100 Jahre Luftfracht

Mit Harlan-Flieger vom Flugplatz Johannisthal

Vor genau 100 Jahren begann in Deutschland die Frachtfliegerei. 2010 reisten von hier aus mehr als vier Millionen Tonnen Waren um die Welt.

Foto: obs / obs/DPA

Als vor einem Jahr die große Aschewolke aus Island über Europa zog, war nicht nur der Flugverkehr lahmgelegt – auch bei einigen Automobilbauern standen nach nur wenigen Tagen die Bänder still. Wichtige Teile aus Asien fehlten, die normalerweise per Flugzeug auf den Kontinent gelangen. Die weltumspannende Logistik in der Luft ist mittlerweile der Treibstoff für die Wirtschaft.

In Deutschland begann die Frachtfliegerei vor genau 100 Jahren: Am 20. August 1911 meldete die „Berliner Morgenpost“ auf ihrer Titelseite: „Gestern Morgen um 4.28 Uhr stieg der Flieger Hoffman auf einem Harlan-Flugzeug vom Flugplatz Johannisthal auf.“ An Bord hatte er ein Paket der „in den Morgenstunden fertiggestellten neuesten Nummern der Berliner Morgenpost“. Am 5. Februar 1919 nahm dann die „Deutsche Luftreederei“ den Luftpostdienst zwischen Berlin und Weimar auf.

„Damit machte die Luft-Reederei Deutschland zum Gründungsland der kommerziellen Luftfracht “, schreibt der Historiker und Kommunikationswissenschaftler Rainer Gries in seinem Buch „Luftfracht ist mein Leben“. Auch ein Quantensprung in der Frachtfliegerei ist mit Deutschland verbunden, als es den Amerikanern nach dem Zweiten Weltkrieg gelang, mit ihrer „Luftbrücke“ mehr als zwei Millionen Menschen im abgeriegelten West-Berlin zu versorgen.

Heute werden nicht nur Zeitungen, sondern auch Autos, Tiere, Lebensmittel, Handys transportiert und alles, was sonst noch klein und wertvoll ist. Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland 4,1 Millionen Tonnen Luftfracht umgeschlagen. Vor allem der Warenaustausch mit China und Indien boomt.

Und die weiteren Aussichten sind prima. In der Studie „Welt Luftfracht Vorhersage 2010-2011“ geht der Flugzeughersteller Boeing davon aus, dass der weltweite Luftfrachtverkehr um 5,9 Prozent pro Jahr in den nächsten 20 Jahren wachsen wird. Bis 2029 wäre das eine Verdreifachung – trotz aller Krisen.

Das größte fliegende Frachtflugzeug ist die Antonov An-225 „Mriya“, von der es nur ein einziges flugfähiges Exemplar gibt. Mit keinem anderen Frachter kann so großes und schweres Frachtgut transportiert werden. Das Arbeitspferd vieler Cargo-Gesellschaften war seit den 70er-Jahren die Boeing 747/F.

Lufthansa Cargo und der US-Transportriese Fedex fliegen heute vor allem die MD11 von McDonnell Douglas. Aber ein großer Teil der kleinen und leichten Frachtstücke wird auch einfach in den Laderäumen von Passagierflugzeugen transportiert.