Schuldenkrise

Neue Schnapsidee der EU – ein Sprecher für den Euro

EU-Ratspräsident Van Rompuy soll der Sprecher des Euro werden. Diese Idee hat mehrere Nachteile und lenkt von der Verantwortung der Regierungschefs ab.

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Im window dressing – also im Schmücken der eigenen Auslagen – ist die Euro-Zone Klasse. Gerade einmal 14 Tage ist es her, dass die Spitzenpolitiker der Währungsunion nach langem Tamtam die Beteiligung der privaten Gläubiger am Rettungspaket für Griechenland beschlossen – eine Maßnahme, die den Nachteil hat, dass sie die Verunsicherung der Finanzmärkte fördert, ohne die untragbare Schuldenlast Athens spürbar zu erleichtern. Hauptsache man kann dem Wähler in den EU-Ländern vormachen, dass die Privatwirtschaft ihren Teil zur Euro-Rettung beiträgt.

Nun, das Ganze ist noch nicht unter Dach und Fach, kommen einige in der Euro-Zone auf die nächste Schnapsidee: Weil die Märkte sich durch die Beschlüsse des Sondergipfels nicht beruhigen lassen, soll der Euro seinen eigenen Sprecher bekommen. Einen, der die Kakofonie eindämmt und eine für alle Euro-Länder geltende Sprachregelung findet. Mit EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy gibt's sogar schon einen Kandidaten.

Nur Disziplin der Regierungschefs hilft

Die Idee hat gravierende Nachteile: Erstens ist Van Rompuy als Vertreter auch der Nicht-Euro-Länder in der EU ungeeignet, den oft divergierenden Interessen der Euro-Zone Ausdruck zu verleihen. Der Interessenkonflikt ist systemimmanent. Und zweitens ist der Grund für die Kakofonie nicht, dass es keine Institutionen und Personen gäbe, die für den Euro sprechen könnten. Das Problem ist vielmehr, dass selbst die Regierungen der Euro-Länder oft unterschiedliche Interessen haben und diese öffentlich ventilieren. Auch ein Mr. Euro wird das nicht ändern. Hier hilft nur mehr Disziplin der Regierungschefs.