Kursrutsch

Dax stürzt auf neues Jahrestief

Am deutschen Aktienmarkt setzt sich die Talfahrt ungebremst fort. Der Dax fällt unter die Marke von 5400 Punkten, der Goldpreis explodiert.

Der weltweite Kursrutsch geht weiter: Der deutsche Leitindex Dax ist erneut kräftig unter Druck geraten und am Vormittag mit 5345 Punkten (-4,5 Prozent) auf den tiefsten Stand seit November 2009 abgestürzt. Zum Mittag pendelte das Börsenbarometer im weiter extrem nervösen Handel um die 5400-Punkte-Marke.

Auch in Mailand, Paris und London schickte die Angst vor einem Abkühlen der Weltwirtschaft die Börsen auf Talfahrt. „Die extreme Nervosität hält an“, sagte Stefan Chmielewski vom Brokerhaus Lang & Schwarz. Aus Sicht der Analysten von Close Brothers Seydler hat die Furcht vor einer neuen Rezession in den USA Dimensionen erreicht, die vor Wochen noch schier undenkbar gewesen sind.

Die wieder verstärkten Sorgen um das europäische Bankensystem und eine weltweit schwächelnde Wirtschaft sorgen dafür, dass Investoren ihre risikobehafteten Anlagen wie Aktien auf den Markt werfen, sagte Stratege Ben Potter von IG. Bereits am Vortag hatten die weltweiten Aktienmärkte einen schwarzen Handelstag erlebt: Allein der Dax war um 5,82 Prozent auf 5602,80 Punkte in die Tiefe gestürzt – das war der größte Tagesverlust in Prozent seit November 2008. Das Kaufinteresse vom Wochenbeginn durch Schnäppchenjäger und Deckungskäufe sei wieder verschwunden.

Vor dem Wochenende gelte es, für viele Investoren ihre Depots vor schlechten Nachrichten abzusichern und das bringe den Markt unter Druck. Ein Börsianer verwies auch auf die stark angeschlagene Charttechnik nach dem Rutsch auf ein neues Tief. Aus dieser Sicht liege das nächste Ziel bei 5100 Punkten.

Parallel zu den weiter sinkenden Aktienkursen eilt der Goldpreis von einem Allzeithoch zum Nächsten. Bis zum Mittag stieg er auf 1869 Dollar pro Feinunze. Das sind 2,7 Prozent mehr als am Vortag. Am Devisenmarkt steuerten viele Anleger angesichts der immensen Nervosität den Franken als sicheren Hafen an. Zur Gemeinschaftswährung zog die alpenländische Währung um rund ein Prozent an, so dass für einen Euro 1,1252 (spätes Vortagesgeschäft: 1,1375) Franken gezahlt werden mussten. Der Ölpreis gab dagegen nach. Der September-Kontrakt auf ein Barrel US-Leichtöl der Sorte WTI fiel an der New Yorker Rohstoffbörse Nymex um 5,9 Prozent auf 82,38 Dollar.

Neu entfacht hatten die Rezessionsängste am Donnerstag enttäuschend ausgefallenen US-Daten. Der Konjunkturindikator Philly-Fed-Index war im August auf den tiefsten Stand seit März 2009 gefallen. Doch neben den Sorgen um die Zustand der amerikanischen Wirtschaft hat auch die europäische Schuldenkrise die Anleger fest im Griff.

Sie warteten weiter auf tiefgreifende Maßnahmen, um den Ländern einen Weg aus der Misere zu ebnen, sagte ein Händler. Verluste verbuchten erneut vor allem die Finanzwerte. Der europäische Branchenindex fiel um gut drei Prozent. In Mailand verbilligten sich die UniCredit um 5,3 Prozent, die BNP Paribas in Paris um 3,7 Prozent.

Im Dax fielen die Papiere von Deutscher Bank und Commerzbank 4,7 Prozent beziehungsweise 3,8 Prozent. Zu den größten Verlierern zählten im Leitindex allerdings die konjunktursensiblen Autowerte: Volkswagen, BMW und Daimler verbuchten Kurseinbrüche zwischen 4,4 und fünf Prozent.

Auch in Fernost hatten die Kurse nachgegeben, wenn auch nicht so stark wie in Europa. In Tokio verlor der Nikkei-Index für 225 führende Werte zum Handelsschluss 2,51 Prozent oder 224,52 Punkte auf 8719,24 Zähler, das war der tiefste Stand seit Mitte März. In Australien gingen die Kurse um 2,5 Prozent nach unten, in Hongkong um 2,7 Prozent. In Seoul gab der wichtigste südkoreanische Index um mehr als vier Prozent nach.

Damit setzte sich in Asien und Australien die Entwicklung der Börsen in Amerika vom Vorabend fort. In den USA lag der Dow-Jones-Index bei Handelsschluss in New York bei 10. 990,58 Punkten und damit 3,68 Prozent unter dem Wert des Vortages. Der Technologie-Index Nasdaq schloss mit einem Minus von 5,22 Prozent bei 2380,43 Punkten. Auch in Lateinamerika schlossen die drei Hauptbörsen mit kräftigen Verlusten.