Analysteneinschätzung

"Frankreich ist das schlechteste der AAA-Länder"

Die Anzeichen mehren sich, dass Frankreich als nächstes großes Industrieland das Top-Rating verlieren könnte. Die Regierung in Paris stemmt sich mit Gewalt dagegen.

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Die von Nicolas Sarkozy geführte Regierung hat eine strenge Haushaltsdisziplin versprochen, um die Bestnote AAA für die Kreditwürdigkeit des Landes zu behalten. Haushaltsministerin Valerie Pecresse sagte zu RTL, Frankreich sei auf dem richtigen Weg. „Um es (das AAA-Rating) zu behalten, müssen wir die Kontrollmechanismen für das Budget im Auge behalten“, sagte die Ministerin. Frankreich habe sein Defizit kontinuierlich reduziert und werde dies auch weiterhin tun, sagte sie.

Ökonom Ansgar Belke vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) befürchtet das Auseinanderbrechen der Euro-Zone, falls auch Frankreich sein Top-Rating verliert. Grund dafür sei die Bedeutung des Landes für den Euro-Rettungsfonds EFSF, sagte der Forschungsdirektor für Internationale Makroökonomie am DIW dem „Handelsblatt Online“.

Sinke das Rating auf „AA“ ab, bleibe Frankreich entweder aus Angst um seinen Ruf im EFSF und erschwere so die Finanzierung. Oder Paris verlasse den Fonds, wodurch andere Länder stärker belastet würden. „Beides lässt die Märkte zunehmend an der Nachhaltigkeit der Euro-Zone zweifeln“, sagte Belke.

In der Euro-Zone tragen außer Frankreich nur Deutschland, Österreich, den Niederlanden, Finnland und Luxemburg das Ehrenzeichen AAA. In der Kette der als ausgezeichnete Schuldner eingestuften Länder gilt Frankreich aber als schwächstes Glied. Das ist auch den Finanzmärkten nicht entgangen. So hat sich noch vor dem Euro-Krisengipfel zu Griechenland im Juli der Risikoaufschlag auf französische Staatsanleihen innerhalb von Wochen mehr als verdoppelt.

Das ist ein Hinweis darauf, dass den Investoren Zweifel gekommen sind, ob Frankreich weiter ein sicherer Hafen für Geldanlagen ist. „Wir stehen am Abgrund, wir sind das schlechteste der AAA-Länder“, beschreibt Philippe Delienne von Convictions Asset Management die Lage. „Frankreich muss sich wirklich anstrengen, wenn es seine Position halten will.“

Die drei großen Rating-Agenturen haben Frankreichs Bonitätsnoten in den vergangenen Monaten zwar bestätigt. Die Agentur Standard & Poor's warnte die zweitgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone aber jüngst, dass das Spitzenrating bei mangelndem Reformeifer langfristig in Gefahr geraten könnte.

S&P riet der Regierung in Paris, den Rotstift insbesondere im Gesundheitswesen und im Rentensektor anzusetzen. Sarkozy hat bereits im vorigen Jahr eine unpopuläre Rentenreform eingeleitet. Angelehnt an das deutsche Modell der Schuldenbremse soll in der französischen Verfassung zudem ein Passus eingefügt werden, der künftige Regierungen zur Festlegung von Zielen für einen ausgeglichenen Haushalt verpflichtet.

An den Märkten wird aber davon ausgegangen, dass die USA nicht das einzige Land bleiben werden, dem die Bestnote entzogen wird . „Es ist kaum vorstellbar, dass S&P nicht auch noch mindestens ein weiteres Mitglied des immer kleiner werdenden Klubs von Ländern mit AAA-Rating herabstuft“, sagt Pimco-Chef Mohamed El-Erian. „Wenn das beispielsweise einen Staat wie Frankreich trifft, dann droht das die ohnehin fragilen europäischen Bemühungen noch schwieriger zu machen.“ Der Mann hat recht - schließlich gehört das EU-Gründungsmitglied Frankreich zu den Staaten, die für das Funktionieren des Euro-Rettungsfonds EFSF einstehen.