jahren durchgesetzt, dass kein direkter Vertreter des französischen Staates, der 15 Prozent des Kapitals hält, im Verwaltungsrat des Konzerns sitzt. Deshalb hatte Frankreich seine Anteile neben denen Lagardères in die Zwischenholding Sogepa eingebracht. Diese wiederum vertritt Lagardère im EADS-Verwaltungsrat – obwohl er nach dem Tod seines Vaters nie einen Hehl daraus gemacht hat, dass ihn der Flugzeugbau- und Rüstungs-Konzern nicht im Geringsten interessiert.

Analysten spekulieren, dass er sich eigentlich so schnell wie möglich von seinen 7,5 Prozent an EADS trennen will. So wie auch von anderen Aktivitäten seiner Gruppe. Vor ein paar Monaten verkaufte Lagardère die internationalen Zeitschriften für 650 Mio. Euro an Hearst aus den USA, ein Jahr zuvor den Fernsehsender Virgin 17 an die Bolloré-Gruppe. Seitdem machen Gerüchte die Runde, dass sich Lagardère auch von weiteren Medien trennen könnte. Noch ist unklar, wohin der Firmenchef steuern will. Wenn man von Steuern überhaupt sprechen kann. Kommunikationsspezialisten jedenfalls sprechen angesichts des Turtel-Videos bereits von einem „wirtschaftlichen Selbstmord“.