Drohende Insolvenz

Solon will ein Drittel der Jobs streichen

Ein internes Papier zeigt, wie dramatisch die Lage beim Berliner Solarhersteller Solon ist. Bis Ende des Jahres soll die Belegschaft um rund ein Drittel schrumpfen. Betroffen ist auch der Standort in Adlershof.

Der Slogan hat Solon viel Spott eingebracht, nun ist er verschwunden. Noch bis vor wenigen Tagen schmückte Berlins größter Solarhersteller seinen Firmennamen mit dem Motto „Don’t leave the planet to the stupid“ („Überlass’ den Planeten nicht den Blöden“). Wenn man, wie Solon, gerade mit aller Macht versucht, die Insolvenz abzuwenden, wirkt so ein Spruch nur dünkelhaft. Also verzichtet Vorstandschef Stefan Säuberlich auf diesen Teil der Erbmasse. Seit anderthalb Jahren ist Säuberlich dabei, Solon zu sanieren. Der Verzicht auf den anmaßenden Spruch ist noch der leichteste Teil der Übung, Solon das Überleben zu sichern.

Wie ernst die Lage beim Adlershofer Solarhersteller wirklich ist und welch einschneidende Maßnahmen Solon erwägt, zeigt ein Papier, das Morgenpost Online vorliegt. Demnach soll die Belegschaft bis Ende des Jahres um rund ein Drittel schrumpfen. Gleichzeitig sorgt die erhebliche Verschuldung dafür, dass Solon sich kaum frei schwimmen kann. „Jetziges Finanzierungskonzept zu eng für die Sanierung“, heißt es in dem Papier, das auf einem Gläubigertreffen vom Management präsentiert wurde. Gleichzeitig sorgt die erhebliche Verschuldung dafür, dass Solon sich kaum frei schwimmen kann.

Deswegen sollen in diesem Jahr 265 der aktuell 821 Mitarbeiter das Unternehmen verlassen. So sehen es zumindest die Planungen vor. Das Unternehmen verwies in einer Stellungnahme darauf, dass es sich um Pläne handelt: „Wir werden Arbeitsplätze reduzieren und haben dies auch unseren Mitarbeitern angekündigt. Über die konkrete Ausgestaltung werden wir aber erst informieren, sobald die Gespräche mit den Belegschaftsvertretern und den betroffenen Angestellten geführt wurden. Mit anderen Worten: Ob wirklich in diesem Umfang Leute gehen müssen, wird noch verhandelt. Die meisten Arbeitsplätze stehen dabei im Ausland auf der Kippe. Solon betreibt in den USA und Italien zwei Werke. Den Plänen zufolge sollen aber auch 77 Stellen in Deutschland abgebaut, die meisten davon in Berlin. In der Adlershofer Zentrale sollen insgesamt 61 Arbeitsplätze wegfallen. Derzeit wird mit dem Betriebsrat verhandelt.

Ausgenommen von den Abbauplänen ist lediglich die kleine Produktionsstätte in Berlin. Auch deren Schließung wurde erwogen, dann aber fallen gelassen. „Schließung der Produktion in Berlin nicht vorgesehen, um Bürgschaftsverlängerungen nicht zu gefährden“, heißt es in dem Papier.

Solon versucht derzeit einen fast unmöglichen Kraftakt zu stemmen: Die starke Konkurrenz asiatischer Anbieter verlangt nach einem neuen Geschäftsmodell. Gleichzeitig muss das Unternehmen Kosten sparen und deutlich schrumpfen. Vor allem aber müssen die Banken besänftigt werden. Das Unternehmen ist mit mehr als 400 Millionen Euro verschuldet. Ende des Jahres läuft eine Kreditlinie von 275 Millionen Euro aus, für die der Bund und die Länder Berlin und Mecklenburg-Vorpommern teilweise bürgen. Bis zum Jahresende will Solon eine Einigung mit Gläubigern und Bürgen erzielt haben.

Dazu muss das Unternehmen darlegen, wie es in Zukunft bestehen will. Solon wirbt mit einem überaus harten Sparprogramm. In dem Papier ist die Rede von einem deutlichen „Zurechtstutzen von Strukturen und Kosten“. 70 Millionen Euro sollen eingespart werde, beispielsweise durch den Personalabbau aber auch durch besseren Materialeinkauf.

Wie fast alle deutschen Solarunternehmen leidet Solon unter starker Konkurrenz von Unternehmen aus Asien. Mit deren Kosten können die Deutschen nicht konkurrieren. Lange Jahre profitierte die Branche von der staatlichen Subventionierung in Form des Erneuerbaren Energien Gesetz (EEG). Dieses garantiert den Betreibern von Fotovoltaikanlagen eine Abnahme des produzierten Stroms zu einem festen Preis. Diese Einspeisevergütung wurde in mehreren Schritten abgesenkt und das setzt die Hersteller unter Druck, die Kosten für die Herstellung der Solarmodule zu senken. Das wiederum gelingt Asiaten und auch Amerikanern deutlich besser und hat die deutschen Unternehmen in die Bredouille gebracht. Solon nimmt daher Abschied von der Massenfertigung und will sich als Spezialist für Industriedächer und Sonnenkraftwerke am Markt halten. Vorausgesetzt, die Einigung mit den Banken gelingt und der Sparplan greift, dann soll im Jahr 2015 die Gewinnschwelle erreicht werden.

Doch bis dahin muss ein regelrechter Berg an Problemen bewältigt werden. Dazu zählt auch, dass sich Solon mit Beteiligungen an anderen Firmen und eigenen Solarkraftwerken übernommen hat. Daraus resultieren den Unterlagen zufolge Risiken von mehr als 100 Millionen Euro. So wird beispielsweise die Beteiligung am US-Unternehmen Global Solar Energy als riskant eingestuft. An der Firma ist Solon mit 19 Prozent beteiligt. Zudem hat Solon der US-Firma einen Kredit in Höhe von 26,5 Millionen Euro gewährt. Ähnlich „risikobehaftet“ bewertet das Unternehmen einen Kredit an die Firma I-Sol. Diese gehört Solon-Mitbegründer und Aufsichtsrat-Mitglied Alexander Voigt. Hinzu kommen Solarkraftwerke, die Solon in eigener Regie errichtet hat und für die – anders als geplant – bislang keine Käufer gefunden wurden.

Solon hat in den vergangene Jahren in großem Umfang Fördermittel des Landes Berlin erhalten. Laut Unternehmen flossen für den Neubau der Adlershofer Zentrale rund zehn Millionen Euro. Zudem unterstützte das Land Mecklenburg-Vorpommern die Produktion in Greifswald mit Subventionen. An der Fertigungsstätte dort ist Solon jedoch nicht mehr beteiligt. Die Anteile wurden im April 2011 verkauft.