Führungswechsel

Ehemaliger Karstadt-Chef soll Praktiker sanieren

Thomas Fox war als Karstadt-Chef für seine rustikale Gangart bekannt. Nun soll er die schwer angeschlagene Baumarktkette Praktiker retten.

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Diesen Namen werden Praktiker-Mitarbeiter in den vergangenen Tagen zu Tausenden durch die Suchmaschinen gejagt haben: Thomas Fox. Seit am Freitag die Gerüchte auftauchten, der für seine rustikale Gangart bekannte frühere Karstadt-Chef, solle die angeschlagene Baumarktkette retten , wollen die Praktiker wissen, was – und wer – da auf sie zukommt.

Die Börse freut sich auf den Macher Fox: Der Kurs der Praktiker-Aktie stieg nach Wochen des Absturzes am Freitag gleich zweistellig, als die Gerüchte aufkamen, mit Fox sei der neue Chef gefunden. Gestern nun berief der Aufsichtsrat Fox mit Wirkung ab dem 1. Oktober zum Vorstandsvorsitzenden.

Ab sofort wird zudem Fox-Buddy Josef Schultheis (46) Vorstandsmitglied – „für die anstehenden Restrukturierungsaufgaben“. Bis Fox sein Chefbüro im saarländischen Kirkel bezieht, wird Schultheis – mit dem Fox schon bei Karstadt zusammengearbeitet hatte – das Unternehmen leiten. Damit ist zumindest zunächst die Nachfolge das langjährigen Oberpraktikers Wolfgang Werner geregelt, dem viele eine Mitschuld am Niedergang des Unternehmens anlasten.

Er habe es nicht geschafft, Kundschaft und Anlegern nach dem Ende der 20-Prozent-Rabattaktionen etwas Neues zu präsentieren – oder er habe Dauer und Komplexität des Neustarts verharmlost, ist im Umfeld zu hören. Werner hatte nach dem Sturz in die tiefe Verlustzone und der Erosion des Firmenwertes angekündigt, zurückzutreten, sobald ein Nachfolger ins Haus komme.

"Notarzt, kein Schönheitschirurg"

Ob Aufsichtsratschef Kersten von Schenck damit allerdings eine Dauerlösung gefunden hat, ist fraglich. Denn der 54-jährige Westfale Fox ist als Gesellschafter der Berliner Beratungsgesellschaft Modalis ein Manager für die ganz schwierigen Fälle auf Zeit: Er fliegt ein, wenn andere Manager mangels Erfolg rausgeflogen sind.

Die meisten seiner jüngsten Mandate – eine Sparte des Möbelherstellers Schieder, die Drogeriemarktkette Ihr Platz oder den Warenhauskonzern Karstadt – hatte er in der Insolvenz übernommen und nach ein paar Monaten des handfesten Anpackens und Aufräumens wieder verlassen – zumeist in deutlich besserem Zustand, als er sie übernommen hatte.

Dass er nicht gerade zimperlich mit seiner Umgebung umgeht, ist bekannt. Fox soll – um seine Ruf als Rustikalmanager wissend – bei seinem letzten großen Job Karstadt die Mitarbeiter mit den Worten begrüßt haben: „Ich freue mich, Sie zu sehen. Aber ich weiß, dass diese Freude absolut einseitig ist.“

Der raue Ton des Thomas Fox indes bereitet den meisten Mitarbeitern kaum Sorge, sie sind schließlich an einiges gewöhnt. „Der wird bei uns erst mal feststellen, was raubeiniger Umgang ist“, sagt ein Mitarbeiter. Der bisherige Chef Wolfgang Werner war schließlich auch nicht dafür bekannt, dass er Dinge stundenlang auszudiskutieren pflegte.

Für Unsicherheit sorgt eher die Befürchtung, dass Fox schnell dauerhaft unrentable Läden schließen könnte – mit fatalen Folgen für die Jobs. Doch das ist bei Praktiker nicht so einfach wie bei seinen bisherigen Auftraggebern, die sich in der Insolvenz befanden: Dort hatte er ein außerordentliches Kündigungsrecht für die Häuser – bei Praktiker hat er es nicht.

Der Mann sieht sich nach eigenen Worten als „Notarzt und nicht als Schönheitschirurg“ – so gesehen passt er hervorragend in die Kettensägenbranche. Besonders gerne durchtrennt er Seilschaften, die Existenz gefährdete Unternehmen am Neustart hindern. Diese Fähigkeit könnte auch bei Praktiker durchaus gefragt sein – und einen Exodus von Managern zur Folge haben. Bei Karstadt jedenfalls war es so.

Pratiker schafft "20-Prozent-auf-alles-Aktionen" ab

Viele Mitglieder der alten Garde verließen das Haus. Und auch jetzt bei Praktiker gibt es Führungskräfte, die sich den Neuen erst einmal genau anschauen wollen, bevor sie über ihre eigene Zukunft im Hause entscheiden wollen. Denn bisher war Fox meist zu einer Zeit ins Unternehmen gekommen, als generelles Umsteuern dringend überfällig war.

Bei Praktiker allerdings sind schon deutlich mehr Weichen für eine erfolgreichere Zukunft gestellt worden, als das zum Zeitpunkt von Fox' Einstieg bei Karstadt der Fall war. Es sei nur noch nicht beim Kunden und beim Anleger angekommen, heißt es. So stellt Praktiker den niedrigen Preis nicht mehr als alleiniges Kundenlockmittel in den Vordergrund, hat seine 20-Prozent-auf-alles-Aktionen abgeschafft.

Denn durch sie definierten die Kunden Praktiker allein durch die Eigenschaft „billig“ – und auch das nur während der Aktionswochen. Jetzt soll etwa die Beratung verbessert werden: Einen Grüßonkel am Eingang fragt die Kunden inzwischen beim Betreten des Marktes nach ihrem Begehr. Die Zahl der Produkte wurde noch unter Werner deutlich reduziert, was den Einkauf übersichtlicher macht und vor allem Kosten spart.

Das alles war seit vielen Jahren notwendig, wurde aber erst Anfang dieses Jahres auf die Schiene gesetzt worden. „Was wir jetzt gerade nicht gebrauchen können, ist ein Chef, der das alles wieder zurückdreht und der seine Standardschablone über unser Unternehmen stülpt“, sagt eine Führungskraft aus der Zentrale, „wir sind ja schon auf gutem Weg, wir brauchen nur noch etwas Zeit. Wenn er uns die verschaffen kann, ist Herr Fox sehr willkommen“.

Fox müsse das bereits gestartete Konzept konsequent durchziehen. „In den vergangenen Jahren hatten wir das Problem, dass wir beim geringsten Gegenwind nach ein paar Monaten die Strategie wieder umgeworfen haben. Das war fatal“, heißt es in Kirkel. Gerade Zickzack-Strategien allerdings hat Fox bisher kaum jemand vorgeworfen.