Turbulenzen

Börsen berappeln sich, Dax über 6000 Punkte

An der Börse flauen die Angstzustände allmählich ab: Der Dax ist wieder deutlich im Plus, nachdem die US-Märkte zugelegt hatten - und die US-Notenbank ein Versprechen gemacht hatte.

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Der deutsche Leitindex startete mit einem Plus in den Handel. Die guten Vorgaben aus den USA und Asien halfen am Mittwoch morgen.

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Mit dem Versprechen niedrigster Leitzinsen für zwei Jahre hat die US-Notenbank Fed die hochnervösen Märkte erst einmal beruhigt. Bis Mitte 2013 sollen die Zinsen auf „äußerst niedrigem Niveau“ bleiben, wie die Federal Reserve am Dienstagabend ankündigte – ein gewaltiger Schlussspurt an der Wall Street bis auf plus 4 Prozent war die Folge – und Kurserholungen an den Börsen weltweit.

Der deutsche Leitindex Dax, der in den vergangenen zehn Handelstagen insgesamt rund 20 Prozent eingebüßt hatte, stieg am Mittwoch bis zum Mittag um 2,3 Prozent auf 6049 Punkte. Der EuroStoxx50 zog um 0,6 Prozent auf 2309 Zähler an. Der MDax gewann zuletzt 4,60 Prozent auf 9188 Punkte und der TecDax stieg um 5,90 Prozent auf 743 Punkte. Die kräftig gestiegenen Kurse in den USA treiben und die positiv aufgenommenen Kommentare von Fed-Chef Ben Bernanke trieben den Dax kräftig an.

Gold bleibt teuer, Rohstoffpreise sinken

Allerdings: Das Misstrauen in die Entwicklung der Weltwirtschaft hält bislang den Goldpreis hoch. Auch Bundesanleihen waren weiterhin gefragt.

„Das ist nur eine Erleichterungsrally“, betonte Analystin Louise Cooper vom Brokerhaus BGC Partners. „Die Märkte sind so stark heruntergeprügelt worden, dass jede gute Nachricht als Grund für eine Rally herhält.“ Für den in der Schweiz ansässigen Hedgefonds-Manager Trung-Tin Nguyen könnte die Stimmung schnell wieder kippen. „Kurzfristig orientierte Anleger und Hedgefonds verkaufen bereits in die Erholung hinein.“ Zumal sich die US-Notenbanker tief besorgt über die Lage der US-Wirtschaft geäußert hatten: Das Wachstum sei dieses Jahr „erheblich langsamer“ ausgefallen als erwartet, die Arbeitslosigkeit gestiegen.

Aber die Aussicht auf einen anhaltenden Strom billigen Geldes aus den USA sorgte an den Rohstoff-Märkten für Entspannung. Die Preise für die beiden Rohöl-Sorten Brent und WTI stiegen um jeweils etwa 3,5 Prozent. Das wichtige Industriemetall Kupfer kostete 1,3 Prozent mehr als am Vortag.

Dank steigender Gewinne setzten sich im Dax Henkel mit einem Plus von 7,6 Prozent auf 44,72 Euro an die Spitze. Commerzbank legten trotz hoher Abschreibungen auf griechische Staatsanleihen 3,3 Prozent auf 2,20 Euro zu. Rechne man diesen Faktor heraus, seien die Zahlen besser als erwartet ausgefallen, betonte DZ-Bank-Analyst Matthias Dürr in einem Kommentar.

Zu den wenigen Verlierern zählten die beiden Versorger E.on und RWE, deren Aktien sich um jeweils etwa 0,5 Prozent auf 15,49 beziehungsweise 28,56 Euro verbilligten. Die Zahlen von E.on enttäuschten und auch die Dividendenkürzung falle deutlicher aus als angenommen, monierte Citi-Analystin Sofia Savvantidou. Nach dem ersten Quartalsverlust in der Firmengeschichte prüft E.ON den Abbau von bis zu 11.000 der 79.000 Arbeitsplätze.

Unter Verkaufsdruck standen auch die italienischen Banken. Unicredit, Intesa Sanpaolo & Co. verloren jeweils etwa drei Prozent. Händlern zufolge zogen sich Anleger aus diesen Werten zurück und schichteten ihr Geld in italienische Staatsanleihen um. Deren Kurse zogen ebenso wie diejenigen der spanischen Bonds an. Wie bereits in den vergangenen Tagen spekulierten Börsianer, dass auch die EZB die Papiere dieser beiden hoch verschuldeten Euro-Staaten aufkauft. Entsprechend steigen die Kurse.

Auch Asiens Börsen legen zu

Der japanische Aktienmarkt legte beflügelt von der Wall-Street-Rallye deutlich zu. Der Leitindex Nikkei stieg zum Handelsschluss um 94,26 Punkte oder 1,05 Prozent auf 9 038,74 Zähler. Der breitere Topix-Index gewann 0,82 Prozent auf 776,73 Punkte. Damit stoppten die Händler den kräftigen Abwärtstrend der vergangenen Tage - von Freitag bis Dienstag hatte der Nikkei 7,4 Prozent verloren.

In Tokio stiegen Papiere exportorientierter Unternehmen am Nachmittag nicht mehr stärker, weil der Dollar unter 77 Yen fiel. Damit liegt die US-Währung nicht mehr weit von ihrem Allzeit-Tief vom 17. März entfernt, damals war sie auf 76,25 Yen gesunken. Ein teurer Yen ist ungünstig für die japanische Exportwirtschaft.

Auch der südkoreanische Index Kospi, der noch am Dienstag um fast zehn Prozent abgestürzt war, legte um 0,3 Prozent auf 1.806,24 Punkte zu. Der wichtigste australische Index S&P/ASX 200 schloss nach einem Plus von 2,4 Prozent. Der Shanghai Composite legte um 0,9 Prozent auf 2.549,18 Punkte zu und auch die Börsen in Taiwan sowie Indien verzeichneten Gewinne.

Der Dollar verbilligte sich auf 76,89-90 Yen nach 77,30-32 Yen am späten Vortag. Der Euro notierte zum Yen mit 110,21-24 Yen nach 109,82-83 Yen am späten Vortag. Zum Dollar lag er fester bei 1,4334-36 Dollar nach 1,4204-07 Dollar zuvor.