OECD-Studie

Deutsche setzen sich noch viel zu früh zur Ruhe

Auch in Deutschland muss angesichts des drohenden Fachkräftemangels die Erwerbstätigkeit der Älteren noch viel stärker als bisher forciert werden.

Die Deutschen hadern noch immer mit der Rente mit 67. Die hiesigen Gewerkschaften haben sich ebenso wie ein Großteil der Arbeitnehmer noch längst nicht damit abgefunden, dass es zum längeren Arbeiten keine Alternative gibt. Doch die neue Rentenstudie der OECD zeigt, wie sehr die Demografie das System der Alterssicherung belastet.

Immerhin können sich die Deutschen rühmen, das Problem in den vergangenen Jahren beherzter als die meisten anderen Industrieländer angepackt zu haben. Erhebliche Leistungskürzungen und späterer Renteneintritt stabilisieren das hiesige Sicherungssystem. Die meisten Europäer haben diese schmerzhafte Rosskur noch vor sich. Dies gilt insbesondere für einige hochverschuldete Euro-Länder wie Griechenland, Italien und Portugal.

Die OECD-Experten widerlegen das oft zitierte Argument der Reformgegner, die Rente mit 67 verschlechtere die Jobchancen für die Jüngeren. Mit ähnlichen Worten hatten die Anhänger der Frühverrentung und der Altersteilzeit jahrzehntelang erfolgreich für den von den Sozialkassen finanzierten Vorruhestand geworben.

Seit den 70er-Jahren gingen die Arbeitnehmer immer früher in den Ruhestand. Dies trieb die Sozialabgaben in die Höhe, verteuerte den Faktor Arbeit und hatte mehr, statt weniger Arbeitslosigkeit zur Folge. Seit die massiven staatlichen Anreize für die Frührente endlich gestrichen wurden, steigt auch in Deutschland das tatsächliche Renteneintrittsalter wieder an.

Doch noch immer gehen die Bundesbürger im Durchschnitt deutlich vor dem Erreichen der gesetzlichen Altersgrenze in den Ruhestand. Andere Länder wie Japan oder die USA setzen stärkere finanzielle Anreize, um die Menschen länger im Beruf zu halten. Und wer sogar im Rentenalter noch arbeiten geht, bessert seine Altersbezüge kräftig auf, was in diesen Ländern deshalb häufig geschieht.

Auch in Deutschland muss angesichts des drohenden Fachkräftemangels die Erwerbstätigkeit der Älteren noch viel stärker als bisher forciert werden. Die Rente mit 67 ist dabei ein wichtiger, aber nicht der einzig mögliche Baustein. Infolge der Rentenreformen der vergangenen Jahre sinkt das Leistungsniveau für künftige Senioren deutlich ab. Die Gefahr, dass die Altersarmut nach Deutschland zurückkehrt, ist deshalb groß.

Die älteren Menschen sind heute oft gesundheitlich fit und durchaus in der Lage, weiter zu arbeiten. Das hiesige Rentensystem aber belohnt die Berufstätigkeit der über 65-Jährigen kaum. Das muss sich ändern. Die Menschen werden in Zukunft freiwillig länger arbeiten, wenn sie dadurch ihre Renten spürbar aufbessern können.

Arbeit im Alter ist keineswegs ein Schreckenszenario, wenn altersgerechte Jobs geschaffen werden. Dies ist ein Feld, dem sich Wirtschaft und Gewerkschaften widmen sollten. Denn einen jahrzehntelangen Ruhestand wird sich eine schrumpfende, alternde Gesellschaft in Zukunft nicht mehr leisten können.