Finanzkrise

Aktienmärkte stürzen ab – Dax verliert deutlich

Der Dax ist wieder im Minus - und das deutlich, die Negativ-Serie hält nun den zehnten Tag in Folge an. Anleger rund um den Globus verlieren Milliarden. Und die Anleger flüchten in das, was ihnen einzig Sicherheit zu versprechen scheint: Gold.

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Nach einem kurzen Zwischenhoch am Dienstagmorgen weitet der Dax die Verluste weiter aus. Zeitweise fiel er um mehr als sieben Prozent.

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An den weltweiten Börsen geht es weiter bergab: Nach einem zunächst moderaten Start musste der deutsche Leitindex Dax am Dienstag zeitweise einen Verlust von mehr als sieben Prozent hinnehmen. Später erholte er sich wieder etwas. Rund eineinhalb Stunden nach Börsenstart stand der Dax mit 6,37 Prozent bei 5546 Punkten im Minus – Tag zehn der Negativserie. Gegen Mittag stand er dann noch 5,3 Prozent im Minus bei 5613 Punkten.

Ein ähnliches Bild zeigte sich am Handelsplatz in London: Nach einem Start mit 0,55 Prozent im Minus berappelte sich der FTSE-100-Index und drehte leicht ins Plus, danach verlor er bis Mittag rund 2,5 Prozent. Die Börse in Madrid startete kurzzeitig mit einem Plus von 1,1 Prozent, dann verlor der Leitindex Ibex-35 aber bis Mittag 2,8 Prozent.

Auch an den Börsen in Paris und Mailand legten die Indizes zum Handelsstart leicht zu. Der französische CAC-40 gewann 1,2 Prozent, in Mailand legte der Leitindex FTSE Mib sogar um 2,4 Prozent zu. Gegen Mittag stand aber auch der Pariser Handelsplatz mit 2,6 Prozent im Minus, die Börse in Mailand notierte 2,4 Prozent niedriger.

Die Märkte befänden sich wegen der derzeitigen Turbulenzen in der schlimmsten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg, sagte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet in einem Radiointerview.

Zu Handelsbeginn hatte der Dax zwar kurz den Sprung über die Marke von 6000 Punkten geschafft, anschließend aber drehte er wieder deutlich ins Minus. Auch für die Nebenwerte ging es weiter steil nach unten: Der MDax mittlerer Werte sackte um 5,44 Prozent auf 8075 Punkte ab , der TecDax fiel um 5,32 Prozent auf 643 Punkte .

Goldpeis auf Rekordstand, Ölpreis sinkt

Die Nervosität der Anleger ist bei dieser langen Verlustserie entsprechend hoch. Der VDax, der die Schwankungsbreite des Leitindex abbildet, schoss auf den höchsten Stand seit 2009. Damals klang die Weltwirtschaftskrise nach der Lehman-Pleite langsam ab. Derweil geht die Rekordjagd des Goldpreises weiter, was letztlich bedeutet, dass die Anleger nach wie vor das Risiko scheuen.

Und so setzt man nicht zuletzt auf Gold: Der Goldpreis hat, gestützt durch die Talfahrt an den asiatischen Aktienmärkten, seine Rekordjagd am Dienstag fortgesetzt. Der Preis für eine Feinunze (etwa 31 Gramm) stieg in der Spitze bis auf 1771,05 US-Dollar. Im frühen asiatischen Handel hatte die Feinunze noch 1716,01 Dollar gekostet. Am Montag hatte der Goldpreis erstmals die Marke von 1700 Dollar überschritten.

Der Ölpreis dagegen fällt angesichts der Finanzkrise weiter: Das für Europa wichtige Brent-Öl kostete am Dienstag 101 Dollar pro Barrel (159 Liter), ein Rückgang von 4 Dollar seit Montag. In Deutschland lag der Preis für einen Liter Superbenzin bei 1,53 Euro, wie der Branchenzweite Shell mitteilte. Diesel wurde einen Cent billiger auf 1,38 Euro. Der Ölpreis fällt seit Tagen. Grund ist die Sorge vor einer Verlangsamung des Wachstums der Weltwirtschaft und damit vor einer geringeren Nachfrage nach Öl. Möglicherweise lösen aber auch Spekulanten ihre Anlagen in Öl auf, um nicht weiter Verluste zu erleiden.

Ingo Schmidt, Kapitalmarktexperte der Hamburger Sparkasse: „Man sucht derzeit den rettenden Anker und findet ihn nicht.“ Folker Hellmeyer, Chefvolkswirt der Bremer Landesbank: „Es ist kein rationaler, sondern ein emotionaler Markt. Hier wird eine Situation diskontiert, die so gar nicht eingetreten ist.“ Die Deutsche Bank schraubte indes ihr Dax-Ziel auf 6800 Punkte zurück und machte dafür enttäuschende Quartalszahlen, wohl sinkende Markterwartungen und die Konjunkturabhängigkeit des Dax verantwortlich. Einzelwerte traten in den Hintergrund: RWE-Papiere rutschten nach ihrem Halbjahresbericht auf den tiefsten Stand seit Ende 2003 und verloren 5,51 Prozent. Der zweitgrößte deutsche Energieversorger hat im ersten Halbjahr wegen des Atomausstiegs wie erwartet weniger verdient. Aktien der Lufthansa profitierten mit einem unterdurchschnittlichen Verlust von 1,81 Prozent von dem abgewendeten Streik der Fluglotsen.

Die Entspannung in der Nachfrage nach italienischen und spanischen Staatsanleihen übertrug sich nicht auf den Aktienmarkt. Fondsmanager Tim Albrecht von DWS Investments: „Das war jetzt zuletzt noch das i-Tüpfelchen für den ohnehin verunsicherten Markt.“ Die Wahrscheinlichkeit, dass die Politik eine angemessene Lösung für die aktuellen Probleme findet, sieht er bei 50 Prozent. Das wäre nach seinen Worten eine Voraussetzung für eine Erholung an den Börsen. Einstiegskurse sieht er trotz des drastischen Kursverfalls in den vergangenen Tagen noch nicht. Dafür seien die Risiken zu hoch.

Verluste auch in Asien

Nach den Kursstürzen der Wall Street am Montag erlebten die Börsen im Asien-Pazifik-Raum gleich nach Handelsbeginn neue Verluste. Der Dow Jones Industrial hatte am Montag mehr als 600 Punkte verloren und war am Montagabend mit einem Stand von unter 11.000 Punkten aus dem Handel gegangen – der tiefsten Schlussstand seit dem 4. Oktober 2010. Kurz zuvor hatte US-Präsident Barack Obama versucht, mit einer demonstrativ optimistischen Rede die Lage zu beruhigen.

Es half indes nicht. Der Hang Seng-Index in Hongkong fiel zeitweise bis zu 7 Prozent. Er erholte sich dann nur leicht wieder und schloss mit einem Minus von 5,66 Prozent. An der japanischen Börse setzte sich die Talfahrt mit der Sorge der Investoren vor einem Abrutschen der US-Wirtschaft in die Rezession fort. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte fuhr aber geringere Verluste als am Vortag ein und ging mit einem Minus von 1,68 Prozent aus dem Handel. Auch in Neuseeland und Australien verloren die Kurse.

Trotz schlechter Inflationszahlen in China und anfänglicher Verluste beendeten hingegen die Aktienmärkte in Shanghai und Shenzhen den Handelstag eher ausgeglichen. Der Shanghai Composite Index schloss mit einem geringen Minus von 0,03 Prozent. Der Shenzhen Component Index stieg minimal um 0,02 Prozent.