Neuer Vorstandschef

Mehdorn kauft überraschend Air-Berlin-Aktien

Nur wenige Tage vor seinem Amtsantritt sorgt der neue Air-Berlin-Vorstandschef Hartmut Mehdorn für Aufsehen. Entgegen seiner vorherigen Aussage, niemals Aktien des Unternehmens zu kaufen, für das er arbeitet, hat er nun Anteile der Airline erworben.

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Die Mitteilung sorgte für Überraschung in der Branche. Wenige Tage vor seinem Amtsantritt hat der neue Air-Berlin-Vorstandschef Hartmut Mehdorn erstmals Aktien der Airline gekauft. Für 308.750 Euro erwarb er 125.000 Anteile zum Kurs von 2,47 Euro.

Dabei hatte Mehdorn 2008 in einem Interview mit Morgenpost Online klar gemacht: "Ich habe als Manager in meinem bisherigen Berufsleben nie die Aktien des Unternehmens gekauft und besessen, für das ich gerade gearbeitet habe."

Über die Gründe für den Schwenk kann man nur spekulieren. Ein Indiz ist der Kaufkurs der Aktie: Dieser ist mit unter 2,50 Euro erschreckend niedrig. Vielleicht haben Noch-Chef Joachim Hunold und der Vorsitzende des Verwaltungsrates, Hans-Joachim Körber, den Ex-Bahnchef gedrängt, ihrem Beispiel zu folgen, um den Märkten zu signalisieren: "Wir glauben an die Air Berlin." Hunold hatte vor einer Woche Air-Berlin-Aktien für 60 000 Euro gekauft. Er besitzt damit rund 2,7 Prozent der von ihm gegründeten Fluggesellschaft. Hans-Joachim Körber investierte immerhin 137.500 Euro in Air-Berlin-Aktien. Am Freitag schloss die Aktie mit einem Plus von 3,97 Prozent.

Daraus könnte man schließen, dass die Herren auf dem richtigen Weg sind. Aber es wird schwierig, heil über den Berg zu kommen. Im ersten Halbjahr stieg der Schuldenstand von Air Berlin um 26 Prozent auf 616 Millionen Euro. Die auflaufenden Kosten für neu bestellte Flugzeuge sorgen dafür, dass die Kapitaldecke immer dünner wird. In den Jahren der Expansion waren fleißig neue Maschinen bestellt worden: 55 Boeing 737 und 15 Langstreckenflieger Dreamliner 787. Da werden nun nach und nach Anzahlungen fällig. Die Berliner können natürlich ihre neuen Jets gleich weiter verkaufen. Aber im April 2012 wird auch noch eine Anleihe über 130 Millionen Euro fällig. Mehdorn müsse auch in Betracht ziehen, sich per Kapitalerhöhung frisches Geld zu besorgen, schreiben die Experten der Credit Suisse. Sollte es dazu kommen, würde dies wohl den Kurs verwässern - für den Aktionär Mehdorn wäre also nicht viel gewonnen. Grundsätzlich war sein Credo, was das Thema Aktienbesitz für Topmanager angeht, also gar nicht so falsch.