Agentur für Arbeit

Arbeitsmarkt von der Finanzkrise unbeeindruckt

Schuldenkrise, Finanzkrise und jetzt auch noch eine Abkühlung der Konjunktur. Dem Chef der Arbeitsagentur ist dennoch nicht bange.

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Die Bundesagentur für Arbeit (BA) rechnet trotz abkühlender Konjunktur und der jüngsten Börsenturbulenzen vorerst nicht mit Rückschlägen auf dem deutschen Arbeitsmarkt. „Die jüngsten Ereignisse zeigen, dass es weiter Risiken für den Arbeitsmarkt gibt. Wir bleiben aber bei unserer Einschätzung, dass sich der Arbeitsmarkt dieses und nächstes Jahr günstig entwickelt“, sagte BA-Vorstandschef Frank-Jürgen Weise. Die Exportaussichten der deutschen Industrie seien weiter gut, die Binnenkonjunktur sei stabil und die Unternehmen dadurch weiterhin bereit, neue Arbeitsplätze zu schaffen.

Zwar werde sich der Job-Aufschwung 2012 nicht mehr im bisherigen Tempo fortsetzen . „Wir sehen aber auch nach den Turbulenzen an den Finanzmärkten derzeit keinen Anlass, von unserem bisherigen Korridor für nächstes Jahr abzuweichen“, sagte Weise. Danach würde die Arbeitslosigkeit 2012 im Durchschnitt auf 2,7 Millionen sinken – das wären im Jahresschnitt rund 200.000 weniger Jobsucher als 2011. Was dem Arbeitsmarkt neben der guten Konjunktur helfe, sei die wachsende Sorge vieler Unternehmen vor einem Fachkräftemangel. Jeder Firmenchef sei daher bestrebt, qualifizierte Mitarbeiter zu halten.

In der Debatte um die Zukunft der Leiharbeit in Deutschland warnte Weise vor überzogener Kritik an dieser Beschäftigungsform; zu amerikanischen Verhältnissen sollte es bei der Zeitarbeit trotzdem nicht kommen. „Wenn wir die Tore aufmachen und mehr als zweieinhalb Millionen Zeitarbeiter haben, dann entfällt der ursprüngliche Zweck der Zeitarbeit“, sagte er. Vorbild sollten nicht die USA sein, wo die Zeitarbeit gemessen an der Zahl der Beschäftigten der drittgrößte Arbeitgeber ist. „Das würde eine Flexibilität und Mobilität in den Arbeitsmarkt bringen, die die Menschen in Deutschland und die Sozialstaatsmodelle mit Sicherheit überfordern.“

Die Forderung aus CDU-Kreisen, Leiharbeiter spätestens nach einer vierwöchigen Beschäftigungsdauer genauso wie die Stammbelegschaft eines Unternehmens zu entlohnen, sieht Weise dennoch skeptisch. „Zeitarbeitsunternehmen haben uns auch geholfen; sie haben nach der Krise viele Arbeitslose eingestellt und ihnen eine Chance gegeben. Man darf nun das Geschäftsmodell der Zeitarbeitsunternehmen nicht gefährden.“ Eine Umsetzung eines solchen Vorschlags würde dazu führen, dass die Leiharbeit stark zurückgeht. „Was das richtige Maß ist, müssen die Tarifpartner aushandeln“, sagte Weise.

Auf Zustimmung stößt bei ihm die Forderung der FDP, die Bezugsdauer von Arbeitslosengeld von älteren Jobsuchern zu verkürzen - „aber nicht um Geld zu sparen, sondern weil Ältere auf dem Arbeitsmarkt immer mehr gebraucht werden“, unterstrich der BA-Chef. „Wir haben ein großes Interesses, dass ältere Menschen, die in Beschäftigung sind, auch weiter in Beschäftigung bleiben, weil wir sonst einen Fachkräftemangel in vielen Bereichen sehen. Es darf daher keine Fehlanreize geben, dass Ältere früher aus dem Erwerbsleben ausscheiden.“ Die Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes I war Anfang 2008 von der großen Koalition von maximal 18 auf 24 Monate für über 58-Jährige verlängert worden.