Nachfolger

RWE macht Niederländer Terium zum neuen Chef

Im Nachfolgestreit beim zweitgrößten deutschen Energieversorger RWE sind die Würfel gefallen: Der Niederländer Peter Terium soll ab Juli 2012 den Chefsessel besetzen, den derzeit noch sein Vorgänger Jürgen Großmann innehat.

Foto: dpa / dpa/DPA

Er wird der zweite Niederländer an der Spitze von Deutschlands zweitgrößtem Energiekonzern. Peter Terium, derzeit Vorstandschef der niederländischen RWE-Tochter Essent in s'Hertogenbosch, soll am 1. Juli 2012 die Nachfolge des amtierenden RWE-Vorstandsvorsitzenden Jürgen Großmann antreten. Das beschloss der Aufsichtsrat des Essener Unternehmens auf seiner Sitzung am Montag.

Der Finanzexperte Terium ist gelernter Buchprüfer und Controller, der für das niederländische Finanzamt und den Wirtschaftsprüfer KPMG arbeitete, bevor er 1990 zum deutschen Verpackungsmittelkonzern Schmalbach-Lubeca wechselte. Als der Niederländer Harry Roels 2003 die Führung von RWE übernahm, holte er seinen Landsmann Terium in die Essener Konzernzentrale.

Terium konnte seitdem an zahlreichen Schaltstellen des Energieriesen punkten. Zunächst war er als Chefcontroller für die Finanzen zuständig. Im Jahr 2005 stieg er zum Leiter der Handelssparte RWE Trading auf. Danach organisierte er die Eingliederung des neuen Gasgeschäfts in die RWE. Im Anschluss bereitete er den 2009 erfolgten Kauf des führenden niederländischen Energieversorgers Essent vor, der bis dahin den Kommunen und Provinzen gehörte – und übernahm zugleich den Vorsitz der neuen RWE-Tochter.

Der aus Neederwert an der niederländisch-deutschen Grenze stammende zweifache Familienvater ist trotz seiner langjährigen RWE-Karriere in Deutschland weitgehend unbekannt geblieben. Von in Medienberichten zitierten RWE-Mitarbeitern wird er als „rasanter Denker“ und „konsequenter Entscheider“ beschrieben. Roels, der den RWE-Chefposten 2007 an Großmann abgab, soll sich seinerzeit schon für Terium als Nachfolger eingesetzt haben.

Strategiewechsel erwartet

Auf den Zahlenmenschen Terium warten bei RWE große Herausforderungen. Beobachter gehen davon aus, dass er im Gegensatz zu dem als „Mister Atomenergie“ titulierten Großmann den Konzern in neues Fahrwasser führt. Großmann hatte RWE in den vergangenen Wochen mit seinem Festhalten an der Kernenergie nach der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima harter öffentlicher Kritik ausgesetzt.

Ein neuer RWE-Chef müsste nach Einschätzung von Beobachtern einen Strategie- und Imagewechsel für den Konzern einleiten und unter anderem mehr auf erneuerbare Energien setzen. Auch im Umgang mit den Kommunen, die 20 Prozent an RWE halten und das für das operative Geschäft zuständige Vorstandsmitglied Rolf Martin Schmitz als neuen Konzernlenker bevorzugt hätten, wird Terium nach seinen Erfahrungen beim Essent-Kauf großes Geschick zugeschrieben.

Doch Großmann könnte in seinem letzten Jahr bei RWE auch den Weg für einen „weichen“ Start Teriums bereiten – so lautet eine andere Spekulation. Wenn er unangenehme Aufgaben wie Beteiligungsverkäufe oder andere schmerzhafte Schnitte einleitet, könnte Terium dann im Sommer 2012 ein neu aufgestelltes Unternehmen übernehmen.