Baumarkt in der Krise

Praktiker will Liste über Problemstandorte führen

In den Baumärkten von Praktiker läuft das Geschäft noch schlechter als befürchtet. Das Management plant eine Untersuchung "ohne Tabus".

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Bei der Baumarktkette Praktiker ist kein Ende der Krise abzusehen: Im zweiten Quartal fuhr das Unternehmen einen Verlust von 307 Millionen Euro ein, nachdem es im Vorjahreszeitraum noch einen Gewinn von knapp 26 Millionen Euro gegeben hatte. „Die Umsätze haben sich nicht wie erwartet entwickelt“, räumte Finanzchef Markus Schürholz ein.

Besonderes der Juni sei mit einem Umsatzminus in Deutschland von rund 20 Prozent noch schlechter gelaufen als bei der Konkurrenz. Wie schon im Mai läge das Unternehmen nach dem Ende der Rabattaktionen „20 Prozent auf alles“ nun auch im Juli hinter seinen Erwartungen, wenngleich ein leichter Aufwärtstrend zu erkennen sei.

Das Management wolle jetzt „ohne Tabus“ alle Teile des Unternehmens untersuchen. Noch ist laut Schürholz kein Programm zur Schließung zahlreicher Märke in Deutschland beschlossen. Der Finanzchef deutete aber an, dass es bereits eine Liste jener Problemstandorte gibt, die in absehbarer Zeit wohl nicht in die Rentabilität zu bringen sind.

Die Tochter Max Bahr, bei der zwei Standorte große Probleme bereiteten, hielt sich stabil. Angesichts des positiven Trends der Branche ist das allerdings keine Erfolgsmeldung. Das Auslandsgeschäft in Ländern wie Rumänien, Bulgarien oder Ukraine bereitet der Zentrale im saarländischen Kirkel ebenfalls keine Freude.

An der Börse stürzte der Aktienkurs wegen der schlechten Zahlen abermals ab – zeitweise lag der Kurs mit über acht Prozent im Minus. Die Aktie hat damit innerhalb eines Jahres fast 75 Prozent ihres Wertes verloren. Das mag auch ein Grund dafür gewesen sein, dass der langjährige Vorstandvorsitzende Wolfgang Werner in der vergangenen Woche seien Rücktritt angekündigt hatte.

Er will allerdings noch so lange bleiben, bis ein Nachfolger gefunden ist. Schürholz machte keine Angaben zum Stand der Suche. Boris Becker indes muss wohl nicht um seinen Praktiker-Job fürchten: „Die Werbekampagne mit Becker geht weiter. Wir haben aus der Marktforschung positive Reaktionen erhalten“, behauptete der Finanzchef.

Praktiker will vom Billigimage wegkommen

Als Grund für die Verschärfung der Krise nannte Schürholz das Ende der seit Jahren praktizierten Rabattaktionen „20 Prozent auf alles – außer Tiernahrung“. Seit April gibt die Aktion nicht mehr, um Praktiker vom Billigimage weg zu bekommen und die Rendite zu steigern.

Als Folge stürzte der Umsatz um 7,9 Prozent zum Vorquartal auf 956 Millionen Euro, Kundenfrequenz und die Durchschnittssumme auf dem Bon der Einkäufer sanken. „Es ist uns noch nicht gelungen, den Kunden zu vermitteln, was an die Stelle der 20 Prozent-Aktionen getreten ist. Wir müssen noch aggressiver kommunizieren, was sich bei Praktiker verändert hat“, sagte der Finanzchef.

Und meint damit das Konzept „Praktiker 2013“, das unter anderem mehr Kundenfreundlichkeit, mehr Qualität, bessere Wegeführung und ein übersichtlicheres, weil ausgedünntes Sortiment umfasst. Durch neue Organisationsstrukturen soll Geld gespart werden.

Grundsätzlich glaubt das Management weiterhin an sein Konzept, das jetzt schneller umgesetzt werden soll. „Es wird aber länger dauern als erwartet, unsere Ergebnisziele zu erreichen“, sagte Schürholz. Praktiker ist inzwischen nur noch die drittgrößte deutsche Baumarktkette. Die frühere Metro-Tochter betreibt 440 Märkte – von 331 in Deutschland – sowie einen Online-Shop und beschäftigt 20.500 Mitarbeiter.