Mitmachfernsehen

Früherer RTL-Boss Thoma plant Volks-TV

Spielfilme, Serien und "Edutainment"-Programm: Mit Volks-TV will Ex-RTL-Chef Helmut Thoma Regionalsendern neue Einnahmen bescheren.

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Der frühere RTL-Chef Helmut Thoma bringt sich zurück ins Fernsehgeschäft. Zum Jahresende startet sein neuer Sender Volks-TV, der Sendungen produziert, die bei regionalen Fernsehstationen laufen sollen. „Volks-TV wird kein gesellschaftsrechtlicher Verbund, die Regionalsender bleiben unabhängig und behalten ihre Sendelizenzen“, sagt Mathias Adler, Geschäftsführer von tv.berlin. Volks-TV wird ihnen vielmehr ganze Programmstrecken zur Ausstrahlung anbieten. „Das ist inhaltlich spannend und könnte den Regionalsendern zusätzliche Erlöse bringen“, sagt Adler.

Thoma ist über sein Unternehmen TT-Studios zu 50 Prozent an Volks-TV beteiligt, die andere Hälfte hält Helmut Keiser mit seiner Infobonn Holding, zu der anteilig wiederum die Regionalsender NRW TV und DFA Regional Baden-Württemberg gehören. Zum inneren Kreis der möglichen Kunden gehören außerdem tv.berlin und Hamburg 1.

Finanziert durch Sponsoren und Werbekunden

Noch ist Volks-TV nicht gegründet, die Medienaufsicht KEK sowie die Landesmedienanstalten haben die Lizenz aber erteilt. Verbreitet wird das frei empfangbare Programm hauptsächlich digital über Satellit in anfangs etwa elf Millionen Haushalte. Sponsoren und Werbekunden sollen es finanzieren.

Vor allem wirtschaftlich dürfte das Projekt für die Sender interessant sein. Derzeit buchen zumeist regionale Werbekunden Spots in ihren Programmen, von der nationalen Werbevermarktung sind sie weitgehend ausgeschlossen. „Das Problem bleibt allerdings bestehen, solange die Regionalsender ihre Reichweite nicht von der GfK messen lassen“, sagt Henning Wegemer, Direktor TV bei der Mediaagentur OMD. Nur mit diesen Daten wissen die Werbekunden, wie viele Zuschauer ihre Werbespots sehen könnten. Eine GfK-Lizenz ist für Regionalsender aber zu teuer.

Frühere Anläufe, eine gemeinsame Vermarktungsorganisation aufzubauen, sind gescheitert. Das neue Projekt hat jedoch einen Vorteil: „Mit Volks-TV werden die Werbekunden sicher sein können, dass ihre Spots auf vielen Kanälen zur gleichen Zeit in den gleichen Formaten laufen“, sagt Adler.

Spielesendung "Giga" als Vorbild

Zu den Formaten dürften neben TV-Serien oder Spielfilmen vor allem „Edutainment“-Sendungen gehören. Mit dem Schwerpunkt auf Bildung und Unterhaltung hat sich Volks-TV zumindest um die Lizenz beworben – und sie auch dafür erhalten. Zudem sind interaktive Shows geplant. „Interessant dürfte sein, wie Volks-TV Internet und Fernsehen verbinden will. Das Konzept ließe sich dann auch wieder auf regionale Inhalte abstimmen“, sagt Adler.

So ließen sich zum Beispiel in die Live-Übertragung des Berlin-Marathons Erlebnisse der Zuschauer von der Strecke einbauen. Tatsächlich will Volks-TV sein Programm außer über Satellit noch über Plattformen im Internet, Smartphones und Tablet-Computer ausstrahlen.

Vorbild für die Interaktion mit dem Zuschauer liefert die Spielesendung „Giga“, bei der sich die Zuschauer per E-Mail und Chat beteiligten. Einen, der weiß, wie das abläuft, hat Volks-TV im eigenen Haus: Als Geschäftsführer von NBC Europe hat Mitgründer Keiser Giga schließlich erfunden.