Gewerkschaften

Die Lokführer sind erstmals streikmüde

Für 95 Prozent der Lokführer hat die GDL einen Einheitslohn erstritten. Nun will die Gewerkschaft keine größeren Streikaktionen mehr anschieben.

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Im seit Monaten andauernden Tarifstreit der deutschen Bahnbranche deutet sich ein Ende an. Erstmals zeigt auch die sonst kämpferische Lokführergewerkschaft GDL Ermüdungserscheinungen. „Wir werden uns nicht zu Tode streiken, irgendwann sind alle Druckmittel ausgeschöpft“, sagte ein GDL-Funktionär.

Zuvor hatte Gewerkschaftschef Claus Weselsky angekündigt, die GDL ziehe mit der neuen Position die Konsequenzen aus der harten Haltung der Arbeitgeber. Zwar habe man für 95 Prozent aller Lokführer in Deutschland einen einheitlichen Tarifvertrag durchsetzen können. „Beim Rest sage ich aber ganz nüchtern, dass wir mit unseren Aktionen nicht durchkommen“, sagte Weselsky der „Sächsischen Zeitung“.

Es war die bis dahin härteste Tarifrunde in der deutschen Bahnbranche. Die Gewerkschaft EVG und die kleinere GDL waren mit dem Ziel in die Tarifrunde gegangen, für die Mitarbeiter der Branche eine Art Flächentarifvertrag auszuhandeln.

So sollten vor allem bei den Löhnen Mindeststandards definiert und so Dumpinggehälter künftig unmöglich gemacht werden. Mit der Deutschen Bahn AG, deren Lohntabellen nach Plänen der Gewerkschaften das Maß der Branche sein sollten, wurden sich EVG und GDL bald einig – auch wenn sie getrennt und in Konkurrenz zueinander verhandelten.

Mit den Güterbahnen ging es ebenfalls schnell. Doch die Privatbahnen im Personenverkehr wehrten sich vehement gegen den Einheitstarif; schon deshalb weil sie künftig Löhne fast auf Niveau der DB AG zahlen müssen und damit ihren entscheidenden Vorteil gegenüber dem Staatskonzern verlören. Die Folgen war ein monatelanger Tarifkonflikt vor allem zwischen GDL und Privatbahnen, mit immer neuen Streikaktionen. Diese führten aber letztlich nicht zum Einlenken aller Unternehmen.

Keine größeren Streiks mehr

Nun kündigte die GDL an, dass sie keine weiteren großen Streikaktionen mehr anschieben will. „Wir haben uns mit der Deutschen Bahn, den Güterunternehmen sowie den Privatbahnen Keolis und der Hessischen Landesbahn geeinigt. Bei Cantus, Metronom und der Ostdeutschen Eisenbahn ODEG setzen wir nun auf ein Moderations-Verfahren“, sagte eine GDL-Sprecherin.

Mit Veolia Sachsen-Anhalt und der Nord-Ostsee-Bahn laufen entsprechende Verhandlungen, die bei Redaktionsschluss andauerten. Mit der Vogtlandbahn, der Hohenzollernbahn und beim norddeutschen Bahnunternehmen AKN steht eine Einigung weiter aus. „Lediglich bei AKN werden wir die Streiks auch kommende Woche weiter fortsetzen“, sagte die Sprecherin.

Dass deren Widerstand mit Arbeitsniederlegungen wohl nicht zu brechen ist, hatte die GDL zuletzt zur eigenen Überraschung zur Kenntnis nehmen müssen. GDL-Chef Weselsky kritisiert die rüden Methoden der Arbeitgeberseite: „Sie sperren Streikende aus – was es hierzulande 25 Jahre nicht mehr gegeben hat – und lassen Ersatzbusse fahren, machen Notfahrpläne oder streichen Verbindungen.“ Die GDL selbst war allerdings auch nicht zimperlich in der Wahl ihrer Mittel – bis hin zu Druck auf Bahner, sich am Ausstand zu beteiligen.

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