Autobauer

Studie ermittelt das Traumauto der Deutschen

Jeder vierte Autofahrer will sich bald ein neues oder gebrauchtes Auto zulegen. Die Autohäuser stehen vor einem großen Ansturm.

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Schwarz ist das Wunschauto der Deutschen, allenfalls noch Silber. Es ist eine Limousine oder ein Kombi, wurde vorzugsweise von Volkswagen oder einem japanischen Hersteller gebaut und schluckt Benzin oder Diesel – ein Elektroauto will sich kaum noch ein Bundesbürger in die Garage stellen.

Zu diesem Ergebnis kommt der Mineralölkonzern Aral in seiner Studie „Trends beim Autokauf 2011“ für 1158 Personen befragt wurden. Und die Studie liefert noch ein Ergebnis, das in der Automobilindustrie wie bei Aral selbst für Erleichterung sorgen wird: Nach 18-monatigem Trend zur Zurückhaltung haben die Deutschen die Lust am Autokauf wiederentdeckt.

Mehr als jeder vierte (26 Prozent) der Befragten gab an, in den nächsten 18 Monaten einen Neu-, Jahres- oder Gebrauchtwagen kaufen zu wollen. Vor zwei Jahren plante das nicht mal jeder Fünfte (18 Prozent). Allerdings wurde die Umfrage im Frühjahr durchgeführt, also vor Hochkochen der jüngsten Finanz-, Schulden- und Euro-Krise.

Besonders in Wolfsburg wird man die Studie mit Vergnügen lesen. Zum einen hat man es dort mit Elektroautos ohnehin nicht sonderlich eilig, zum anderen konnten die Marken des Konzerns ihre Beliebtheit auf dem Heimatmarkt sogar noch steigern. Die Marke VW musste zwar Federn lassen, und musste im Vergleich zur Befragung 2009 drei Prozentpunkte abgeben. Damals lag die Kaufneigung bei 22 Prozent. Aber wer abwandert, spekuliert auf einen Skoda oder Seat – und das sind bekanntermaßen ebenfalls Marken des VW-Konzerns.

Addiert man die vier wichtigsten Konzernmarken, so ergibt sich ein Kaufinteresse von 34 Prozent. Das entspricht im Vergleich zum Jahr 2009 einem Plus von drei Prozentpunkten. Die größten Überraschung liefert Opel: Die Tochter des GM-Konzerns ist die Wunschmarke von neuen Prozent der Befragten, damit liegen die Rüsselsheimer nach den als eine Kategorie gesehenen Japanern auf Platz drei im Ranking der Befragten.

Deutsche geben wieder mehr für Autos aus

Die nächste gute Nachricht für die gesamte Branche: Die Kunden sind bereit, wieder tiefer in die Tasche für einen Neuwagen zu greifen. Die Umfrage belegt eine geringere Rabatterwartung. Sie sinkt von 14 auf 12 Prozent. Damit ist der bisherige Höhepunkt aus dem Jahr 2009 überschritten. Besonders deutlich sinkt die Rabatterwartung bei den Frauen, die durchschnittlich nur noch elf Prozent Nachlass erwarten.

Im Durchschnitt sind die Deutschen bereit, 25.962 Euro für einen Neuwagen zu bezahlen. Das passt gut zum Durchschnittpreis von Neuwagen, den das CAR-Centers Automotive Research der Universität Duisburg-Essen jüngst errechnet hat. Demnach lag dieser bei 25.740 Euro. Damit haben die Deutschen 827 Euro pro Neuwagen in diesem Jahr mehr ausgegeben als im Jahr 2010. Dies ist der höchste Durchschnittspreis, der je in Deutschland für Neuwagen bezahlt wurde.

Vergleichsweise gering ist hingegen die Zahlungsbereit der Deutschen für umweltfreundliche Autos. Ein möglichst geringer CO 2 -Ausstoß hat als wichtiges Kriterium beim Autokauf an Bedeutung verloren. Vor zwei Jahren waren die Emissionen noch für 59 Prozent der potenziellen Käufer wichtig oder sehr wichtig. Jetzt beträgt dieser Anteil 47 Prozent. Gleichzeitig verdoppelte sich der Anteil derer, die die CO 2 -Emissionen für völlig unwichtig halten, von drei auf sechs Prozent. Entsprechend zugeknöpft sind die Deutschen was den Kaufpreis angeht.

59 Prozent der Befragten gaben an, dass sie nicht bereit seien, für einen neuartigen Antrieb auch mehr Geld auszugeben. Vor zwei Jahren waren das nur 49 Prozent. Die aktuelle Erhebung belegt, dass die Frage der finanziellen Mehrbelastung mehr denn je polarisiert. „Weiß nicht“ kommt als Antwort praktisch nicht mehr vor – vor zwei Jahren waren noch 13 Prozent der Befragten unentschlossen.

Entsprechend steigt auch der Anteil derer, die zu Zuzahlungen bereit sind, leicht von 38 auf 41 Prozent. Und von der Euphorie, die sich die Bundesregierung für Elektroautos wünscht, ist weit und bereit nichts zu spüren. Nur noch 28 Prozent der Befragten können sich vorstellen, ein Elektroauto zu kaufen. Vor zwei Jahren waren es noch 36 Prozent – das sind Zahlen, die man beim Ölmulti Aral sicher gerne zur Kenntnis nimmt.

Lackierung: Silber holt Schwarz ein

Bleibt die schönste Nebensächlichkeit beim Autokauf, die Frage der Farbe. Schwarz und Silber sind gleichauf, denn der bisherige Spitzenreiter Schwarz büßt zwei Prozentpunkte auf 24 Prozent ein, während Silber um vier Prozentpunkte auf ebenfalls 24 Prozent zulegt. Diese Tendenz bestätigen die Zulassungszahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes: Die Neuzulassungen in Schwarz sanken von 1.050.188 Fahrzeugen 2009 auf 885.698 im Jahr 2010.

Insgesamt bietet die Studie für die Automobilbranche einen ermutigenden Ausblick, vor allem weil die Bundesbürger gesteigertes Interesse für den Fahrzeugkauf zeigen. Dennoch warnen Experten vor neuen Risiken auf den Weltmärkten für Pkw. „Für 2012 gehe ich von einer Stagnation aus und einem Absatz von 60,3 Millionen Pkw“, sagt CAR-Chef Ferdinand Dudenhöffer. „Das sind 5,3 Millionen Fahrzeuge weniger als vor fünf Monaten prognostiziert.“ Ursache sind die erwartete Abkühlung der Konjunktur, die Schuldenkrise und die Unruhen in Nordafrika, die starke Schwankungen der Rohölpreise befürchten lassen.