Turbulenzen

Dax geht weiter auf Talfahrt

Gerüchte um eine Herabstufung der französischen Kreditwürdigkeit schockten am Mittwoch die Märkte. Wieder zog es die Börsenbarometer in die Tiefe. Auch ein schnelles Dementi der Franzosen konnte den Trend nicht kippen.

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Nach einem einigermaßen stabilen Tagesverlauf stürzte der Dax am Nachmittag wieder ab.

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Der deutsche Aktienmarkt hat am Mittwoch seinen Erholungskurs abgebrochen und die Talfahrt fortgesetzt. Gerüchte über eine Abstufung der Kreditwürdigkeit von Frankreich waren Händlern zufolge der Auslöser in dem allgemein extrem nervösen Marktumfeld. Nachdem der Dax am Morgen noch bis auf 6089 Punkte gestiegen war, brach er am späten Nachmittag wieder um mehr als 500 Punkte ein. Mit einem Minus von 5,13 Prozent auf 5613,42 Punkte ging er aus dem Handel. Sein am Dienstag erreichtes 18-Monatstief bei 5503 Punkten wurde nicht unterboten. Der MDax verlor 2,86 Prozent auf 8532,70 Punkte und der TecDax büßte 1,52 Prozent auf 690,32 Punkte ein.

„Es machten Gerüchte die Runde über eine mögliche Rating-Abstufung von französischen Staatsanleihen“, begründete Händler Andreas Lipkow von der Wertpapierhandelsbank MWB Fairtrade die Verluste. Diese Gerüchte erwiesen sich jedoch als haltlos, wie sich später herausstellte. Weitere Händler hatten ebenfalls das Gerücht über Abstufungen französischer Anleihen gehört und verwiesen zudem noch auf ein zweites: „Angeblich soll zudem eine französische Großbank Liquiditätsprobleme haben“, meinte einer unter ihnen.

So gingen auch die Börsen in ganz Europa erneut auf Talfahrt: Der EuroStoxx 50 brach um weitere 6,12 Prozent auf 2153,77 Punkte ein und auch die Börsen in Paris und London standen tief im Minus. In den USA büßte der Dow Jones zum europäischen Handelsschluss rund drei Prozent ein und auch die anderen wichtigen US-Indizes gaben zwischen zwei und drei Prozent nach.

Einzelnachrichten und Quartalsbilanzen rückten erneut in den Hintergrund. Die Vorzugsaktien des Kosumgüterherstellers Henkel, die nach Zahlenvorlage zeitweise noch um mehr als sieben Prozent zugelegt hatten, retteten schließlich noch ein Plus von 2,67 Prozent auf 42,670 Euro.

Die Eon-Aktien dagegen brachen nach Zahlen um 10,98 Prozent auf 13,820 Euro ein. Der Versorger hatte nach einem kräftigen Gewinnrückgang im ersten Halbjahr wegen des Atomausstiegs seine Jahresprognose und die Dividende gekürzt. Zudem prüft der Düsseldorfer Konzern den Abbau von 11 000 Stellen.

Die Aktien der Commerzbank büßten 7,73 Prozent auf 1,969 Euro ein, dicht gefolgt von denen der Deutschen Bank, die um 7,42 Prozent nachgaben. Die Commerzbank hatte am Morgen einen kräftigen Gewinneinbruch im zweiten Quartal gemeldet und zeigte sich wegen der Marktturbulenzen skeptisch über ihre Jahresziele.

Im MDax brachen die Papiere des Stahlhändlers Klöckner & Co nach schwachen Zahlen um 25,93 Prozent auf 9,592 Euro ein. Q-Cells gingen im TecDax nach Zahlen mit minus 17,72 Prozent auf 0,766 Euro auf Talfahrt. Auch das angeschlagene Solarunternehmen hatte nach einem schwachen Geschäftsverlauf einen Personalabbau beschlossen.

Am Rentenmarkt stieg die durchschnittliche Rendite der börsennotierten Bundeswertpapiere auf 2,09 (Vortag: 2,07) Prozent. Der Rentenindex Rex rückte um 0,09 Prozent auf 127,91 Punkte vor. Der Bund Future gewann kräftige 1,45 Prozent auf 134,33 Punkte. Der Kurs des Euro fiel bis zum Abend wieder deutlich unter 1,43 US-Dollar und pendelte zuletzt um die Marke von 1,42 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Nachmittag noch auf 1,4367 (Dienstag: 1,4267) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,6960 (Dienstag: 0,7009) Euro.