Londoner Hotel-Ikone

Savoy fährt Rekordverlust von 31 Millionen Pfund ein

Ein arabischer Scheich hat Millionen in die Renovierung des Londoner Savoy Hotels gesteckt. Doch die Offensive blieb offenbar erfolglos.

Das Londoner Savoy Hotel ist eine lebende Legende , dessen Charakter sich schwer mit Worten wie Finanzkrise, Kreditklemme und der in Großbritannien so sehr beschworenen Austerity, der Entbehrung, vereinbaren lässt. Rauschende Feste, Extravaganz und Spektakel formten den Charakter des berühmtesten Hotels des Landes.

Legendär war zum Beispiel die Party des amerikanischen Millionärs George A. Kessler im Jahr 1905. Er ließ das Foyer des Hotels mit Wasser fluten und verwandelte es in ein Mini-Venedig. Die Gäste schaukelten in Gondeln durch das Hotel, der italienische Opernstar Enrico Caruso sang "O sole mio“. Als Höhepunkt des Abends trug ein Babyelefant die Geburtstagstorte hinein.

Nach solchen Anekdoten sucht man in den vergangenen Jahren vergeblich. Doch geht es nach Saudi Arabiens reichstem Scheich Prinz Al-Waleed bin Talal, soll das Savoy wieder zur Ikone des europäischen Hotelgewerbes aufsteigen. Gemeinsam mit der britischen Großbank Lloyds renovierte er das Luxushotel über drei Jahre. Der Umbau dauerte 18 Monate länger als geplant und ließ die Kosten auf rekordverdächtige 220 Millionen Pfund (250 Millionen Euro) explodieren. Weitere 230 Millionen Pfund hatten der Scheich und die Bank 2005 für das Gebäude selbst bezahlt. Im Oktober 2010 eröffnete das Haus wieder.

Nun legte das Hotel erstmals Zahlen beim Londoner Handelsregister vor, die dem Scheich nicht gefallen können. Im vergangenen Jahr versechsfachte sich der Verlust auf 31 Millionen Pfund. 2009 belief sich das Minus trotz der Renovierung auf 5,5 Millionen Pfund. Fairerweise muss man sagen, dass das Hotel nur die letzten 13 Wochen des Jahres 2010 geöffnet war. Doch auch in dieser Periode machte es Verlust.

Schon im vergangenen Jahr kamen Gerüchte auf, der Scheich wolle sich wegen der enormen Kosten von einem Teil seines 50-Prozent-Anteils trennen. Als möglicher Interessent wird der Staatsfonds des Emirates Katar gehandelt, dem unter anderem bereits das Kaufhaus Harrods und das Gebäude der US-Botschaft in London gehört.

Hoteldirektor Kiaran MacDonald gibt sich allerdings zuversichtlich, dass das Savoy schon in diesem Jahr Gewinn machen könnte. Die Belegungsquote der 268 Zimmer habe in den vergangenen drei Monaten bei 90 Prozent gelegen. Kein schlechter Schnitt bei Räumen, die zwischen 420 Pfund und 12?000 Pfund für die Royal Suite pro Nacht kosten.

MacDonald baut darauf, dass sich Prominente, Scheichs und Superreiche der berühmten Geschichte des Hauses nicht entziehen können. Als das Savoy 1889 das erste Mal seinen Türen öffnete, galt es als modernste Luxusherberge des Landes. Die technischen Finessen waren eine Sensation: Als erstes englisches Hotel überhaupt hatte es elektrisches Licht im ganzen Haus, elektrische Aufzüge surrten durch die Etagen, die Zimmer waren durch Sprachrohre an ein Kommunikationssystem angeschlossen und mit private Bädern sowie fließendem heißem Wasser ausgestattet.

Einzige Straße mit Rechtsverkehr

In der Chefküche wurde neben vielen anderen Köstlichkeiten das Pfirsich-Melba-Dessert kreiert. Viele berühmte Gäste stiegen über die Jahrzehnte im Savoy ab, darunter Charlie Chaplin, Judy Garland, Laurence Olivier und Humphrey Bogart. Auch wenn Marilyn Monroe nicht mehr auf den Tischen tanzt, kann man den alten Glamour des Savoy noch spüren. Die Extravaganz des berühmtesten Hotel Londons beginnt schon bei der Ankunft unter dem silbernen Art-Deco-Vordach.

Die Einfahrt des Savoy ist die einzige Straße Großbritanniens, in der Rechtsverkehr herrscht. Chefdesigner Yves Pierre Rochon schaffte es bei der auffangreichen Renovierung, das Hotel von altem Mief zu entrümpeln und gleichzeitig die Architektur beider Gebäudeteile zu erhalten: Der ältere Trakt von 1889 direkt an der Themse ist im klassisch englischer Edwardian Stil mit viel dunklem Holz und Stuckdecken gehalten.

1929 kam der Art-Deco-Teil mit kühlen, klaren Linien, Edelstahl und Chrom dazu. Besonders viel Energie hat Rochon in das Thames Foyer im Herzen des Hotels gesteckt. Erstmals seit dem Krieg ist es wieder durch eine Glaskuppel mit Licht durchflutet. Dort wird auch der traditionelle Afternoon Tea serviert, der laut Hoteldirektion ein Verkaufsschlager ist.

Für Tee, Kekse und Sandwiches bei gedämpfter Pianomusik müsse man bis zu drei Monate im Voraus buchen. Schneller bekommt man einen Tisch im Restaurant Savoy Grill, das heute von Starkoch Gordon Ramsay betrieben wird. Der Tisch in der Mitte rechts war früher der Lieblingsplatz von Winston Churchill. Hier soll er den Anruf bekommen haben, der ihn zum Premierminister machte.