Fukushima-Schäden

Japans Wirtschaft überrascht Konjunkturexperten

Die japanische Konjunktur erholt sich schneller als erwartet von der Atomkatastrophe. Trotzdem steht im zweiten Quartal noch ein Minus.

Die japanische Wirtschaft schrumpft, aber weniger stark als erwartet. Im zweiten Quartal ist die Wirtschaftsleistung des Landes gegenüber dem ersten Vierteljahr um 0,3 Prozent gesunken, es war das dritte Minus-Quartal in Folge. Experten hatten allerdings mit einem Minus von 0,7 Prozent gerechnet.

Vor allem die sinkenden Ausfuhren haben die Konjunktur tiefer in den roten Bereich gerissen. Die Nachfrage der Verbraucher im Inland blieb dagegen stabil und die Unternehmen haben ihre Investitionen sogar gesteigert. Außerdem hat der Staat sehr viel Geld in den Wiederaufbau nach Erdbeben und Tsunami vom März gesteckt.

Noch im ersten Quartal war die japanische Wirtschaft um fast ein Prozent geschrumpft – dafür waren die Naturkatastrophe und ihre Folgen verantwortlich gewesen. In den Wochen nach dem 11. März war in großen Teilen der japanischen Industrie die Produktion ausgefallen, weil die Lieferketten innerhalb des Landes unterbrochen waren.

Ökonomen bewerten deshalb die Entwicklung im 2. Quartal positiv – obwohl die Wirtschaft geschrumpft ist: Nach dem überraschend deutlichen Wachstumseinbruch zu Beginn des Jahres ist das zweite Quartal eine positive Überraschung“, sagt Rudolf Besch von der Dekabank. „Die Volkswirtschaft ist in der Lage, relativ rasch wieder auf ihr altes Niveau zurückzufinden."

Er geht davon aus, dass bereits am Anfang des zweiten Quartals, also bereits wenige Wochen nach der Naturkatastrophe ein gewaltiger Aufholprozess begonnen hat. Der private Konsum dürfte den Einbruch vom ersten Quartal sogar bereits wieder wett gemacht haben; Besch geht davon aus, dass die Japaner bereits Ende Juni wieder so viel ausgegeben haben wie vor dem Jahrhundertbeben. Angesichts der überraschend positiven Entwicklung rechnen Ökonomen damit, dass die japanische Wirtschaft bereits im laufenden Quartal wieder wachsen wird. Große Probleme bereitet aber weiterhin die Exportwirtschaft.

Zwar sind die Liefer- und Logistikketten weitgehend wieder hergestellt, aber die japanischen Produzenten leiden unter dem starken Yen. Angesichts der transatlantischen Schuldenkrise sind Investoren in die japanische Währung geflohen, so dass deren Kurs in den vergangenen Monaten stark gestiegen ist. Das verteuert japanische Waren im Ausland.

Allein im Juli war der Wert des Yen gegenüber dem Dollar um fünf Prozent gestiegen. Auch die Folgen der Naturkatastrophe werden die japanische Wirtschaft in den kommenden Monaten noch weiter belasten. Denn noch ist völlig unklar, wie der Staat den teuren Wiederaufbau bezahlen wird. Steuererhöhungen sind sehr wahrscheinlich und die dürften das Wirtschaftswachstum drücken.