Kranker Konzerngründer

Die Marke Apple ist stark – auch ohne Steve Jobs

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Thomas Heuzeroth

Die Verbraucher kaufen Apple-Produkte, weil sie von Design und Funktionalität überzeugt sind. Und nicht wegen Steve Jobs.

Was wird nun aus Apple? Kein Unternehmen steht so sehr im Schatten seines Chefs wie der iPhone-Hersteller. Nun muss Steve Jobs seine Funktion aufgeben, weil er krank ist . Alle Welt fragt sich: Kann das gut gehen? Und was ist Apple ohne Jobs? Die Antwort: Es kann gut gehen. Und Apple ist mehr als nur sein Chef.

Natürlich ist die Angst berechtigt, dass Apple ohne den charismatischen Gründer den steilen Aufstieg der vergangenen Jahre nicht weiter durchhält. Apple nährt mit seiner Geschichte die Zweifel. Nachdem Jobs 1985 aus dem Unternehmen gedrängt wurde, ging es stetig bergab. Nach langem Siechtum stand Apple vor dem Konkurs. Man holte Jobs zurück, von da an ging es aufwärts. Heute ist Apple der wertvollste Technologiekonzern der Welt.

Eine Kultur des Perfektionismus

Apple ist heute aber nicht mehr das Unternehmen von 1985. Weil Jobs sich selbst äußerst gekonnt inszenierte, verstellte er allzu häufig den Blick auf das, was hinter ihm stand. Dort steht heute eine Organisation, deren Manager und Designer es geschafft haben, den Geschmack der Kunden so gut zu treffen und die Logistik so sehr zu perfektionieren, dass Konkurrenten beim Betrachten der Apple-Gewinnmargen bleich werden. Apple ist nicht nur Marktführer beim Verkauf digitaler Musik. Der Konzern hat den Smartphone-Markt revolutioniert und schaffte mit dem iPad eine ganz neue Computer-Kategorie.

Das ist sicherlich zum großen Teil das Verdienst von Jobs, aber eben nicht nur sein Verdienst. Er persönlich hat seine engsten Mitarbeiter ausgesucht, und er hat auch seine rechte Hand, Tim Cook, als seinen Nachfolger bestimmt. Jobs hat bei Apple eine Kultur des Perfektionismus eingeführt, die das Arbeiten bei Apple nicht immer einfach machte, aber deren Ergebnisse Jobs fast immer Recht gegeben haben. Ob der Konzern all das verinnerlicht hat, was Jobs ihm vorlebte, zeigt sich erst mittelfristig. Die Produktpipeline für die kommenden zwei bis drei Jahre steht in dieser Branche zu mehr als 80 Prozent fest. Somit wird es keinen kurzfristigen Rückschlag geben.

Erst danach stellt sich heraus, wie gut Jobs' Auswahl war und ob Apple dann noch Entscheider hat, die nicht nur Ergebnisse der Marktforschung umsetzen, sondern auch bereit sind, Risiken einzugehen. Die Marke Apple ist in jedem Fall stark genug: Sie verschafft dem Unternehmen die Zeit, sich erneut zu beweisen. Eines muss allen klar sein: Die Verbraucher kaufen Apple-Produkte, weil sie von ihnen überzeugt sind. Und nicht wegen Steve Jobs. Zumindest nicht nur.