Konjunktur

Abschwung - Ifo-Daten sind Alarmsignal für 2012

Die Stimmung unter den deutschen Firmenchefs ist wegen der Schuldenkrise und der Börsenturbulenzen so schlecht wie seit über einem Jahr nicht mehr. Das geht aus dem Geschäftsklimaindex des Info-Instituts für Wirtschaftsforschung hervor.

Das Video konnte nicht gefunden werden.

Die europäischen Aktienanleger haben sich am Mittwoch nicht von der überraschend trüben Stimmung der deutschen Unternehmen anstecken lassen.

Video: Reuters
Beschreibung anzeigen

Der ungewöhnlich starke Aufschwung in Deutschland neigt sich seinem Ende entgegen. Der Ifo-Geschäftsklimaindex, der wichtigste Gradmesser für die deutsche Konjunktur, ging im August erneut zurück. Er fiel von 112,9 Punkten im Juli auf 108,7 Zähler. Das ist ein stärkerer Rückgang als von Experten erwartet. „Die Unternehmen haben ihre Erwartungen an den Geschäftsverlauf im kommenden halben Jahr stark zurückgeschraubt“, sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn am Mittwoch.

Ihre aktuelle Geschäftslage bewerten die Firmen weiter überwiegend als gut, jedoch weniger günstig als in den vergangenen Monaten. Im Verarbeitenden Gewerbe bröckeln die Geschäftsaussichten, und auch die aktuelle Geschäftslage stufen die Firmen nicht mehr ganz so häufig als gut ein. Der entsprechende Index fiel von 23,3 Zählern im Juli auf 15,7 Punkte.

Erwartungen an das Exportgeschäft sanken weiter. Nach wie vor soll mehr Personal eingestellt werden, die Zahlen sind den Angaben nach aber nicht mehr ganz so hoch wie in den vergangenen Monaten.

Eine Rezession befürchtet das Ifo-Institut aber nicht. „Davon würde ich im Moment noch nicht sprechen“, sagte Ifo-Experte Klaus Abberger. „Die Firmen haben schon noch Auftragspolster. Und nicht jede Abkühlung mündet in einer Rezession. Aber der Aufschwung verlangsamt sich sehr deutlich.“

Abgekühlt hat sich das Geschäftsklima auch im Einzel- und Großhandel. Der Optimismus der Unternehmen sei weitgehend gewichen, hieß es. Der Index für den Einzelhandel ging von 10,5 Punkten zurück auf 1,6 Punkte. Der Großhandelsindex fiel auf 7,1 Zähler, von zuvor 18,1 Zählern.

Die Unternehmen der Baubranche zeigten sich nicht mehr so zufrieden wie bislang, sowohl was die aktuelle Lage, als auch die Aussichten betrifft. Der Index ging von minus 0,7 Punkten im Juli weiter zurück auf minus 6,4 Punkte. Das Ifo-Institut befragt monatlich etwa 7000 Firmen, wie sie ihre aktuelle Lage und die Erwartungen für die nächsten sechs Monate bewerten.

Sorge bereitet den Unternehmen vor allem die Schuldenkrise in Europa und den USA. „Die USA sind der Knackpunkt für die Weltwirtschaft“, sagte Abberger. „Auch Europa muss sparen und fällt als Zugpferd aus.“ Dagegen stütze das Wachstum in Asien der Exportnation Deutschland. Ein weiteres Risiko seien die Börsenturbulenzen, die die Verbraucher verunsicherten und auch für die Unternehmen ein Unsicherheitsfaktor seien. Der Europäischen Zentralbank (EZB) rät das Ifo-Institut von weiteren Zinserhöhungen ab, die Kredite für Konsum und Investitionen verteuern und damit das Wachstum weiter dämpfen könnten. „Die Situation ist fragil“, sagte Abberger. „Insofern ist eine weitere Zinserhöhung der EZB auf Pause gestellt.“

Das Barometer für die Konjunkturerwartungen fiel auf 100,1 Punkte von 105,0 Punkten im Vormonat. Das ist der schlechteste Wert seit Oktober 2009. Hier hatten Analysten einen Wert von 103,0 Zählern vorausgesagt. Der Lage-Index ging auf 118,1 Punkte von 121,4 zurück. Hier wurden 120,0 Punkte vorhergesagt.

Damit mehren sich die Anzeichen für ein schwaches zweites Halbjahr. Am Dienstag waren bereits die ZEW-Konjunkturerwartungen von Börsenprofis auf den tiefsten Stand seit Dezember 2008 abgerutscht. „Die Ifo-Daten sind jetzt eher ein Alarmsignal für 2012, dass sich der Superaufschwung dem Ende nähert“, sagte WestLB-Experte Jörg Lüschow. „Ein Stück weit ist das eine Normalisierung nach einer Phase außergewöhnlich hohen Wachstums.“

Das Bruttoinlandsprodukt hatte im zweiten Quartal nur noch um 0,1 Prozent zugelegt, nachdem es zu Jahresbeginn noch starke 1,3 Prozent waren. Die Bundesbank erwartet für die zweite Jahreshälfte eine Konjunkturabkühlung, aber keine Rezession. Für 2011 insgesamt sagt sie ein Plus von drei Prozent voraus nach 3,6 Prozent im Vorjahr.