Schweizer Institute

Finanzkrise gefährdet das Geschäft der Banken

Investoren halten sich mit Handelsaufträgen zurück. Besonders schwer könnte es die Schweizer Institute treffen.

Foto: dpa

Die Anspannung war den Händlern an diesem Montagmorgen im Gesicht abzulesen. Nachdem die Ratingagentur Standard & Poor’s die USA eine Bonitätsstufe nach unten gesetzt hatte, war allgemein die Sorge groß vor einem Crash an den Märkten. Doch das war nicht der Grund für die Konzentration der Banker im Handelssaal einer Bank in Frankfurt am Main . Sie witterten vielmehr ein gutes Geschäft.

"Wir machen keinen Eigenhandel, sondern agieren nur im Auftrag von Kunden", erläutert ein Händler. "Verlieren kann man dadurch nicht viel. Stattdessen verdienen wir bei jedem Kundenauftrag mit, egal ob ge- oder verkauft wird. Wenn heute viele Leute verkaufen wollen, ist auch das gut für uns" – eine Aussage, die allerdings nur kurzfristig gilt.

Denn selbst wenn die Händler zum Wochenbeginn noch gute Umsätze verbuchen können – schon auf mittlere Sicht wird ihnen die Herabstufung der USA schaden: Die Unsicherheit lässt die Risikofreude der Investoren schwinden, und damit sinken die Umsätze. Dieser Trend war schon im zweiten Quartal in der europäischen Schuldenkrise zu spüren. Durch die Zurückhaltung verdienen die Banken auch dann weniger, wenn sie sich selbst gar nicht "verzockt" haben. Gehen Banken auf eigene Rechnung ins Risiko, müssen sie Verluste durch die Marktbewegungen fürchten.

Direkte Einbußen durch die Herabstufung der Bonitätsnote der USA droht den Banken hingegen derzeit nicht. Das Land hat noch immer ein sehr gutes Rating – Abschreibungsbedarf auf US-Staatsanleihen ergibt sich also noch lange nicht. Das wäre erst dann der Fall, wenn ernsthafte Gefahr bestünde, dass die USA ihre Schulden nicht mehr bedienen können. Doch zwischen einem solchen Szenario und dem derzeitigen Rating ist noch reichlich Spielraum.

Allerdings könnten die Refinanzierungskosten für US-Banken steigen. Denn die Risikoprämien der Bankanleihen entwickeln sich bereits seit einiger Zeit ganz ähnlich wie jene der Staatsanleihen in dem jeweiligen Land.

Auch der Interbankenmarkt reagierte nervös auf die neue Situation. Wenn sich Banken gegenseitig Geld leihen, so verlangen sie Sicherheiten – und auch US-Staatsanleihen werden für diesen Zweck verwendet. Je besser die Bonität eines Emittenten ist, desto besser sind diese Papiere dafür geeignet. Massive Herabstufungen können dazu führen, dass weitere Sicherheiten nachgeschossen werden müssen.

Noch sehen Analysten die Gefahr als gering an, dass der Interbankenmarkt ins Stocken kommen könnte. Doch deutlicher Stress ist durchaus zu beobachten. Der Tedspread ist eine Art Fieberkurve des Interbankenmarktes: Er zeigt den Zinssatz, zu dem sich Banken gegenseitig Geld leihen. Er stieg an diesem Montag auf ein neues Hoch – von seinem Rekord im Jahr 2008 ist er allerdings noch weit entfernt.

Leiden könnten unter der neuen Entwicklung die Schweizer Banken: Sie verdienen großteils in Dollar, die Kosten schlagen aber vornehmlich in Franken zu Buche. Steigt der Franken gegenüber dem Dollar weiter, stehen sie unter Druck. Auf positive Effekte können Banken nach Analystenmeinung in Italien und Spanien hoffen: Ihnen hilft, dass die EZB den Ankauf weiterer Staatsanleihen beschlossen hat. Zudem stehen sie vorübergehend nicht ganz so sehr im Fokus des Interesses. Das könnte ihnen eine willkommene Atempause verschaffen.