Pure Hilflosigkeit

Zentralbanken können die Schuldenkrise nicht lösen

Gegen die Krise hilft nur noch Sparen. Konjunkturprogramme können sich die Industriestaaten des Westens ohnehin kaum noch leisten.

War da was? Wer sich Mittwoch bis zum Mittag die Entwicklung an der Börse anschaute, den musste das Gefühl beschleichen, er sei aus einem schlechten Traum erwacht. Der Dow-Jones-Index hatte in der Nacht zu Mittwoch im Plus geschlossen. Der Nikkei ebenfalls. Und der Dax, so etwas wie der Seismograf der Befindlichkeit in der deutschen Finanzwirtschaft, sah auch wieder schwarze Zahlen. Bei manchem stellt sich plötzlich die Hoffnung ein, die Krise sei vorbei.

Zu verdanken war dieses Zwischenhoch der US-Notenbank Fed. Amerikas Währungshüter – ohnehin weniger an stabilen Preisen als an einer prosperierenden Wirtschaft orientiert – versprachen den Investoren und Unternehmen in den USA, dass sie die Zinsen in den kommenden zwei Jahren auf dem jetzigen, niedrigen Niveau halten würden. Und zumindest im ersten Moment klang das wie eine recht clevere Entscheidung: Die Fed tat etwas, was sie trotz aller Ankündigungen jederzeit rückgängig machen kann – jedenfalls mit einer guten Begründung. Gleichzeitig hielt sich Ben Bernankes Truppe damit den letzten Rest Pulver in dieser verzweifelten Lage trocken, in dem die Zentralbank noch nicht wieder mit dem Aufkauf von US-Staatsanleihen begann.

Einbruch nach dem Zwischenhoch

Unglücklicherweise war die Wirkung dieser Beruhigungspille von kurzer Dauer. Schnell haben die Investoren erkannt, dass sich mit dieser Medizin weder die Probleme der US-Konjunktur, noch die der Welt-Wirtschaft lösen lassen. Der scharfe Einbruch des Dow zur Eröffnung am gleichen Nachmittag und in der Folge des Dax zeigten das. Die Krise war mit aller Macht auch an den Kurstafeln der Börsen zurück. Und sie wird uns vermutlich noch eine ganze Reihe von Jahren in Atem halten.

Der Grund: Amerikas Probleme sind nicht zu hohe Zentralbankzinsen. Amerikas Problem ist die überbordend hohe Staatsverschuldung und eine zerstrittene politische Führung. Wie die Europäer haben die Amerikaner jahrelang weit über ihre Verhältnisse gelebt. Und wie die Europäer sind sie sich nicht einig, wie sie der Schuldenberge Herr werden sollen. Die Budgets stecken fast in der gesamten westlichen Welt tief in den roten Zahlen. Selbst bei einigermaßen gutem Wirtschaftswachstum würde es Jahre dauern, um sich da herauszuarbeiten.

Vor dem Hintergrund flauer Konjunkturaussichten in Amerika und Teilen Europas aber wird das ein zäher Kampf. Konjunkturprogramme können sich die Industriestaaten des Westens ohnehin kaum noch leisten. Und die nötigen Sparprogramme werden die Wirtschaft zusätzlich belasten. Fed und EZB können versuchen, die Schmerzen in diesem Anpassungsprozess mit niedrigen Zinsen zu lindern – immer um den Preis drohender Inflationsgefahren. Heilen aber können sie die europäische Schuldenkrankheit mit ihren Mitteln nicht.