Großangriff

Warren Buffett wittert wieder fette Beute

Großwildjagd in der Firmenwelt: Investorenlegende Warren Buffett hat angekündigt, mal wieder einen großen Konzern erlegen zu wollen. Das Geld dazu hat er.

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US-Investorenlegende Warren Buffett ist auf der Pirsch nach fetter Beute. „Unser Elefantengewehr wurde nachgeladen und mein Finger am Abzug juckt“, schrieb der 80-Jährige in seinem jährlichen Brief an die Aktionäre seines Unternehmens. Die Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway müsse vor allem große Übernahmen außerhalb der Versicherungsbranche tätigen, um ihre Ziele zu erreichen. Die Kasse von Berkshire ist mit 38 Mrd. Dollar prall gefüllt. Der nach der Forbes-Liste zweitreichste Mann Amerikas sieht vor allem in seinem Heimatland Chancen für seine geplanten Rekordinvestitionen und großen Zukäufe. „Geld fließt immer in Richtung Möglichkeiten und die gibt es in Amerika in Hülle und Fülle.“

Die Aussichten für den gebeutelten US-Immobilienmarkt, dessen Zusammenbruch Auslöser für die weltweite Finanzkrise war, beurteilt Buffett in dem am Samstag veröffentlichten Schreiben optimistisch. Die Erholung des Sektors werde wahrscheinlich innerhalb eines Jahres einsetzen, schrieb er. Berkshire habe deshalb seine Investitionen in den Immobilienmarkt bereits erhöht. Buffett war einer der wenigen, der auch während der Krise nicht davor zurückschreckte, Geld in die Hand zu nehmen. So zahlten sich seine Beteiligungen an Goldman Sachs, General Electric und der Swiss Re aus. Allein das Engagement bei Goldman bringt Berkshire pro Sekunde 15 Dollar ein. Bis Ende des Jahres werden diese Engagements aber Geschichte sein. Die Swiss Re hat Buffett bereits ausgezahlt. Der auch „Orakel von Omaha“ genannte Großanleger war dem zweitgrößten Rückversicherer der Welt in der Krise beigesprungen. Ein Makel, den der Konzern trotz hoher Kosten schnell wieder loswerden wollte.

Insgesamt rechnet Buffett in diesem Jahr mit einem „normalen“ Gewinn von etwa zwölf Mrd. Dollar. 2010 verdiente Berkshire Hathaway knapp 13 Mrd. Dollar. Ein Großteil kommt von Gewinnbeteiligungen großer Konzerne wie Coca-Cola, der Bank Wells Fargo oder der Münchener Rück. Buffett ist mit mehr als zehn Prozent größter Aktionär des weltgrößten Rückversicherers, der für 2010 insgesamt 1,1 Mrd. Euro als Dividende ausschüttete. Von Coca-Cola erhofft sich Buffett in diesem Jahr beispielsweise Dividenden über 376 Mio. Dollar. Doch das reicht ihm offensichtlich noch nicht. Innerhalb der nächsten zehn Jahre sollte sich das verdoppeln, sagte er.

Doch nicht nur Buffett will sich in den kommenden Monaten auf die große Firmenjagd begeben. Auch die großen Namen der Private-Equity-Branche wittern wieder größere Geschäfte. Finanzinvestoren wie Blackstone, KKR, Permira oder Carlyle kamen in den vergangenen Jahren wegen der Krise kaum an neue Kredite, mit denen sie üblicherweise ihre Übernahmen finanzieren. Zudem mussten sie mit hauseigenen Problemen kämpfen, da die Firmen im Portfolio unter der hohen Schuldenlast ächzen. Die Beteiligungshäuser wälzen die Kredite aus der Übernahme auf die gekauften Unternehmen ab – was ihnen in der Öffentlichkeit herbe Kritik einbrachte.

Auch der Deutschlandchef der Beteiligungsgesellschaft Permira, Jörg Rockenhäuser, hat Fehler seiner Branche im Vorfeld der Finanzkrise eingeräumt. „Wir haben begriffen, dass wir in den Boomjahren Kapitalstrukturen akzeptiert haben, die aus heutiger Sicht manchmal zu aggressiv waren“, sagte er der „Morgenpost Online“. „Da haben wir einiges reparieren müssen und über das gesamte Portfolio mehr als vier Mrd. Euro Schulden von den Unternehmen genommen.“ Private-Equity-Fonds kaufen Unternehmen häufig zu einem großen Teil auf Kredit und bürden den Firmen dann diese Schulden auf. Permira ist in Deutschland unter anderem am TV-Konzern ProSiebenSat. 1 und am Modeunternehmen Hugo Boss beteiligt.

Dennoch haben die meisten Beteiligungen die Krisenjahre aus Rockenhäusers Sicht gut überstanden. Kritiker hätten der Branche vorhergesagt, „Wir würden beim ersten Sturm untergehen. Und genau das ist eben nicht passiert“, betonte der Permira-Manager. „Von den 28 Unternehmen im Permira-Portfolio ist kein einziges in die Insolvenz gegangen. 12 unserer 13 Beteiligungen im aktuellen Fonds stehen heute besser da als vor der Krise – einige davon haben jetzt die höchsten Gewinne ihrer Firmengeschichte bekanntgegeben.“ Außerdem habe man das Chemieunternehmen Cognis und die Telekommunikationsfirma Freenet sehr erfolgreich verkauft.

Anders als viele Konkurrenten, die zuletzt neue Milliardenfonds angekündigt haben, will Permira jedoch vorerst kein frisches Anlegergeld einsammeln. „Wir haben derzeit noch knapp zwei Mrd. Euro und damit noch genügend Kapital“, sagte Rockenhäuser. „Erst wenn dieses Geld zum Großteil investiert ist, werden wir bei unseren Investoren neue Mittel einwerben.“